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Mehr Vernetzung: Angestellte sollten sich besser organisieren Bericht vom Angestellten-Tag der PTK Bayern


Am 4. März veranstaltete die Psychotherapeutenkammer Bayern ihren zweiten „Angestellten-Tag“ mit vielen interessanten aktuellen Themen in den Räumen des Bezirks Oberbayern. Der Vormittag war mit den drei Vorträgen von Dr. Heiner Vogel, Dominik Schirmer und Ulrike Hess mehr als ausgefüllt und wurde aufgrund der lebhaften Diskussionen bis in den Nachmittag ausgedehnt. In vier verschiedenen Workshops konnten die Vortragsthemen vertieft werden. Außerdem gab es zwei Workshops zum Thema Supervision.

Zum Auftakt der Veranstaltung skizzierte Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop das Engagement der Kammer für die in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen angestellten Psychotherapeuten. Dabei hob er die Bedeutung des Engagements des einzelnen hervor und rief die Mitglieder in Kliniken, Beratungsstellen und anderen Institutionen dazu auf, sich mehr aktiv zu engagieren. Gert Sonntag, Leiter der Stabsstelle Strategische Sozialplanung im Bezirk Oberbayern und quasi der Hausherr, berichtete über diverse Projekte zur Versorgung psychisch Kranker mit Förderung durch den Bezirk und überreichte am Ende seines Vortrags Dr. Melcop den ersten Sozialbericht des Bezirks Oberbayern für den Planungszeitraum 2011/2012.

„Die PTK im Spannungsfeld der Interessen von niedergelassenen und angestellten KollegInnen“ lautete der Titel des ersten Vortrags, gehalten von Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der PTK Bayern und DGVT-Vorstandsmitglied. Zunächst skizzierte er die verschiedenen Aufgabenbereiche der Kammer, die Aufgliederung der Arbeitsfelder der Psychotherapeuten sowie Ansätze und Schwierigkeiten bei der Differenzierung der Tätigkeitsbereiche. Dabei hob er hervor, dass nach wie vor die Einkommenssituation der angestellten Mitglieder ein sehr wichtiges Thema sei und dass sich die Kammer hierfür auf politischer Ebene einsetze, aus rechtlichen Gründen bei den konkreten Tarifauseinandersetzungen jedoch nicht aktiv werden könne.

Es sei deshalb notwendig, auf anderer Ebene (wie zum Beispiel mit guten Kontakten zu Gewerkschaften) zu wirken, sich mit unterschiedlichsten Formen der Widerstände (zum Beispiel mit Traditionen) konstruktiv auseinanderzusetzen. Dabei benannte er in seinem Vortrag auch die Aufgaben der Ausschüsse „Psychotherapie in Institutionen“ sowohl der Bundespsychotherapeutenkammer als auch der PTK Bayern, äußerte sich zu dem Kernthema Krankenhaus-Finanzierungs-Reformgesetz sowie zur Revision des OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel). Zum Abschluss betonte Vogel die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der Mitglieder mit der Kammer und forderte auf, über Problemlagen aus den jeweiligen Arbeitsbereichen zu informieren.

Dominik Schirmer, Landesbezirksfachbereichsleiter bei ver.di in München, berichtete über neue Entwicklungen bei Tarif-Fragen und Eingruppierungen. Dabei verdeutlichte er, dass sich Psychotherapeuten in der Gewerkschaft und deren Fachkommissionen noch viel zu selten beteiligten und dass der dringend notwendige Informationsfluss oft unbefriedigend sei. Gerade die Veränderungen in der Tariflandschaft, die zunehmend schwierigeren Rahmenbedingungen (Kostendruck, Out-Sourcing bzw. Ausgliederung und Neugründung von Tochtergesellschaften) hätten die Landschaft des Flächentarifvertrags erheblich verändert. Demgegenüber folge die tarifliche Eingruppierung von PP und KJP noch nach den Vorgaben des alten Bundesangestellten-Tarifvertrags, weil eine Einordnung dieser (und anderer) neuen Berufsgruppen immer noch am Widerstand der Arbeitgeber scheitere. Eine sachgerechte Vergütung gemäß Qualifikation und ausgeübter Tätigkeit sei deshalb nicht gegeben.

In diesem Zusammenhang wurden auch die großen Einkommensunterschiede der Psychologischen Psychotherapeuten genannt, die Spannweite sei vielen Mitgliedern oft nicht bekannt. Besondere Erwähnung fand auch die schlechte oder de facto nicht existierende Bezahlung der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PIA): Hier könne zum Beispiel ein Musterausbildungsvertrag wie der von ver.di Abhilfe schaffen. In diesem Zusammenhang verwies Schirmer noch mal auf die notwendige Reform des Psychotherapeutengesetzes.

„In Institutionen in Führung gehen! Wie Psychotherapeuten Leitungsfunktionen einnehmen" lautete der Titel des Vortrages von Ulrike Hess, die langjährige Erfahrung in diesem Bereich mitbringt. Es ging vor allem um die eigene Einstellung, die eigene Motivation und Fähigkeit eine Führungsrolle zu übernehmen. Initiative ergreifen, Netzwerke knüpfen, Motivationsanalysen machen, Bedarfssituationen erkennen, Projektgruppen führen, begeisterungsfähig sein – all diese Aspekte streifte die Referentin in ihrem Vortrag. Im Nachmittagsprogramm konnten die angesprochenen Themenbereiche in den Workshops vertieft werden, wobei der übersichtliche Rahmen viel Raum für persönliche Gespräche und Einbringen spezieller Themen gestattete.

Insgesamt zeigte sich der diesjährige "Angestellten Tag" als äußerst informativ und unterschied sich durch die Möglichkeit der persönlichen Kommunikation angenehm von anderen Fortbildungsveranstaltungen. Es bleibt zu wünschen, dass Veranstaltungen dieser Art auch in Zukunft fortgeführt werden und dass das Angebot durch die KollegInnen in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern noch intensiver genutzt wird. In diesem Zusammenhang rief Dr. Melcop noch einmal zu mehr Mitarbeit auf: Es müssten Themen gesammelt und eingebracht werden, damit die Kammer ihre Mitglieder besser vertreten kann. Die Qualität der Arbeit der PP und KJP soll deutlich gemacht und die Zusammenarbeit mit ver.di verbessert werden. Die angestellten Psychotherapeuten seien im Vergleich zu anderen Berufsgruppen noch zu wenig organisiert.

Bernd Sommer

Der Autor ist Diplom-Psychologe und als klinischer Psychologe in der Psychosomatischen Klinik Buching tätig. Er ist Mitglied im Ausschuss Psychotherapie in Institutionen durch Angestellte und Beamte in der Psychotherapeutenkammer Bayern und langjähriges DGVT-Mitglied.


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