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Tagungsbericht zum Symposium „Depression und Therapie affektiver Störungen" in Tübingen


Anlässlich des 60. Geburtstages des Lehrstuhlinhabers für Klinische Psychologie an der Universität Tübingen, Prof. Dr. Martin Hautzinger, fand ein eintägiges Fachsymposium in der Neuen Aula der Universität statt. Insgesamt etwa 250 geladene Gäste fanden sich zu den State-of-the-Art-Referaten rund um das Thema „Depression und Therapie affektiver Störungen" im Audimax ein. Neben Vertretern der Lehrstühle für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychosomatik aus ganz Baden Württemberg befanden sich auch viele Therapeuten und Studierende sowie ehemalige Mitarbeiter des Psychologischen Institutes in Tübingen unter den Teilnehmern der Tagung.

Ein Grußwort zur Tagung Prof. Dr. Hans-Christoph Nürk vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen, der die wissenschaftliche Karriere von Martin Hautzinger nachzeichnete und die persönlichen wie wissenschaftlichen Verbindungen zu den folgenden Referenten herstellte.

Als erster Referent sprach Prof. Andreas Fallgatter, ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Tübingen und führender Experte in der Nahinfrarot-Spektrometrie, zum Thema „Hirnfunktionsstörungen bei affektiven Erkrankungen - diagnostische und therapeutische Implikationen". In seinem Vortrag zeigte Fallgatter die Möglichkeiten multimodaler funktionaler Bildgebung bei der Erhebung von Biomarkern depressiver Erkrankungen auf, führte in die Technik der Nahinfrarot-Spektrometrie ein und gab einen Ausblick auf neue erfolgversprechende Therapietechniken bei affektiven Störungen wie der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation.

Prof. Ulrich Stangier, Ordinarius für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Frankfurt, referierte  über aktuelle psychotherapeutische Ansätze in der Depressionsbehandlung. Sein mit „Neuer Wein in alten Schläuchen" betitelter Vortrag beleuchtete die historische Entwicklung der aktuellen verhaltenstherapeutischen Verfahren, ging auf neue achtsamkeitsbasierte Therapieansätze ein und setzte sich mit erfolgreicher Rückfallprophylaxe bei rezidivierender Depression mittels manualisierter Psychoedukation auseinander.

Aktuelle Befunde zu depressiven Störungen bei Studenten brachte Prof. Ursula Luka-Krausgrill von der Universität Mainz in die Diskussion ein. Luka-Krausgrill ist Leiterin der Psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studierende und stellte den Erfolg von Stepped-Care-Modellen und Kurzzeit-Psychotherapien in der Versorgung der speziellen Patientenklientel heraus. Prof. Renate de Jong-Meyer, Inhaberin .des Lehrstuhls für Klinische Psychologie an der Universität in Münster, sprach über die wesentliche Bedeutung von Ruminationen für die Aufrechterhaltung von depressiven Störungen. Sie trug die aktuellen Forschungsbefunde von experimentellen Ruminationsstudien vor und referierte Studienergebnisse zu der Beeinflussbarkeit ruminativer Gedanken durch therapeutische Interventionen wie der Decentring-Methode nach A.T. Beck.

Prof. Michael Linden, Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité in Berlin, stellte in seinem Vortrag die generelle Frage „Was ist Verhaltenstherapie?" und nahm eine Abgrenzung von verhaltenstherapeutischen Ansätzen gegenüber anderen psychotherapeutischen Verfahren vor, gepaart mit einer Aufstellung von Kriterien/Techniken, die für eine Verhaltenstherapie unerlässlich sind.

Prof. Ulrike Ehlert, Ordinaria für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität in Zürich, behandelte die Fragestellung „Ist eine Depression ‚logische Konsequenz’ von Stress?". In ihrem Referat gab Ehlert einen Überblick über die psychobiologischen - und insbesondere endokrinologischen - Befunde zur Verarbeitung (frühkindlicher) Stress-Erfahrungen und der erhöhten Vulnerabilität für die Herausbildung einer depressiven Störung im Erwachsenenalter.

Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie, übermittelte in einem persönlichen Kurzvortrag die Grüße seines Verbandes. Prof. Dirk Zimmer, der Leiter der Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie, sowie Prof. Thomas Meyer aus Newcastle als ehemaliger Mitarbeiter hielten eine Laudatio auf Martin Hautzinger.  


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