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Bericht der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern (Rosa Beilage zur VPP 2/2011)


Beratender Fachausschuss für Psychotherapie tagte in Schwerin

Am 16. März 2011 kam der Beratende Fachausschuss für Psychotherapie der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Als Sprecher wurden Christoph Bosse (Psychologischer PT) und Fridjof Gebhardt (ärztlicher PT) gewählt.

In einem gemeinsamen Brief hatten Christiane Kirchner (bvvp), Jürgen Friedrich (DGVT), Fridjof Gebhardt (DGPT) und Otto Rendenbach (vpp-bdp) im Vorfeld ihre Befürchtung geäußert, durch den Wegfall des Beratenden Hauptausschusses (nach Satzungsänderung) könnten die Psychotherapeuten von aktuellen Informationen abgehängt werden, auch weil der Beratende Fachausschuss für Psychotherapie in der Vergangenheit selten einberufen wurde. Der KV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eckert versuchte die Bedenken zu zerstreuen. Vor jeder Vertreterversammlung gebe es eine Info-Veranstaltung für die Berufsverbände, zu der auch Verbandsvertreter der Psychotherapeuten eingeladen würden. Der Ausschuss solle künftig vor den Vertreterversammlungen tagen, vom Vorstand käme auch gerne jemand dazu. Diese Aufforderung nahmen die Ausschuss-Sprecher überrascht und dankbar zur Kenntnis.

Helga Bernt hatte vorab brieflich angeregt, im Sinne des Sicherstellungsauftrags der KV das Angebot für psychotherapeutische Krisensprechstunden zu verbessern. Das leuchtete dem Allgemeinmediziner Eckert nicht so recht ein: Die Psychotherapeuten müssten Krisenfälle wie alle Ärzte in jedem Fall versorgen, es gebe keinen Rechtsanspruch auf unsere Bestellpraxis. Wir argumentierten mit dem engen 150-Minuten-Zeitlimit pro Quartal und pro Patient für “Psychotherapeutisches Gespräch“ (Ziffer 23220) und dessen unattraktiveren Vergütung. Eckert meinte, dies gehöre auf die Bundesebene, in den entsprechenden KBV-Gremien könne er das durchaus ansprechen. Die Psychotherapeuten sollten das Thema auch selber auf Bundesebene in ihren Beratenden Fachausschuss bringen und entsprechende Modelle ausarbeiten.

Zuletzt ging es um die Reform der Bedarfsplanung. Nach seiner Meinung befragt, sagte Eckert, in den diesbezüglichen Entscheidungsgremien sollten „Nicht-Leistende“ besser nicht mitreden dürfen, da sie stets Leistungen forderten, ohne sich um deren Bezahlung zu kümmern. Auf diverse Versorgungsgesetz-Entwürfe angesprochen, präferierte Eckert den ministerialen Entwurf deutlich gegenüber dem der KBV. Wir hätten im KV-System Fehlversorgungsprobleme, durchschnittlich 18 Arztkontakte im Jahr seien einfach zu viel. Die finanziellen Mittel seien endlich, so Oliver Kahl, der Hauptabteilungsleiter Sicherstellung bei der KV Mecklenburg-Vorpommern, man müsste den Versorgungsauftrag effizienter erfüllen. “Nachfrage„ könne man nicht mit „Morbidität“ gleichsetzen.

Da bei den Psychotherapeuten nur wenige voll arbeiteten (36 Stunden), gäbe es noch Luft nach oben. Kahl betonte, abgegebene halbe Sitze seien von der KV stets erneut ausgeschrieben worden. Auch bei den neuen KJP-Sitzen habe man die 10%-Hürde nicht streng ausgelegt. So habe man im Lande nun 14 neue KJP-Sitze und zwei Sonderbedarfszulassungen, fünf Umwandlungen und eine Ermächtigungs-Verlängerung. Entgegen anderslautenden Gerüchten sei man gerne bereit, dem Ausschuss aufbereitetes KV-Datenmaterial zur Verfügung zu stellen. Direkt daraufhin signalisierten wir großes Interesse am Punktedurchschnitt unserer Facharzt-Vergleichsgruppe (und ihrer Zusammensetzung). Nebenbei war noch interessant, dass unser Vorsitzender meinte, wir PTs hätten verglichen mit Ärzten ein Qualitätssicherungsdefizit (trotz Antragspflicht). Mein Fazit zur Ausschusssitzung: Es ist immer gut, mehr miteinander ins Gespräch zu kommen.

Für die Niedergelassenen unter uns: Einige Kollegen haben von der KV unlängst Ablehnungsbescheide zu ihren Widersprüchen gegen die Quartalsabrechnungen aus 2007 / 08 erhalten. Nun muss man innerhalb der Ein-Monats-Frist entscheiden, ob man Klage einreicht. Bei Redaktionsschluss gab es noch keine klare Empfehlung dazu, im Zweifelsfall kann man die DGVT-Juristin Kerstin Burgdorf in Tübingen telefonisch um Rat bitten.

Jürgen Friedrich


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