< vorheriger Artikel

Beteiligung von pharmazeutischen Unternehmen an Verträgen der Integrierten Versorgung


Für Krankenkassen und Leistungserbringer hat der Gesetzgeber mit der Integrierten Versorgung die Möglichkeit eröffnet, außerhalb der kollektivvertraglichen Regelversorgung in Einzelverträgen besondere Akzente für fach- und sektorenübergreifende Kooperationen und Koordination von ärztlichen und nichtärztlichen Leistungen zu setzen. Bereits nach bisher geltendem Recht konnte in der Integrierten Versorgung die Arzneimittelversorgung grundsätzlich auf Basis von Rabattverträgen erfolgen.

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen hat sich in einer Kleinen Anfrage (Drucksache 17/3350) nach der Beteiligung von pharmazeutischen Unternehmen an Verträgen der  Integrierten Versorgung erkundigt. Die Grünen wollten unter anderem Auskunft darüber, ob die Regierung die Ansicht teilt, dass durch Versorgungsverträge unter direkter Beteiligung pharmazeutischer Unternehmen Anreize entstehen, die zur Fehlversorgung von Patienten führen können.

Die Bundesregierung informiert dazu, dass es "sinnvoll sei, den gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen solcher Versorgungsformen direkte Vertragsabschlüsse mit pharmazeutischen Unternehmen zu ermöglichen" und diese Verträge (nach §§ 140a ff. SGB V) der für die jeweilige Krankenkasse zuständigen Rechtsaufsicht zu unterstellen. Dies wäre das jeweilige Gesundheits- und Sozialministerium, in dessen Bereich ein Vertrag zur Integrierten Versorgung geschlossen wurde. Die vollständige Antwort der Bundesregierung (Drucksache 17/3625) können Sie unter www.dip21.bundestag.de nachlesen

Kein Ausverkauf der Psychiatrie

Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie  protestiert gegen diese direkten Verträge zwischen Pharmafirmen und Krankenkassen. Die DGVT unterstützt die entsprechende Resolution.

Keine Versorgungsverträge zwischen Pharmaindustrie und Krankenkassen

Eigentlich hört es sich gut an: Die rund 13.000 AOK-PatientInnen in Niedersachsen, die an Schizophrenie erkrankt sind, können sich für das Konzept „Integrierte Versorgung Schizophrenie“ entscheiden, das ihnen ein weitgehend normales Leben außerhalb des Krankenhauses ermöglichen soll. Der Haken an der Sache: Für die Versorgung zeichnet das „Institut für Innovation und Integration im Gesundheitswesen“ – I3G – verantwortlich, eine Tochtergesellschaft des forschenden Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag. Direkte Verträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen stellen nach Ansicht von Fachleuten einen gefährlichen Paradigmenwechsel in der medizinischen Versorgung dar. Deshalb unterstützt die DGVT die Resolution der DGSP (Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V.): Kein Ausverkauf der Psychiatrie!

In der Resolution heißt es wörtlich: „Wir wollen eine Versorgung, die sich an den Bedürfnissen von Patienten und Angehörigen sowie an modernen wissenschaftlichen Leitlinien ausrichtet und nicht an den Produkt- und Gewinninteressen von Pharmafirmen. Es geht uns um eine umfassende Therapie, die sich nicht auf Medikamente reduzieren lässt.

Wir fordern die Politik auf, die Novellierung des §140b SGB 5 zurückzunehmen.“

Der Paragraph regelt die Integrierte Versorgung und ermöglicht Verträge zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern. Erstmals ist nun ein Tochterunternehmen eines Pharmakonzerns beteiligt, und das AMNOG, das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes, ermöglicht ab 2011 sogar direkte Verträge zwischen Pharmaunternehmen und Krankenkassen.

In der Resolution werden die Krankenkassen des Weiteren aufgefordert, sich solchen Verträgen im Interesse ihrer Mitglieder zu verweigern. An die Leistungserbringer wird appelliert, die „gute Idee der Integrierten Versorgung nicht durch die Beteiligung der Pharmaindustrie zu verraten“.

Weitere Informationen finden Sie auf www.psychiatrie.de/dgsp


Zurück