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Bericht über den 36. Kongress der European Association for Behavioural and Cognitive Therapies vom 20. bis 23. September 2006 in Paris

Der diesjährige EABCT-Kongress fand in Paris statt und war wie in den letzten Jahren sehr gut besucht: mit insgesamt über 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigte sich sehr eindrücklich, welche große Rolle kognitiv-behaviorale Ansätze aktuell für die Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen spielen.


Besonders erfreulich war die sehr gute deutsche Beteiligung: mit knapp 100 Kongressbesucherinnen und -besuchern war Deutschland (zusammen mit Großbritannien und Holland) nach dem Veranstaltungsland Frankreich „ganz vorn“ – wir hoffen, dass das auch im nächsten Jahr in Barcelona (dann Weltkongress!!!) und übernächstes Jahr in Helsinki so bleiben wird.

Inhaltlich stand der diesjährige Kongress unter dem Motto „Patient and Therapist Creativity in Psychotherapy“. Die Inhalte waren erfreulich breit gefächert und reichten von einer Vielzahl von Pre-Congress-Workshops (z. B. M. Bohus zu dialektischer Verhaltenstherapie, P. Phillipot zum Umgang mit Emotionen in der Psychotherapie, P. Chadwick zu Achtsamkeit für Menschen mit psychotischen Ekrankungen), eingeladenen Vorträgen (u. a. Z. Segal zu Achtsamkeit in der Behandlung von Angststörungen und affektiven Störungen, E. Foa zu Faktoren, die Entwicklung und Verlauf posttraumatischer Belastungsstörungen) bis zu Symposien (z. B. zu Gruppentherapie, Störungen des Kindesalters, Autismus, Verhaltensmedizin) und Postern. Insgesamt war analog zu Entwicklungen, die Armin Kuhr bereits für amerikanische Kongresse beschrieben hat, ein verstärktes Interesse an Achtsamkeit und Akzeptanz und deren Rolle für die Verhaltenstherapie zu verzeichnen. Insgesamt wurde deutlich, dass verhaltenstherapeutische Ansätze in europäischen Ländern unterschiedlich etabliert sind.

Das Treffen der International Representatives war mit insgesamt 21 Tagesordnungspunkten sehr umfangreich und reichte von eher technischen Dingen (Protokolle, Bericht des Kassenwarts, Satzungsänderungen etc.) bis zu inhaltlichen Aspekten. Intensiv diskutiert wurde die Frage der Mitgliedschaft von Organisationen aus nicht-europäischen Ländern (hier soll der Status „assoziierter“ Mitglieder geschaffen werden). Es wurde ins Auge gefasst, analog der ABCT „Special Interest Groups“ zu bilden, die sich um spezifische Anliegen kümmern. Die Berichte aus den Arbeitsgruppen zeigten, dass die Training-Standards weiter vorangetrieben wurden; die Arbeitsgruppe zur „Common Language“ unter der Leitung von Isaak Marks hat mittlerweile eine Reihe von Begriffsdefinitionen erarbeitet, die unter http://www.psychomed.net/clp/index.html allgemein zugänglich sind. Interessierte können unter dieser Homepage auch eigene Beiträge schreiben und den Organisatoren vorlegen.

Die Planung des durch die EABCT organisierten Weltkongresses vom 11. bis 14. Juli 2007 in Barcelona ist sehr weit fortgeschritten - Abstracts können noch bis Ende Januar 2007 eingereicht werden. Nähere Informationen finden sich unter http://www.wcbct2007.com/. Dort kann auch ein elektronischer Newsletter bestellt werden, der im Laufe der nächsten Monate regelmäßig über Neuerungen informiert.

Der Kongress vom 10. bis 13. September 2008 in Helsinki wird in der „Finlandia Hall“ stattfinden, nähere Informationen finden sich unter www.eabct2008.org. Wie immer würden wir uns über eine rege deutsche Beteiligung, insbesondere aus der DGVT, freuen.

Thomas Heidenreich, Esslingen
Andreas Veith, Dortmund

Quelle: VPP 4/2006


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