< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen (Rosa Beilage zur VPP 2/2011)


Zukunft der Psychotherapie

Als DGVT-Mitglieder, als Psychotherapeuten, sind wir geneigt, das für unseren Berufsstand Erreichte zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dabei gelingt es uns nicht immer, die größeren Zusammenhänge im Blick zu behalten und von diesen unser Handeln abzuleiten.

So hatten wir uns intensiv um die Reform der Psychotherapie-Ausbildung bemüht, haben das Tübinger Modell eingebracht. Jetzt ist ein abgestimmter Vorschlag der Psychotherapeutenschaft beim Bundesgesundheitsministerium, das aber gar nicht geneigt ist, diesen Vorschlag gesetzlich umzusetzen. Denn die ordnungspolitischen Vorstellungen im Ministerium scheinen ganz anderer Art zu sein. Hier liebäugelt man weiterhin mit der Direktausbildung, d.h. Psychotherapie-Master an den Hochschulen mit gleichzeitiger Staatsprüfung zur Approbation und der darauf aufbauenden Weiterbildung in Psychotherapieverfahren, die dann zum Erhalt der sozialrechtlichen Zulassung erforderlich wäre. Ordnungspolitisch liegt dieses Vorgehen nahe bei der Mediziner-Ausbildung.

Wir können gespannt sein, ob ein möglicher Gesetzesvorschlag in diese Richtung weist. Dies wäre noch weiter von unserem Tübinger Modell entfernt als das in der Bundespsychotherapeutenkammer konsentierte Modell.

Ausgehend von dieser Erfahrung, aber auch unter dem Eindruck von Auflösung bisher fest gefügter politischer Systeme diskutieren wir in der Landesgruppe NRW der DGVT über die Zukunft der Psychotherapie.

  • Wir fragen uns, ob für die Einbeziehung weiterer Verfahren eine Weiterbildungsregelung der geeignete Weg ist.
  • Wir fragen uns, warum sich so wenige der frisch Ausgebildeten für eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis interessieren.
  • Wir fragen uns, ob die immer noch fehlende Einbeziehung von Psychotherapeuten in den TVöD und die daraus resultierende schlechte Bezahlung der angestellten Psychotherapeuten für die geringe Akzeptanz von angestellter Tätigkeit verantwortlich zu machen ist.
  • Wir fragen uns, ob wir als DGVT diesen Ball weiterspielen sollen, indem wir gewerkschaftliche Aktivitäten nach dem Vorbild der angestellten Ärzte aufnehmen.
  • Wir fragen uns, ob bzw. wie die ergänzenden berufspolitischen Anliegen  gewerkschaftlich organisiert werden könnten.
  • Wir fragen uns, wie mit der zunehmenden Kritik an nur in Teilzeit tätigen Einzelpraxen umzugehen ist und wie wir diesen Kollegen durch die Förderung von Kooperationen und neuen Versorgungsmodellen Angebote machen können.
  • Wir fragen uns, wie wir Psychotherapie und Psychotherapeuten in den Regionen besser vernetzen können, wie wir als DGVT in der jeweiligen Region Aktivitäten dazu fördern können.

 

Diese und weitere Fragen wollen und können wir nicht alleine beantworten. Wir suchen dazu die Diskussion mit den Mitgliedern. Als ein geeignetes Podium dazu haben sich die regionalen Mitgliedertreffen herausgebildet, die in Köln alle zwei Monate stattfinden (um 20 Uhr an jedem 2. Montag eines ungeraden Monats im „Stanton“ in der Schildergasse, also am 9. Mai, 11. Juli, 12. September und 14. November).

Eine Mitgliederversammlung für alle DGVT-Mitglieder aus NRW wird es am Mittwoch, 19. Oktober 2011, um 19 Uhr in Dortmund geben. Auch diese wollen wir zur Diskussion der hier angeschnittenen Fragen nutzen. Auf dieser Mitgliederversammlung sind auch die Landessprecher zu wählen.

Johannes Broil


Zurück