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Bericht der Landesgruppe Baden-Württemberg (Rosa Beilage zur VPP 3/2011)


Landespsychotherapeutentag

Die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg veranstaltete im Juli einen Landespsychotherapeutentag mit dem Titel „Zukunft der Psychotherapie – Psychotherapie der Zukunft“. Zunächst ging es um die derzeitigen Sorgen: Präsident Dr. Dietrich Munz wies insbesondere auf die mit dem Versorgungsstrukturgesetz geplante diesjährige Gesundheitsreform hin mit den zu erwartenden Auswirkungen auf die Anzahl der Kassensitze für PsychotherapeutInnen in Baden-Württemberg. Theoretisch herrsche in fast allen Regionen Überversorgung (laut der Definition des Gesetzes), tatsächlich beständen aber lange Wartezeiten. „Gemeinsam müssen wir verhindern, dass nahezu flächendeckend Praxissitze reduziert werden“, forderte er. Wenn die KV die überzähligen Kassensitze aufkaufen würde, wie es der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Fassung vorsehe, dann könnten „knapp 900 Kassensitze aus der Versorgung genommen werden“. An die neue Sozialministerin Katrin Altpeter gewandt, bat er als zweiten wichtigen Punkt seiner Eröffnungsrede um Unterstützung für die Reformierung des Psychotherapeutengesetzes, die auf Bundesebene derzeit anstehe.

Die neue Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Altpeter war mit Spannung erwartet worden und überzeugte in ihrer Rede durch Kompetenz und Gradlinigkeit. Die Sozialministerin der gerade ins Amt gekommenen grün-roten Landesregierung griff in ihrem Grußwort letzteren Gedanken auf: Sie sehe ebenfalls den Bedarf, das Psychotherapeutengesetz zu novellieren und an den Bologna–Prozess anzupassen und möchte sich auch dafür einsetzen. Gleichzeitig äußerte sie Skepsis, ob dies in dieser Legislaturperiode der Bundesregierung noch erfolgen könne. Die Sicherstellung bedarfsgerechter psychotherapeutischer Versorgung sei ihr ebenfalls ein wichtiges Anliegen, und sie nannte insbesondere die Prävention und die Gesundheitsförderung, zu der Frühförderung und Frühbehandlung gehöre.

Neue Akzente sollen mit der „Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg“ gesetzt werden. So soll ein landesweiter Gesundheitsdialog gestartet werden, und eine bessere Vernetzung soll durch kommunale Gesundheitskonferenzen erfolgen. Diese Gesundheitskonferenzen werden derzeit eingerichtet, es gibt dazu eine Anschubfinanzierung des Landes. Mit dem Hinweis auf ökonomische Aspekte - „Effektivität und Effizienz werden in den Blick genommen“ - war im Prinzip schon der Übergang zu den ersten beiden Vorträgen des Vormittags geschafft, in denen es um die Effektivität von Psychotherapie ging.

Nachmittags beschäftigte sich Prof. Dr. Heiner Keupp, emeritierter Professor für Sozial- und Gemeindepsychologie und DGVT-Mitglied, mit den Entwicklungschancen für Kinder und Jugendliche in einer globalisierten Welt. U.a. gehöre zur Gesundheitsförderung die Beteiligung an gesellschaftlichen Entwicklungen, also die Mitwirkung an Entscheidungen. Danach ging es wirklich zur Zukunft der Psychotherapie bzw. zu Gedanken darüber. Die interessanten Vorträge sind momentan als Abstracts auf der Homepage der Kammer verfügbar (www.lpk-bw.de, es gibt einen Button LP-Tag 2011).

Was macht der Bahnhof in Stuttgart?

Er wurde dem sogenannten Stresstest unterzogen, über den die Medien bundesweit berichteten und dessen Ergebnisse die Bahn nun den beteiligten Gruppen vorgelegt hat. Die Veröffentlichung der ausführlichen gut­achterlichen Bewertung lässt noch auf sich warten (zum Zeitpunkt der Niederschrift).

Ein persönlicher Blick in die graphisch gestalteten DB-Unterlagen ließ zumindest mich (R.H-Z.) weniger an meinen kognitiven Fähigkeiten als an dem Willen zur Verständlichkeit der Gutachten-Autoren zweifeln. Immerhin konnte ich eines entnehmen: Es handelt sich nicht nur um acht Gleise in dem geplanten Halbtunnel-Schräg-Durchgangs­bahnhofs, sondern um fiktive 16 Gleise, die durch Doppelbelegung des jeweiligen Gleises erzielt werden. Also Gleis 1 und Gleis 1a und so weiter. Einen Fahrplan habe ich vergeblich gesucht, zumindest in der Form, wie unsereiner sich das vorstellt. Ob da einfach die normalen Züge in der Mitte geteilt und als weitere Züge ins Rennen geschickt wurden? So einfach hat es sich die Bahn wohl doch nicht gemacht, aber einen Fahrplan zeigt sie erstmal auch nicht. Wer selbst sich mit den Stresstest-Darlegungen versuchen will, findet die Bahnstudie übrigens nicht so ganz einfach beim „Googlen“. Tipp: Online-Wochenzeitung Kontext eingeben, dort “Stresstest“ in die Suchfunktion eintippen. Viel Spaß!

Landesgruppentreffen

„Stuttgart 21 – (sozial)psychologisch betrachtet“ – unter diesem Motto findet am Freitag, 14. Oktober, eine Führung über das Bahnhofsgelände mit anschließender Diskussion statt. Dies erfolgt im Vorfeld der eventuellen Volksabstimmung über S 21 und bietet die Möglichkeit zu weiterer Information. Landessprecherin Renate Hannak-Zeltner ist seit vielen Jahren eine genaue Beobachterin der Protestbewegung. Bei der Führung zeigt sie die Orte des Protests (den Schlosspark, den Südflügel des Bahnhofs, der vom Abriss bedroht ist, usw.) und stellt anschließend Thesen zur Diskussion, wie die Bewegung entstand, was sie trägt, wie sie sozialpsychologisch beschrieben werden kann. Im Sinne einer gemeindepsychologischen Vorgehensweise soll überlegt werden, was der Konflikt um S 21 für das Stadtleben bedeutet und ein Blick in die Zukunft gewagt werden. Ergänzungen durch TeilnehmerInnen sind ausdrücklich willkommen.

Treffpunkt ist um 17 Uhr am Nordeingang des Bahnhofs. Für den Rundgang sind etwa eineinhalb Stunden Zeit veranschlagt. Anschließend gibt es in den Räumen der Evangelischen Gesellschaft, Büchsenstraße 34/36 einen Umtrunk, bei dem es dann um DGVT-spezifische Themen gehen wird.

Renate Hannak-Zeltner


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