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Bericht über die 29. Jahrestagung des Arbeitskreises Klinische Psychologie in der Rehabilitation


Unter dem Titel "Trends in der medizinischen Rehabilitation" fand die 29. Jahrestagung des Arbeitskreises Klinische Psychologie in der Rehabilitation vom 29. bis 31. Oktober 2010 im Bildungszentrum in Erkner statt. In seinem Einführungsreferat ging Dr. Rolf Buschmann-Steinhage, DRV (Deutsche Rentenversicherung) Bund, auf qualitative Veränderungen in der Rehabilitation in den letzten Jahren ein. U.a. nannte er die Rehaforschung und ihre Bedeutung für die Evidenzbasierung und die Entwicklung von Therapiestandards, die Umsetzung des ICF-Modells, die eine verstärkte Fokussierung auf die Teilhabe zur Folge hatte, die Implementierung neuer Konzepte wie das der arbeits- und berufsbezogenen Orientierung oder das Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung, das eine verstärkte Patientenorientierung verdeutlicht, sowie die Weiterentwicklung von Nachsorgekonzepten. Diese neuen Entwicklungen wurden im weiteren Verlauf der Tagung durch Vorträge und teilweise auch durch Workshops vertieft.

Prof. Karl-Heinz Ladwig, Helmholtz Zen­trum München, zeigte die Bedeutung der Depression als unabhängiger Risikofaktor für eine koronare Herzkrankheit und mögliche vermittelnde Prozesse auf. Dr. Silke Neuderth, Uni Würzburg, stellte die Entwicklung der arbeits- und berufsbezogenen Orientierung in der medizinischen Rehabilitation (MBOR) vor. Neben Screening-Bögen zur Erfassung von Patienten mit besonderen beruflichen Problemlagen verwies sie auf das im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung erstellte Praxishandbuch, in dem die wichtigsten arbeits- und berufsbezogenen Maßnahmen definiert und anhand von Praxisbeispielen illustriert sind.

Ein weiterer Schwerpunkt stellte die Nachsorge dar. Dr. Veronika Ströbl, Uni Würzburg, stellte erste Ergebnisse einer telephonischen Nachsorge zur Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität bei übergewichtigen Patienten vor, während Susanne Bartel, Charité Berlin, die Möglichkeiten und Akzeptanz internetgestützter Nachsorge aufzeigte. Prof. Sonia Lippke, Uni Maastricht, verwies ferner auf die Bedeutung der sozialen Unterstützung für die Aufrechterhaltung von Reha-Erfolgen.

Gegen Ende der Tagung ging es um die Rolle der Psychologie in der somatischen Rehabilitation. Dr. Ulrike Worringen, DRV Bund, stellte die Rahmenbedingungen und Strukturen für PsychologInnen dar. U.a. verwies sie darauf, dass in den Strukturanforderungen der Deutschen Rentenversicherung von 2010 bei somatischen Indikationen ein Stellenschlüssel von 1: 80 gefordert wird, wobei allerdings PsychologInnen mit ÄrztInnen eine Funktionsgruppe bilden. Prof. Oskar Mittag, Uni Freiburg, zeigte Ergebnisse der Befragung der psychologischen Dienste zum Stand der Rolle der Psychologie in somatischen Reha-Kliniken auf, die im Rahmen des Forschungsprojekts "Psychologische Interventionen in der Rehabilitation von PatientInnen mit chronischen Rückenschmerzen oder koronarer Herzerkrankung: Systematische Entwicklung von Praxisempfehlungen" erhoben worden waren.

Raum zur Diskussion aktueller berufspolitischer Themen (z.B. Tätigkeitsfelder von Bachelor-, Diplom- bzw. MasterpsychologInnen sowie Psychologischen PsychotherapeutInnen) bot die Versammlung der Arbeitskreismitglieder. Nach langjähriger Tätigkeit in der Arbeitskreisleitung wurden Verena Pimmer, Dr. Jürgen Theissing sowie Dr. Dieter Küch verabschiedet. Neu in die Arbeitskreisleitung wurden Andigoni Mariolakou, Katharina Wirtgen sowie Martin Spreen-Ledebur gewählt. Hinzukommen Britta Mai und Dieter Schmucker, die von der Versammlung in ihrem Leitungsamt bestätigt wurden.

Hervorzuheben ist die professionelle Planung und Durchführung der Tagung durch die Leitung des Arbeitskreises, die es wieder geschafft hat, qualifizierte Experten als Referenten für die Tagung zu gewinnen und ein breitgefächertes Workshop-Angebot zu erstellen.

Stefan Lueger, Bad Kissingen


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