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Teilnehmerrekord bei der 18. Workshop-Tagung der DGVT „Zwischen Krise und Trauma“ lockt 300 Gäste nach Tübingen


Einen Besucherrekord verzeichnete die 18. Workshop-Tagung der DGVT, die von 31. März bis 2. April 2011 in Tübingen stattfand. Rund 300 PsychotherapeutInnen aus ganz Deutschland fanden sich zum Thema „Zwischen Krise und Trauma – Psychotherapie und die Verarbeitung belastender Lebensereignisse“ ein. Insgesamt wurden zu diesem weiten Feld 22 Workshops und zehn Fallseminare angeboten, die sich sowohl mit bewährten Behandlungsmethoden wie der kognitiven Verhaltenstherapie als auch mit verschiedenen neueren Verfahren beschäftigten. Zu Letzteren zählten beispielsweise „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ (EMDR) oder CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy), ein Ansatz, der speziell für die Behandlung chronischer Depressionen entwickelt und erfolgreich erprobt wurde. Wie immer bei der Workshop-Tagung stand das gemeinsame Erarbeiten und Einüben von Methoden im Vordergrund. In den Fallseminaren konnten die TeilnehmerInnen zudem eigene Behandlungsbeispiele einbringen und diese mit ReferentInnen und KollegInnen diskutieren.

Zwei gelungene öffentliche Vorträge rundeten das Angebot der Tagung ab: Harald C. Traue von der Universität Ulm sprach über das Thema „Extremtrauma und Schmerz“. Dabei standen die Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung im körperlichen Bereich und ein Krankheitsmodell für Trauma-Symptomatik und chronische Schmerzen im Mittelpunkt. Traue beschäftigt sich in diesem Zusammenhang vor allem mit Traumatisierungen durch Gewaltanwendung, Folter und Vertreibung – im Hinblick auf den Krisenherd Nordafrika und den damit verbundenen Bildern des Flüchtlingselends ein sehr aktuelles Thema.

Referent Harald Traue beim Eröffnungsvortrag zum Thema Extremtrauma und Schmerz"

Der zweite Vortrag hatte die  „Diagnose und Behandlung Komplizierter Trauer“ zum Thema. Die Expertin Rita Rosner von der Universität München ging dabei auf die Abgrenzung zwischen komplizierter und normaler Trauer ein. Letztere ist ein durchaus langwieriger und schmerzhafter Prozess, der im Gegensatz zur pathologischen „komplizierten“ Trauer aber nicht durch eine langandauernde Beeinträchtigung im täglichen Leben gekennzeichnet ist. Die Differenzialdiagnostik, vor allem die Abgrenzung zur Posttraumatischen Belastungsstörung und zur Depression, spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle. Neben der Diagnostik standen die Grundlagen der Behandlung der komplizierten Trauer im Mittelpunkt des Vortrages.

Rita Rosner hielt einen Vortrag zur "Diagnose und Behandlung komplizierter Trauer"

Auch das Vereinsleben der DGVT kam bei der Workshop-Tagung nicht zu kurz: Zusätzlich zur jährlichen Mitgliederversammlung (Protokoll siehe VPP 2/2011, Seite 488 – 492) fanden Treffen der Fachgruppe Niedergelassene und der Fachgruppe Angestellte statt. Während beim Treffen der Niedergelassenen das Versorgungsstrukturgesetz ein zentrales Thema war, diskutierten die Angestellten beispielsweise über die Wichtigkeit einer verbesserten Vernetzung zwischen ambulantem und stationärem Bereich. Am Stand der DGVT-LandessprecherInnen konnten sich interessierte Mitglieder zudem über die Situation in den Psychotherapeutenkammern informieren.

Neben den interessanten und anregenden Angeboten der Tagung trugen die angenehme Atmosphäre vor Ort, die Möglichkeit zum Austausch mit KollegInnen und nicht zuletzt das schöne Frühlingswetter zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Tagungsbüro

Anke Heier, Tübingen


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