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Psychisch krank am Arbeitsplatz

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit will das Thema aus der Tabu-Zone holen


Die Vollversammlung des „Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit“ fand kürzlich in Berlin in den Räumen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) statt. Professor Wolfgang Gaebel, Vorsitzender und Mitinitiator des Aktionsbündnisses, begrüßte dazu 33 Vertreter der beteiligten Organisationen.

Das Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit ist ein unabhängiger Zusammenschluss von mittlerweile über 70 Organisationen unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Zum Bündnis zählen verschiedene Verbände, Vereine und Stiftungen aus dem psychosozialen Bereich, wie z.B. Angehörigen- und Betroffenenverbände, gemeindepsychiatrische Verbände und Fachverbände. Auch die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie beteiligt sich seit einigen Jahren aktiv. Initiiert wurde das Aktionsbündnis von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und dem Antistigma-Verein „Open the doors“.

Auf der Tagesordnung standen u.a. ein Bericht über die Aktivitäten im Jahr 2010 und Wahlen für die Steuerungsgruppe. Zunächst berichteten Wiebke Ahrens und Carsten Burfeind von der Geschäftsstelle des Aktionsbündnisses über die zurückliegenden Aktivitäten. Hierzu zählte unter anderem die Präsentation des Aktionsbündnisses auf dem jährlich stattfindenden DGPPN Kongress in Berlin, an dem sich bereits seit einigen Jahren auch die DGVT mit einem eigenen Stand beteiligt. Dieses Jahr wird die DGVT ihre Verbandstätigkeit den mittlerweile über 8000 Besuchern des Kongresses unter dem Dach des Aktionsbündnisses wieder mit einem eigenen Stand vorstellen. Die zentral gelegenen und sehr gut besuchten Stände mit Informationsmaterial haben sich in den letzten Jahren bewährt, um die Aktivitäten des Aktionsbündnisses, aber auch die vielfältigen Aufgaben der DGVT einem breiten Fachpublikum zugänglich zu machen.

Im Jahr 2010 fand eine „Woche der Seelischen Gesundheit“ in Berlin mit Informationsveranstaltungen, Fachgesprächen, Ausstellungen, Filmen und Festen statt. An der mittlerweile 4. Berliner Aktionswoche beteiligten sich unter dem Motto „Im Fokus: Arbeit“ mehr als 100 Veranstalter. Ebenfalls wurde über die bundesweite „Aktionswoche für seelische Gesundheit“ mit Veranstaltungen in 25 Städten und Regionen Deutschlands berichtet.

Aufbauend auf die vom Aktionsbündnis erstellte Studie „Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen: Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis“ wurden Schulungen für Führungskräfte aus Behörden und Unternehmen entwickelt und evaluiert, um zur Entstigmatisierung von psychisch erkrankten Menschen in Unternehmen entgegenzuwirken. Diskutiert wurde darüber, wie die gewonnenen Erkenntnisse und die Materialien des Modellprojektes „Prävention und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen in Unternehmen“ einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden können. Angedacht wurden zertifizierte „Train the Trainer“-Schulungen, um das Thema in noch mehr Unternehmen tragen zu können.

Ein weiteres Projekt, das im kommenden Jahr vorangetrieben werden soll, ist die Zusammenarbeit mit Vertretern der Medien. Es wird überlegt, für Medienvertreter und Drehbuchautoren Schulungen anzubieten, um zu einer angemessenen Darstellung von psychischen Erkrankungen in diesem wichtigen gesellschaftlichen Bereich beizutragen.

Turnusgemäß standen Wahlen für die Steuerungsgruppe des Aktionsbündnisses an. Die amtierende Steuerungsgruppe machte von ihrem Recht Gebrauch und schlug eine Liste zur Blockwahl vor. Dies erzeugte bei vielen Beteiligten Unmut und es wurde mehrheitlich beschlossen, auch anderen Verbänden eine Möglichkeit zur Kandidatur zu geben. Schließlich wurden sechs Vertreter in geheimer Wahl gewählt. Zu den neu vorgeschlagenen und schließlich gewählten Verbänden gehörten u.a. die Bundespsychotherapeutenkammer sowie der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Zum Ende des Treffens wurde über die zukünftige Organisationsform des Aktionsbündnisses diskutiert. In der derzeitigen Form hat das Aktionsbündnis keine offizielle Anerkennung der Gemeinnützigkeit und kann diese auch nicht erreichen. Es wurde beschlossen, dass die Steuerungsgruppe im nächsten Jahr eine Vereinsgründung vorbereitet und dann in der nächsten Vollversammlung darüber abgestimmt wird, ob ein Verein gegründet wird.

Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die Synergieeffekte und Möglichkeiten des Bündnisses noch lange nicht ausgeschöpft sind. Daher wurde vorgeschlagen, ein Treffen der Bündnisbeteiligten zu organisieren, um ein gegenseitiges Kennenlernen und einen vertieften Austausch zu ermöglichen. Vier Organisationen erklärten sich dazu bereit, ein solches Treffen gemeinsam mit der Geschäftsstelle zu organisieren.

Daniel Surall

Der Autor ist als Psychologischer Psychotherapeut in einer Klinik tätig und seit 2007 Mitglied der Aus- und Weiterbildungskommission der DGVT.


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