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Kritik an unzureichender Forschung zur Therapie neurologischer und psychiatrischer Krankheiten


(ab/hv). Das „National Institute of Mental Health“ (USA) und die „Global Alliance for Chronic Disease“ (eine Allianz von führenden staatlichen Forschungs-Institutionen aus sechs Ländern mit Sitz in London) kritisieren, nach einem Bericht in facharzt.de, die weltweiten Defizite in der Versorgung von Menschen mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen wie Parkinson, Schizophrenie, Depressionen sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Offenbar ziehen sich forschende Arzneimittelfirmen aus der Entwicklung von Psychopharmaka zurück, so dass die Zukunft der medikamentösen Therapie psychisch Kranker düster aussehe. Die weltweit schwerwiegendste Erkrankung sei, so die Darstellung weiter, die Depression, an zweiter Stelle stehen – in den wohlhabenden Ländern – die Demenzerkrankungen und in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen die Alkohol-bedingten Krankheiten.

Ob man primär die defizitäre Forschung im Bereich der Psychopharmakologie beklagen muss, kann man getrost in Frage stellen: Aus Sicht der Betroffenen muss es natürlich generell um Prävention, Behandlung und Rehabilitation in diesen Feldern gehen (und nicht nur um dem den Spezialbereich Psychopharmaka), aber das mag am Blickwinkel der Autoren der eingangs genannten Erklärung und der Berichterstatter liegen. Die Defizite sind,  wenn man den Blick weitet, sicher noch größer.

Auch für die Forschungsförderung in Deutschland lässt sich feststellen, dass es einen ähnlichen Trend der Vernachlässigung von Forschung im psychosozialen/psychia­trischen Bereich gibt. Bekanntlich hat Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, im Juni sechs neue Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung eingeweiht. Im Fokus stehen Diabetes, Herzkreislauf- und Lungenerkrankungen, Krebs, Infektionen und neurodegenerative Erkrankungen. In keinem spielen Depressionen und Suchtkrankheiten eine Rolle. Auch die Schwerpunkte der allgemeinen Förderung der Gesundheitsforschung in Deutschland entsprechen kaum dem steigenden Anteil psychischer Krankheiten am Morbiditätsspektrum, der in den letzten Jahren zunehmend offensichtlicher geworden ist (vgl. z.B. den Bericht über den aktuellen Krankenhausreport der Barmer GEK in dieser Rosa Beilage: „Mit Depression ins Krankenhaus“).


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