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Bericht über den 18. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) am 13. und 14. Mai in Berlin


Zusammenfassung

In aller Kürze lassen sich die Ergebnisse des 18. DPT folgendermaßen darstellen: Der bisherige Vorstand wurde mehrheitlich und ohne GegenkandidatInnen wiedergewählt. Mit knapper Mehrheit von 51 zu 50 Stimmen wurde beschlossen, auf eine Fortschreibung oder Ergänzung der Musterweiterbildungsordnung zu verzichten, bis Klarheit über die Inhalte der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes besteht. Mit deutlicher Mehrheit wurde die bisherige Kommission „Zusatzqualifizierung“ beauftragt, bis zum 19. DPT einen Entwurf für die Weiterbildung in Systemischer Therapie zu erstellen. Im Folgenden noch eine subjektive Auswahl einzelner Punkte.

Zur Reform der Psychotherapieausbildung

Auf dem letzten Psychotherapeutentag hatte es eine Reihe von Änderungswünschen zu den Reformvorschlägen der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zur Psychotherapie-Ausbildung gegeben. Unter anderen hatten Delegierte der DGVT gefordert, die Erhöhung des Stundenkontingents um fast 17 % in der Praktischen Ausbildung II (Selbsterfahrung, Supervision und Behandlungsstunden) im Reformentwurf zurückzunehmen. Nachdem der Vorstand der BPtK angeboten hatte, sich mit den AntragstellerInnen in Verbindung zu setzen und gemeinsam die Änderungsvorschläge zu beraten, beschloss der letzte DPT, sich mit diesen Anträgen nicht weiter zu befassen. Leider hat der Vorstand der BPtK diese Zusage nicht eingehalten und in dem an das Bundesministerium für Gesundheit weitergeleiteten Gesetzentwurf die Erhöhung festgeschrieben.

Auf Initiative von Delegierten der DGVT forderte der letzte DPT den Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer auf darzulegen, wie sich die finanziellen und zeitlichen Belastungen der AusbildungsteilnehmerInnen durch die geplante Ausbildungsreform verändern. Diesem Beschluss ist die BPtK zwar auf schmaler Datenbasis, aber immerhin unter Berücksichtigung mancher unklarer Hypothesen nachgekommen und hat im Vorstandsbericht dieses DPT entsprechende Berechnungen angestellt. Dabei kommt die BPtK zu dem Ergebnis, dass sich trotz der 17 %-Erhöhung der genannten zeit- und kostenintensiven Ausbildungsbestandteile eine zeitliche und finanzielle Entlastung der AusbildungsteilnehmerInnen durch den Reformvorschlag ergäbe.

Wie ist das möglich?

  1. Die Daten der BPtK beziehen sich nur auf zwölf Ausbildungsinstitute. Unter anderem ist die BPtK nicht auf das Angebot der DGVT-Ausbildungsleitung zu ausführlicheren Gesprächen oder der Erörterung des Themas auf der Bundeskonferenz der Ausbildungsinstitute eingegangen; die Datenbasis ist somit vermutlich wenig repräsentativ.
  2. Im Reformentwurf werden vier Monate der praktischen Tätigkeit von der Ausbildung in das Studium verlagert. Mit anderen Worten: Die zeitliche Belastung der TeilnehmerInnen verändert sich damit nicht, sie taucht nur nicht mehr in der Ausbildung auf.
  3. Die BPtK geht in ihrer Darstellung von einer Verdoppelung der Vergütung der Praktischen Tätigkeit aus. Auch wenn wir diesen Wunsch der BPtK teilen, so erscheint die Hoffnung auf seine Erfüllung doch zu vage, um damit eine Erhöhung des Ausbildungsumfangs „gegenfinanzieren“ zu können.

Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass die Berechnungen der BPtK realistisch sind, ist festzuhalten, dass der BPtK-Vorstand nach diesen Berechnungen davon ausgeht, dass unsere PiA-KollegInnen während einer Vollzeitausbildung künftig 421 statt 330 Euro erhalten können. Der BPtK ist es somit mit ihrem Reformvorschlag nicht gelungen, ein Modell zu entwickeln, dass es künftigen Kollegen und Kolleginnen erlaubt, während ihrer Ausbildung einen existenzsichernden Lebensunterhalt zu verdienen. Es wäre wünschenswert gewesen, dass eine Erhöhung von Ausbildungsbestandteilen erst dann erfolgt, wenn eine existenzsichernde Gegenfinanzierung sichergestellt ist.

Da das BMG signalisiert hatte, dass eine Reform der Psychotherapie-Ausbildung nicht zügig erfolgen wird, hatten einige Delegierte und auch die Landespsychotherapeutenkammer Niedersachsen den Wunsch geäußert, der Vorstand möge eine Art Doppelstrategie fahren, indem er zwar die große Reform der Psychotherapie-Ausbildung weiter verfolgt, sich aber zunächst für schnelle Änderungen bezüglich der Bezahlung der PiAs und des einheitlichen Master-Zuganges einsetzt. Der Vorstand lehnte diese Doppelstrategie ausdrücklich ab. Er argumentierte, dass man so die Chancen der Umsetzung der großen Reform reduzieren würde und dass der Einsatz für den einheitlichen Master-Zugang zulasten der PiAs gehen würde. Nicht nachvollziehbar erscheint, warum sich der Vorstand kurzfristig nicht gleichzeitig für die Bezahlung der PiAs und den einheitlichen Zugang einsetzen kann.  

Mitsprache und Mitbestimmungsrechte der PiAs in den Kammern

Der letzte DPT hatte die Landespsychotherapeutenkammern gebeten, sich für die kostenfreie Kammermitgliedschaft der PiAs einzusetzen. Die Vertreter der PiAs äußerten auf diesem DPT ihren Wunsch auf eine feste Verankerung ihres Gremiums und ihres Mitspracherechts auf dem DPT.

Bei der Befragung der Vorstandsmitglieder wurden alle KandidatInnen, in deren Länder die Mitgliedschaft der PiAs noch nicht umgesetzt wurde, befragt, ob sie sich dafür einsetzen werden. Grundsätzlich hatte keines der gefragten Vorstandsmitglieder „etwas dagegen“, aber die Priorität dieses Anliegens erschien durchaus unterschiedlich ausgeprägt zu sein.

Zusatzqualifikation

Ausführlich wurde der Bericht der Kommission „Zusatzqualifikation“ diskutiert. Es standen sich im Wesentlichen die bekannten Argumente gegenüber. Während die Befürworter eine Verbesserung der Versorgung erhoffen, befürchten die Kritiker berufsrechtliche Einschränkungen und eine Entwertung der Approbation und Fachkunde, wenn Anwendungen geregelt werden, die gegenwärtig berufsrechtlich nach der Approbation im therapeutischen Handeln genutzt werden dürfen.

Aus den Beiträgen lässt sich entnehmen, dass es am wenigsten Widerstand gegen Weiterbildungen für ein zweites Therapieverfahren gibt, während die Weiterbildung in den übrigen Bereichen auf stärkere Kritik stößt.

Dies mag erklären, dass zwar mit knapper Mehrheit beschlossen wurde, vorläufig auf eine Fortschreibung oder Ergänzung der Musterweiterbildungsordnung zu verzichten, aber am zweiten Tag die bisherige Kommission „Zusatzqualifizierung“ beauftragt wurde, zum nächsten DPT einen Entwurf für die Weiterbildung in Systemischer Therapie zu erstellen.

Problematisch erscheint vor allem, dass damit auch der § 2 der Musterweiterbildungsordnung, der die Entwertung der Approbation durch Weiterbildungsordnungen verhindern soll, geändert werden muss. Es bleibt zu hoffen, dass die Kommission Zusatzqualifizierung hier einen Entwurf vorlegt, der diese Schutzfunktion beinhaltet.

Psychotherapeutenjournal – Probleme im Betriebsablauf vorerst behoben

Eingeschoben wurde ein aktueller Tagesordnungspunkt zu Problemen bei der Herausgabe des Psychotherapeutenjournals (PTJ). Die Zeitschrift, die im Namen und Interesse aller Psychotherapeuten bislang gemeinsam von den Kammern herausgegeben wird, wird ggf. um bis zu 80 Cent pro Heft teuer, weil – ausgelöst durch eine aktuelle Entscheidung des Finanzgerichts Dresden – keine Werbung mehr erscheinen kann. Die finanz- und steuerrechtlich hoch komplexe Thematik führte dazu, dass einige Kammern sich nicht in der Lage gesehen hatten, das entstehende finanzielle Risiko bzw. die Zusatzkosten zu übernehmen, was das Erscheinen der gesamten Zeitschrift und damit ein überaus erfolgreiches Projekt gefährdet hatte.

In den Berichten von Dr. Nikolaus Melcop (Bayern, für die Herausgeber) und Dr. Heiner Vogel (für das Redaktionsteam des PTJ) wurde deutlich, dass die Kammern sich am Morgen vor dem DPT quasi in letzter Minute auf einen Kompromiss geeinigt hatten, der ein Weitererscheinen in einer Übergangsphase von zwei Jahren unter leicht veränderten Konditionen erlaubt.

Reform der Bedarfsplanung

Der Vorstand informierte über seine Initiativen zur Reform der Bedarfsplanung im Rahmen der Beratungen zum geplanten Versorgungsstrukturgesetz der Bundesregierung, die mit großer Zustimmung von den Delegierten zur Kenntnis genommen wurden.

Resolution zum Therapieunterbringungsgesetz

Sowohl der BPtK-Vorstand als auch Delegierte der DGVT u.a. legten Resolutionsanträge vor zur Frage der zukünftigen Ausgestaltung der Unterbringung und Therapie für gefährliche Straftäter, die aufgrund des aktuellen Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 3.5.2011 nicht mehr in der Sicherungsverwahrung untergebracht werden können. Die Texte verfolgten z.T. unterschiedliche Ansätze, die sich ideal ergänzten. Der vom Vorstand eingebrachte Resolutionstext unterstützte die Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach einer besseren psychotherapeutischen Ausstattung des Strafvollzugs. Kernaussage des DGVT-Antrags war, dass eine Psychiatrisierung gefährlicher Straftäter die bisherigen Entstigmatisierungs-Initiativen der Profession im psychiatrisch-psychotherapeutischen Arbeitsfeld, von Psychiatrie-Erfahrenen sowie von Angehörigen psychisch kranker Menschen entwerten würde und man von daher andere Formen der Unterbringung und Therapie für gefährliche Straftäter, die nicht mehr in der Sicherungsverwahrung untergebracht werden können, finden müsse (vgl. hierzu auch den Beitrag von Heiner Keupp in diesem Heft auf S. 4). Beide Resolutionsanträge wurden von den Delegierten des DPT angenommen.

Abschließend sei an dieser Stelle dem Versammlungsleiter des 18. DPT, Wolfgang Schreck, gedankt für seine souveräne Sitzungsleitung, die maßgeblich zum Gelingen der zweitägigen Tagung beigetragen hat.

Klaus Ditterich, Delegierter der Landeskammer Niedersachsen


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