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Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit vom 11. bis 13.5.2011


Kurz vor der Eröffnung des 14. Hauptstadtkongresses „Medizin und Gesundheit“ spekulierte man auf den Fluren des ICC, wer zum Veranstaltungsauftakt wohl welches Ressort vertreten würde. Angekündigt war Philipp Rösler als Gesundheitsminister; durch die Personalrochade an der FDP-Spitze wusste man allerdings in der Zwischenzeit, dass das Gesundheitsministerium mit dem bisherigen parlamentarischen Staatssekretär Daniel Bahr einen neuen Chef bekommen würde. Mit dem (Noch-) Gesundheitsminister und kommenden Wirtschaftsminister Philipp Rösler käme zum ersten Mal ein „Gesundheits-Wirtschaftsminister“ zu dem Eröff-nungsvortrag, hörte man Kongresspräsident Ulf Fink scherzen. Aber weder der (Noch-) Gesundheitsminister Rösler noch der designierte Gesundheitsminister Daniel Bahr kamen zur Eröffnung.

Das Gesundheitsministerium wurde von der parlamentarischen Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz vertreten, die versicherte, dass trotz des personellen Wandels an der Spitze des Ministeriums die Kontinuität der Politik erhalten bleibe. Sie legte den Schwerpunkt in ihrem Vortrag auf die Pflegereform und nannte als Ziel „ein Pflegesystem, in dem die Menschen keine Angst davor haben, ein Pflegefall zu werden“. Die Kostenfrage ließ sie unbeantwortet. Man habe dies bewusst hintangestellt, argumentierte sie, da man erst wissen müsse, “was das System braucht“, bevor man über die Finanzierung nachdenke.

Den Eröffnungsvortrag hielt der Hirnforscher und Autor zahlreicher Bücher, Prof. Gerald Hüther aus Göttingen, der der Frage nachging, welche Verantwortung der Einzelne für seine Gesundheit hat. Seine zentrale These lautete, dass Heilung in erster Linie immer Selbstheilung sei und die Medizin nur dazu beitragen könne, indem sie Bedingungen schafft, in denen sich die Selbstheilungskräfte voll entfalten können. „Lebende Systeme sind dazu in der Lage, Selbstorganisationsprozesse in Gang zu setzen“, so Hüther, vorausgesetzt, dass der Patient auch gesund werden wolle. Als Beispiel führte er Menschen mit Trisomie 21 an, bei denen vor wenigen Jahren noch niemand geglaubt habe, dass sie bildungsfähig seien und die heute sogar Abitur machen und studieren könnten.

Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter lernfähig ist unter Voraussetzung, dass es trainiert wird. Dies gelinge aber nur dann, wenn Kognition mit Emotion, Freude und Begeisterung verbunden würde, so Hüther. Es gehe also darum, Begeisterung zu schaffen für die Änderung einer Haltung, wie auch die zur eigenen Gesundheit. „Medizin ist dazu da, die Menschen für das Leben zu begeistern und ihnen Vertrauen in die ärztliche Kunst zu geben.“ Begeisterung entspringe dem Dreiklang aus „einladen, ermutigen und inspirieren“. Damit ließen sich mit weniger Geld mehr Menschen dazu bewegen, gesund zu werden. Einer seiner Kernsätze lautete: „Das Hirn wird nicht so, wie man es benutzt, sondern so, wie man es mit Begeisterung benutzt“.

Vom 11. bis zum 14. Mai 2011 kamen ca. 8 000 TeilnehmerInnen, um in über 150 Veranstaltungen mit ca. 500 ReferentInnen die verschiedensten medizinischen und Gesundheitsthemen zu diskutieren. Schwerpunkt – so Ulf Fink – bei der Eröffnung, waren in diesem Jahr die Verbesserungen im Gesundheitswesen und nicht die Finanzierung des Gesundheitswesens.

Das Deutsche Ärzte Forum, das seit über zehn Jahren zum Hauptstadtkongress gehört, beschäftigte sich vor allen Dingen mit dem ärztlichen Nachwuchs, der Aus- und Fortbildung, dem Selbstverständnis des Arztberufes, dem Versorgungsstruktur- und Patientenrechtegesetz sowie der internationalen Entwicklung des Gesundheitswesens. Es ging auch darum, verschiedene Berufsgruppen aus dem Gesundheitsbereich in Kontakt miteinander zu bringen und die Vorstellungen der Opposition für eine Gesundheitspolitik zu diskutieren.

Außerdem gab es zum dritten Mal den „Tag der Niedergelassenen“, u.a. mit der zentralen Diskussionsveranstaltung „KBV kontrovers extra: Die Praxis der Zukunft – „Vernetzt auf allen Ebenen?“ und weiteren Veranstaltungen zu Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Kodierrichtlinien, Qualitätsmanagement und papierloser Praxis.

Die zentralen Fragen des ebenfalls unter diesem Dach stattfindenden Deutschen Pflegekongresses 2011 waren „Wer pflegt in Zukunft? Personalmangel und Fachkräftegewinnung“ sowie „Was bringt die neue Le-
gislaturperiode für die Pflege – Pflegereform.“ Es ging um Beratung für Angehörige von Pflegebedürftigen, um den Pflegebegriff, um die häusliche Krankenpflege und das „Einmaleins des Pflegemanagements“.

Zu den prominenten Gästen zählten die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Fritz Kuhn, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion, mehrere Gesundheitsminister der Länder, Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust und ehemalige Bundesminister wie Prof. Dr. Rita Süssmuth und Dr. Rudolf Seiters.

Waltraud Deubert


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