< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Hamburg (Rosa Beilage zur VPP 4/2011)


Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte „Netzwerk Psychische Gesundheit“ (NWpG) wird in Hamburg in den nächsten Wochen seinen Betrieb aufnehmen. Hinter diesem Netzwerk stehen nahezu alle großen Krankenkassen und der Dachverband Gemeindepsychiatrie, die gemeinsam einen Vertrag über Integrierte Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen geschlossen haben. Netzwerkkoordinator ist die Hamburger Psychotherapeutenkammer.

Am 29. September gab es hierzu eine Informationsveranstaltung unter Beteiligung der Initiatoren des Netzwerks an der Universität Hamburg. Dabei wurden das Konzept des Netzwerks erläutert sowie mögliche Schnittstellen und Kooperationsformen mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen diskutiert.

· Das „Netzwerk psychische Gesundheit“ will besonders die ambulanten Leistungen für jene psychisch kranke Menschen stärken, die bisher Schwierigkeiten hatten, im Anschluss an stationäre Behandlungen eine ambulante Weiterbetreuung zu finden. Die stationäre Versorgungsnotwendigkeit soll reduziert werden.

  • Die Leistungserbringer garantieren beigetretenen Versicherten und Kooperationspartnern eine ganzjährige 24-stündige Erreichbarkeit und die Übernahme der Versorgungspflicht besonders in Krisensituationen. Sie setzen auf Hometreatment und bieten in schwierigen Lebenssituationen Rückzugsräume in einer Krisenpension.
  • Ziel ist u.a., das bestehende Versorgungssystem für eine engere Kooperation zu gewinnen: Niedergelassene Ärzte, Ergotherapie-Praxen und niedergelassene Psychotherapeuten sowie stationäre und teilstationäre Versorger.
  • Das Vorgehen und die Ziele der Behandlungen aller beteiligten Leistungserbringer werden in gemeinsamen Qualitätszirkeln abgestimmt. Die Teilnahme am QZ wird vergütet.
  • Insgesamt ist das ein lobenswertes Projekt. Allerdings ist kritisch anzumerken, dass sich die Versorgungslandschaft ohne die Schaffung echter Anreize für Behandler (Büro-kratieabbau, leistungsgerechte Honorare) schwerlich nachhaltig bewegen lassen wird. Die Politik scheint die Notwendigkeit nachhaltiger Behandlungskonzepte im psychotherapeutischen Sektor noch nicht ausreichend verstanden zu haben und orientiert sich nach wie vor an kurzfristigen Kostenszenarien und an der trügerischen Hoffnung, dass unternehmerische Konzentrationsprozesse zwangsläufig sparen helfen. Das Gegenteil ist mindestens ebenso oft richtig. Wir brauchen eine echte Orientierung am Behandlungsbedarf und keine angebotsorientierte Konkurrenz der Hochglanzbroschüren.

Thomas Bonnekamp
Landessprecher Hamburg


Zurück