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DAK-Gesundheitsreport 2011 Psychische Erkrankungen so häufig wie noch nie


Der DAK-Gesundheitsreport 2011 wurde am 15. Februar der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem vorliegenden Gesundheitsreport 2011 setzt die DAK ihre jährliche Berichterstattung zum Krankenstand ihrer Versicherten fort. Anders als erwartet, hätten sich während des Aufschwungjahres 2010 nicht mehr ArbeitnehmerInnen krank gemeldet als während der Krise, sagt DAK-Chef Herbert Rebscher. Es sei eine Legende so Rebscher, dass sich ArbeitnehmerInnen in wirtschaftlich guten Zeiten häufiger krank melden als in Krisenzeiten. „Der implizite Vorwurf vom Blaumachen ist nicht zu halten“, so Rebscher.

Die DAK hat die jungen Erwerbstätigen in den Mittelpunkt ihres Gesundheitsreports 2011 gestellt. Hierzu wurden neben den Daten der ambulanten Behandlung auch die Krankschreibungen und die Arzneimittelverordnungen von der DAK ausgewertet. Eine repräsentative Befragung junger Erwerbstätiger sowie Einschätzungen namhafter ExpertInnen ergänzen die Untersuchung.

Im Jahr 2010 lag der Krankenstand bei 3,4 % und ist damit im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems lagen mit einem Anteil von rund 22 % am Krankenstand wieder an der Spitze aller Krankheitsarten. An zweiter Stelle lagen die Erkrankungen des Atmungssystems mit rund 16 %. Auf Verletzungen konnten 14,3 % des Krankenstandes zurückgeführt werden.

Der Anteil der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen hat 2010 um 1,3 Prozentpunkte zugenommen. Ihr Anteil am Krankenstand betrug 2010 12,1 %. Bei Frauen machten sie 14,8 % des Arbeitsunfähigkeits-Volumens aus, bei Männern 10 %. Der Anteil am AU-Volumen hat sich bei Frauen und Männern im Vergleich zum Vorjahr gleichermaßen erhöht. Auch bei jungen Arbeitnehmerinnen sind psychische Krankheiten auf dem Vormarsch. Jeder Zehnte zwischen 15 und 29 Jahren hat Schmerzen oder andere körperliche Probleme ohne organische Ursachen, oft begleitet von Depressionen. Knapp 6 % haben Anpassungsstörungen - also Probleme, mit wichtigen Lebensveränderungen umzugehen.

Besonders „alarmierend“ ist es laut DAK, dass bereits jeder fünfte junge Erwerbstätige aufgrund von Rückenschmerzen behandelt werden müsse. Laut Umfrage leide sogar jeder zweite Befragte an Muskelverspannungen. Knapp 30 % der jungen Menschen gaben an, regelmäßig Kopfschmerzen zu haben, 14 % leiden unter Schlaflosigkeit und mehr als 16 % unter Stimmungsschwankungen, wie z.B. Angstzustände.

Rund 60 % der befragten jungen ArbeitnehmerInnen gaben in der repräsentativen Umfrage an, sie könnten mehr leisten als im Job verlangt würde. Die DAK wies darauf hin, dass „in der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement der Fokus nicht nur auf Überforderung und Burn-Out gerichtet sein solle, sondern auch darauf, wie sich Unterforderung auswirkt“. Dies könne auch Stress verursachen.

Bei der Zunahme psychischer Probleme kommt hinzu, dass die Menschen mit seelischen Problemen im Schnitt zweieinhalb Monate auf eine Psychotherapie warten müssen, wie aus der am 14.2.2011 veröffentlichten Studie des Duisburger Gesundheitsforschers Jürgen Wasem hervorging (siehe hierzu Artikel von Wolfgang Bürger in diesem Heft).

Waltraud Deubert


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