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Gemeinsam eigenständig Bundesweiter DGVT-AusbildungsVerbund mündet in gemeinnützige GmbH


Wie eine qualitativ hochstehende und an wissenschaftlichen Standards orientierte Ausbildung von PsychotherapeutInnen gewährleistet werden kann, damit hat sich die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT) schon seit ihrer Gründung 1968 intensiv beschäftigt. Auf Grundlage des 1999 in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetzes wurden unter dem Dach der DGVT folgerichtig republikweit Ausbildungszentren für Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen ins Leben gerufen. Nun haben die DGVT und die Ausbildungszentren gemeinsam eine gemeinnützige GmbH gegründet, in der die Ausbildungsaktivitäten koordiniert und weiterentwickelt werden.

 

Rund 1700 PsychologInnen und PädagogInnen mit akademischem Abschluss streben derzeit an einem DGVT-Ausbildungszentrum die Approbation als PsychotherapeutIn an. Die Ausbildungszentren sind damit innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums zu veritablen Unternehmen geworden. Vor etwa drei Jahren setzte ein Diskussionsprozess über die Frage ein, welcher organisatorische Rahmen sich für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Ausbildungswesens eigne. Die Vereinsstruktur der DGVT schien dafür trotz professioneller Führung auf Dauer nicht ideal. Gleichzeitig waren sich die Beteiligten darin einig, dass die gesundheits- und berufspolitischen Ziele der DGVT weiterhin das Fundament der Ausbildung darstellen und außerdem wichtige Grundsatzentscheidungen hinsichtlich der Ausbildung im größtmöglichen Konsens zwischen Verein und Ausbildungszentren getroffen werden sollen.

In einem mitunter auch kontroversen Diskussionsverlauf kristallisierte sich die gemeinnützige GmbH als geeignetste Rechtsform dafür heraus. Anfang Oktober 2010 wurde der formale Gründungsakt vollzogen. Der DGVT-Verein und die Leiter von 22 staatlich anerkannten Ausbildungszentren aus ganz Deutschland zeichneten in Tübingen Anteile an der DGVT-Ausbildungsakademie gGmbH. „Wir haben eine moderne Form gefunden, die Verein und Ausbildungsstätten gleichermaßen absichert“, ist DGVT-Vorstandsmitglied Wolfgang Schreck überzeugt. „Die Risiken wurden wechselseitig minimiert, die vertraglichen Beziehungen sind nun klar geregelt und auf Kooperation ausgerichtet.“

Auch Wolfgang Schneider, Sprecher der DGVT-Ausbildungszentren und Leiter des Ausbildungszentrums Krefeld, ist von der gefundenen Lösung überzeugt: „Die DGVT steht für uns auch als bekanntes Markenzeichen. Die enge Kooperation mit dem Verein verhindert zudem, dass ein Ausbildungszentrum nur im eigenen Saft schmort. Ein regelmäßiger Austausch ist damit gewährleistet ebenso wie das Qualitätsmanagement. Wichtig war uns aber auch, dass regionale Unterschiede sowie verschiedene Modelle der Trägerstruktur in der neuen GmbH erhalten bleiben können.“ Während das Krefelder Institut in eigener Trägerschaft arbeitet, liegt die Trägerschaft der meisten anderen DGVT-Ausbildungsstätten beim Verein. „Die Institute kommen von sehr unterschiedlichen Modellen her, die historisch bedingt sind“, sagt Monika Basqué vom Berliner Ausbildungszentrum für Psychologische PsychotherapeutInnen. „Mir war es in der Diskussion besonders wichtig, dass daraus keine sich auseinander entwickelnden Modelle unterschiedlicher Wertigkeit und wirtschaftlicher Konditionen entstehen“, betont sie. Solche Bedenken seien aber auch dank einer „offenen Streitkultur“ im Laufe des Prozesses ausgeräumt worden.

Jürgen Bellingrath leitet das KJP-Ausbildungszentrum in Köln und erhofft sich von der GmbH einen „noch stärkeren Schulterschluss“ angesichts der bevorstehenden politischen Entscheidungen über die Zukunft der KJP-Ausbildung und damit auch über die künftigen Berufsaussichten von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen. Auch Alfred Luttermann, Leiter des KJP-Ausbildungszentrums in Berlin, setzt darauf, dass die KJP-Institute „als gebündelte Stimme“ besser vernehmbar werden – zum Beispiel, wenn es um deren spezifische Belange bei Ausbildungsinhalten geht, aber auch was die Wahrnehmung der Interessen innerhalb der DGVT angeht.

Solche und andere Belange können künftig auf den halbjährlich geplanten Gesellschafterversammlungen besprochen werden, auf denen auch die grundlegenden Richtungsentscheidungen gefällt werden. Den laufenden Betrieb der GmbH steuert Günter Ruggaber als Geschäftsführer. Er wird bei strategischen Fragestellungen von Co-Geschäftsführerin und DGVT-Geschäftsstellenleiterin Waltraud Deubert unterstützt. Diese Zusammensetzung der Geschäftsführung gewährleistet, dass GmbH und Verein am Gesellschaftssitz in Tübingen ohne überflüssigen Aufwand zusammenarbeiten können.

Zufrieden zieht DGVT-Vorstand Wolfgang Schreck am Abend der GmbH-Gründung Bilanz: „Es hat im Laufe des Gründungsprozesses einen erfolgreichen und fairen Interessensausgleich gegeben. Das gefundene Modell berücksichtigt regionale und gewachsene Besonderheiten und bietet zugleich alle Möglichkeiten, gemeinsame Qualitätsstandards und Ausbildungsinhalte zu sichern und voranzubringen.“

 


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