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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen (Rosa Beilage zur VPP 1/2011)


Umsetzung der 20%-Quote

In NRW wurde die Umsetzung der 20%-Quote Ende letzten Jahres weitgehend beendet. Im Bereich der KV Nordrhein ergab sich folgendes Bild: besonders nachgefragt waren die Sitze in einigen großen Städten wie Köln und Bonn, in kleineren Städten wie Remscheid oder Solingen konnten die ausgeschriebenen Sitze teilweise bis heute noch nicht vollständig besetzt werden. In Westfalen-Lippe sind in vielen Bezirken keine neuen Sitze ausgeschrieben worden.

Nach einem ersten Eindruck scheint auch mit der nun deutlich besseren Versorgungslage der vorhandene Bedarf nicht gedeckt zu sein. Einige Kolleginnen und Kollegen berichten bereits nach kürzester Zeit von so großer Nachfrage, dass Wartelisten für PatientInnen eingeführt werden müssen. Dies mag auch dem Sachverhalt geschuldet sein, dass kaum ein/e Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in den vollen Versorgungsauftrag von ca. 36 Wochenstunden ausschöpft oder ausschöpfen kann, weil beispielsweise vormittags nur selten regelmäßige Therapiestunden vereinbart werden können.

Das Zeitfenster der nachgefragten Therapiezeiten ist eng, besonders gefragt sind die Termine zwischen 15 und 17 Uhr. Mit dem Ausbau von Ganztagsschulen und -betreuung wird sich diese Problematik weiter verschärfen. Auch wird bei der Umsetzung der 20 %-Quote der Bedarfsplanungsrichtlinie von 1999 gefolgt, d.h. in vorher bereits schlecht oder gar nicht versorgten Bereichen hat sich an der Versorgungslage nicht wirklich etwas geändert. Einige PatientInnen und mit ihnen die Eltern müssen immer noch Anfahrten von ein bis eineinhalb Stunden in Kauf nehmen, so z.B. in manchen Gebieten in der Eifel.

Betrachtet man die Versorgungslage der psychisch kranken Kinder und Jugendlichen, ist die erfolgte Umsetzung der 20%-Quote ein erster wichtiger Schritt. Weitere müssen geplant und entwickelt werden. Erste Ideen wären Job-Sharing (in den KV-Bereichen, in denen dies gut möglich ist) und die Weitergabe halber Sitze. Analog zu anderen Facharztgruppen sind Modelle denkbar, in denen der Therapeut z.B. regelmäßig Jugendhilfeeinrichtungen besucht und dort Therapien durchführt (auch denkbar im Rahmen von Zweigpraxen). Auch die Auslastung der einzelnen Sitze bis hin zur Kapazitätsgrenze wäre mit intelligenten Teilzeitmodellen und entsprechenden Möglichkeiten zur Anstellung oder Delegation des restlichen Zeitkontingentes zu lösen. Diese Modelle müssten weiter diskutiert werden, und es müssten Anreize geschaffen werden, die Vernetzung von ambulanter, stationärer und teilstationärer Behandlung zu verbessern.

Die Folgen des Ausbaus von Ganztagsschulen und -betreuung für die therapeutische Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen und die Entwicklung von Lösungsansätzen ist auch das Schwerpunktthema des Ausschusses KJP in der Psychotherapeutenkammer.

Rückblickend ist unser Eindruck, dass während der Zulassungsverhandlungen eine recht große Bandbreite an KollegInnen unterschiedlicher Altersstufen eine Zulassung erhalten hat. Alles in allem stellten sich die Zulassungsausschüsse als große Chance auch für jüngere KollegInnen heraus. So war es beispielsweise für einige KollegInnen mit einer Approbation aus dem Jahr 2010 noch möglich, eine Niederlassung in Düsseldorf zu erhalten. Scheinbar stellt die Niederlassung besonders für junge KollegInnen eine deutlich attraktivere Alternative dar als eine Anstellung. Unter anderem ist dies sicher so, weil der Beruf des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten immer noch nicht in den Institutionen und Einrichtungen angekommen ist. Es ist besonders für Kolleginnen mit pädagogischem Grundberuf weiterhin äußerst unattraktiv, in Festanstellung (trotz teurer und intensiver Ausbildung und Approbation) ihrem Grundberuf entsprechend bezahlt zu werden und somit finanziell auf die gleiche Stufe wie eine Kollegin ohne Approbation gestellt zu werden.

Viele neue Kollegen und Kolleginnen in der ambulanten Versorgung nutzten im vergangenen Jahr die DGVT-Mailinglisten zum regen fachlichen Austausch insbesondere zu Fragen der 20 %-Quote, zur Gründung von Intervisionsgruppen oder zur Klärung von Praxisorganisationsfragen. Schön wäre es, wenn sich ein Meinungsaustausch über die Mailinglisten auch bei den zukünftigen Aufgaben (Kooperationsmöglichkeiten etc.), wie oben angedacht, fortführen ließe.

Die Generation der nach dem Psychotherapeutengesetz ausgebildeten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten ist in der ambulanten Versorgung angekommen!

Kassenärztliche Vereinigungen

An dieser Stelle ist auch ein Rückblick auf die letzten KV-Wahlen in NRW angezeigt. In Nordrhein haben wir uns an der Liste der dptv (Deutsche PsychotherapeutenVereinigung) beteiligt, die drei von fünf Sitzen für PP/KJP eroberte, was letzten Endes auch als Ergebnis der guten Arbeit während der letzten Legislaturperiode gewertet werden darf. In Westfalen-Lippe beteiligten wir uns an einer ebenfalls verbändeübergreifenden Liste, die einen Platz erzielen konnte, wobei der zweite, eigentlich nicht kalkulierte Sitz in der Vertreterversammlung nur knapp verfehlt wurde.

In beiden Gremien erwarten wir eine weiterhin reibungslose intensive Zusammenarbeit, auf die wir uns freuen. Inhaltliche Schwerpunkte für uns sind nach wie vor Versorgungsfragen, die wir auch nach Umsetzung der Quote als ausbaufähig einschätzen, was sich natürlich auch auf den Erwachsenenbereich bezieht. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die aktuelle Umfrage der Kammer, die das Ziel hat, die Bedarfserhebung und -planung zu aktualisieren. Wir fordern auf, sich rege an der Rücksendung der Fragebögen zu beteiligen, da die im Augenblick ins Auge gefasste generelle ärztliche Bedarfsplanung uns wieder auf die alten, nur zu gut bekannten Zahlen von 1989 einstufen könnte. Ein zentraler Punkt wäre die maximale Auslastung der Sitze, die im augenblicklichen Rahmen deutlich mehr behindert denn gefördert wird.

Um eine dezidiertere Interessenvertretung unserer Verbandsmitglieder auch im Bereich der KV zu gewährleisten, ist es erforderlich, mehr KollegInnen zu erreichen, die bereit sind, Zeit und Ressourcen in einen zweifellos wichtigen Bereich der Standesvertretung zu investieren. Der Zeitpunkt ist vielleicht nach der Umsetzung der o.g. KJP-Quote gar nicht schlecht gewählt, da sich viele junge Kollegen ohnehin in den KV-Bereich einarbeiten müssen.

Darüber hinaus tun wir gut daran, die weitere Regionalisierung der DGVT voran zu treiben. Nachdem in Köln die regionalen DGVT-Treffen als etabliert gelten können, sind weitere Treffen im Raum Dortmund/Bochum und in Bielefeld in der Planung. Auch die Ausbildungszentren bieten hier möglicherweise einen Ansatz, politische Beteiligung vor Ort auf breitere Füße zu stellen.

Psychotherapeutenkammer NRW

Schwerpunktthema der verkammerten BerufskollegInnen war in den letzten Monaten die Diskussion um eine mögliche Neuregelung der Ausbildung zum Psychotherapeuten. Letzten Endes wurde ein Entwurf der Bundespsychotherapeutenkammer an die relevanten Gremien der Bundespolitik geleitet, um die Chance auf eine Novellierung nicht bis auf Weiteres zu vertagen. Es bleibt abzuwarten, ob die Basis der Psychotherapeutenschaft die inhaltliche Positionierung wie auch den formalen Ablauf dieses Entscheidungsganges teilt, befürwortet oder doch eher kritisch betrachtet.

Ebenso stehen Entscheidungen in punkto Musterweiterbildungsordnung und zur Aufhebung der derzeit geltenden Befugniseinschränkungen für PP/KJP an. Zu beiden Bereichen diskutiert die PTK NRW bereits seit längerem.

Im Hinblick auf die Weiterbildung sehen unsere Vertreter neben allen Vorteilen eines Ausbaues der Weiterbildung immer wieder auch Gefahren und negative Entwicklungen, die nicht direkt abgeschätzt werden können. Letztlich besteht die Sorge, dass Weiterbildungsregelungen zu einer deutlichen Einschränkung der allgemeinen Approbation führen könnten.

Die Aufhebung der derzeit geltenden Befugniseinschränkungen wird im Augenblick in der Kammer diskutiert, wobei man sich von der Umsetzung dieser Forderung eine bessere, gesichertere Implementierung unseres Berufsstandes im Gesundheitssystem verspricht.

Aus dem Versorgungswerk der PTK NRW gibt es zu berichten, dass wir die Wirtschaftskrise offensichtlich glimpflich überstanden haben, die Kennzahlen sind nach derzeitigem Stand zufriedenstellend. Besonders erfreulich sind die Entwicklungen bezüglich der Zahl der Psychotherapeuten, die sich dem V-Werk angeschlossen haben. Mittlerweile sind die Mitgliederzahlen durch den Anschluss Baden-Württembergs wie der Ostkammer auf über 4000 angestiegen, dementsprechend sinkt der Verwaltungskostenanteil perspektivisch weiter, während durch die „Neumitglieder“ wie auch Zusatzzahlungen seitens der „Altmitglieder“ erhebliche Mehreinnahmen in die Bilanz einfließen.

Irene Seiderer, Eva Bell und Jürgen Kuhlmann


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