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Mit Depressionen ins Krankenhaus

Krankenhausreport der Barmer GEK


(ab). Was PsychotherapeutInnen natürlich längst wissen und beklagen, scheint nun endlich auch ins öffentliche Bewusstsein zu rücken: Depression ist eine Volkskrankheit. Am 26. Juli veröffentlichte die Krankenkasse Barmer GEK ihren Krankenhausreport, wonach die Zahl der Menschen, die wegen einer Depression im Krankenhaus behandelt werden müssen, sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat.

Die Kasse spricht von einer Zunahme der Fälle von 129 Prozent. Demnach wurden im Jahr 1990 statistisch 3,7 von 1.000 Versicherten aufgrund einer psychischen Störung stationär behandelt. 2010 waren es 8,5. Gleichzeitig sei die Verweildauer pro Fall von 45 auf 31 Tage gesunken, erklärte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. Die Rückfallquote sei allerdings hoch: Jeder fünfte Patient sei drei Monate nach seiner Entlassung wieder im Krankenhaus.

Der Barmer GEK-Vize hob einerseits die Leistungen der Krankenhäuser in Bezug auf die Versorgung von psychisch Kranken hervor, stellte andererseits aber die Frage, ob denn wirklich jeder Fall ins Krankenhaus gehöre. Die PatientInnen sollten verstärkt ambulant behandelt werden, die Nachsorge nach einem stationären Aufenthalt müsse verbessert werden. Diesem Ziel stünden allerdings die langen Wartezeiten bei niedergelassenen PsychotherapeutInnen entgegen, räumte Schlenker ein. Die Anzahl der Kassensitze zu erhöhen – ein zentrales Anliegen der DGVT, vieler anderer Fachverbände und der Bundespsychotherapeutenkammer –, hält er jedoch nicht für die richtige Lösung. Stattdessen müssten „vorhandene Effizienzreserven aktiviert werden“. Kurzzeit- und Gruppentherapien seien oftmals geeignete Mittel.

Weitere Informationen:
www.aerztezeitung.de, www.bptk.de


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