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Bericht über das Kick-off-Meeting der S 3-Leitlinie Psychoonkologie am 15.11.2010


Am 15. November fand im Meridien-Hotel in Köln die erste Tagung (Kick-off-Meeting) zur Erstellung einer S 3-Leitlinie Psychoonkologie statt. Erschienen waren insgesamt 51 Teilnehmer - neben den Autoren und Koordinatoren der Leitlinienerstellung 41 Vertreter verschiedener Verbände und Berufsgruppen, die mit der Krebstherapie betraut sind. Neben Ärzten und Psychologen waren das auch Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Krankenpfleger sowie der Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe.

Im Vorfeld musste abgeklärt werden, ob durch finanzielle, kommerzielle, politische oder akademische Beziehungen der Beteiligten Interessenkonflikte im Hinblick auf die Leitlinie bestehen. Jeder hatte dazu einen Fragebogen auszufüllen. Die Zuordnung war dabei nicht ganz einfach und wurde daher noch einmal im Plenum erörtert. Es ergab sich, dass Interessenkonflikte angesichts der unterschiedlichen Kriterien kaum vermeidbar sind, die Leitlinienerstellung jedoch nicht zwingend negativ beeinflussen müssen. Eine Erklärung ist jedoch für die allgemeine Legitimation und Glaubwürdigkeit in der Wahrnehmung durch Öffentlichkeit und Politik entscheidend.

Der Koordinator, Professor Dr. Joachim Weis von der Universität Freiburg, Abteilung Tumorbiologie, informierte über den Stand der Dinge.  Die Arbeitsgruppe hatte verschiedene europäische und internationale Leitlinien gesichtet. In der australischen Variante „Clinical Practice Guidelines for Psychosocial Care of Adults with Cancer” von 2003sei die psychoonkologische Thematik bisher am umfassendsten enthalten. Dr. Markus Follmann vom Office des Leitlinienprogramms der Deutschen Krebsgesellschaft führte in das „Leitlinienprogramm Onkologie” ein. Frau Dr. Ulrike Heckl, Psychologin am Institut für Tumorbiologie in Freiburg, gab einen anschaulichen Überblick über die interessantesten Leitlinienentwürfe. Die australische Leitlinie scheint dabei vorrangig Modellcharakter zu haben.

Diskutiert wurden die Grobgliederung des Leitlinientextes sowie entsprechende Schlüsselfragen zu folgenden Themen:

1.      Definition und Grundprinzipien der Psychoonkologie

2.      Prozessqualität

3.      Qualitätsindikatoren

4.      Psychoonkologische Intervention

5.      Diagnostik

6.      Psychosoziale Belastungen

7.      Psychische Komorbidität

8.      Psychosoziale Beratung

9.      Besonderheiten einzelner Diagnosegruppen

10.    Patientenzentrierte Kommunikation

11.    Statementübersicht

Schlüsselfragen  müssen nicht zu allen Gliederungspunkten erstellt werden. Über Strukturqualität und räumliche Erfordernisse beispielsweise entscheidet die entsprechende Arbeitsgruppe. Psychosoziale Belastungen haben einen besonderen Stellenwert in der Krebstherapie und sollen von den Fachgesellschaften benannt werden. Über die Notwendigkeit der Outcome-Kriterien „Lebensqualität, psychische Belastung und Überlebensrate“ bestand jedoch Konsens. Zum Thema Angehörige sollen „Belastungen in der Partnerschaft und im familiären Umfeld“ im Hintergrundtext aufgenommen werden. Für die Kapitel „Psychosoziale Beratung” und „Besonderheiten einzelner Diagnosegruppen” sowie „Patientenzentrierte Kommunikation” müssen noch Schlüsselfragen konsentiert werden.

Zuletzt erfolgte die Bildung der Arbeitsgruppen für die Literatur-Recherche entsprechend der Schlüsselfragen.

Das nächste Konsensustreffen ist für den April 2011 anberaumt. Insgesamt gestaltete sich die Zusammenarbeit angesichts der heterogenen Teilnehmergruppen harmonisch und effektiv.

Dr. Friederike Schulze

 


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