< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Rheinland-Pfalz (Rosa Beilage zur VPP 4/2011)


Letzte Vertreterversammlung der Landespsychotherapeutenkammer

Bei der letzten Vertreterversammlung (VV) der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz hatten die Vertreter noch ein anspruchsvolles Programm zu absolvieren. Die PiA-Landessprecherinnen waren zugegen und stellten sich und ihre Anliegen vor. Es wurden die Berichte des Vorstands und der Geschäftsführung besprochen, danach wurde der Haushalt für 2012 vorgestellt. Er ist im Wesentlichen eine Fortschreibung des letzten Haushalts, wenige Veränderungen betreffen vorhersehbare Besonderheiten in 2012, die berücksichtigt wurden.

Dazu gehören zum Beispiel die Drucklegung des Tätigkeitsberichts der letzen fünf Jahre sowie die Durchführung der Zehn-Jahres-Feier der Kammer am 28.01.2012. Zum ersten Mal hatte der Haushalt bewusst eine Unterdeckung eingeplant, denn es müssen die Rückstellungen aus den in den letzten Jahren zuviel bezahlten Beiträgen aufgelöst werden. Hierzu sollen im nächsten Jahr alle, die den kompletten Mitgliedsbeitrag in 2011 bezahlt haben, etwas zurückbekommen: die selbstständigen Kollegen den kompletten Sockelbeitrag aus 2011 (hier sind die Rückstellungen immens gewachsen), die angestellten Kollegen den halben (hier gibt es nur geringe Rückstellungen).

Der Haushalt war vom Finanzausschuss zur Genehmigung empfohlen worden. Kritische Diskussionen begleiteten den Antrag des Vorstands, den Hebesatz der Selbstständigen auf 0,6% zu senken. Dies ist allerdings nötig, um nicht wieder zu hohe Beiträge einzunehmen. Der Hebesatz der Angestellten wird bei 0,85% bleiben, was allerdings nicht bedeutet, dass im Durchschnitt unterschiedlich hohe Mitgliedsbeiträge bezahlt werden. Diese sind praktisch gleich: der Durchschnittbeitrag der Angestellten betrug 2011 440,58 €, der der Selbstständigen 441,01 €. Es sind strukturelle Unterschiede zwischen den Gruppen, die den unterschiedlichen Hebesatz bedingen. Wichtig ist: Diese durchschnittlichen Mitgliedsbeiträge lagen ca. 14 € unter den in 2007 veranschlagten durchschnittlichen 455 €. Am Ende wurde der Antrag mehrheitlich angenommen.

Nach einer kurzen Mittagspause wurde dann die vom Ausschuss Aus- und Weiterbildung in den letzten Monaten ausgearbeitete Ergänzung der Weiterbildungsordnung um den Bereich „Gutachterliche Tätigkeit im Bereich der Rechtspsychologie“ mit großer Mehrheit beschlossen. Damit ist es möglich, über unterschiedliche Module verschiedene spezifische Titel im Bereich der Gutachtertätigkeit zu erlangen. Flankiert wird die Einführung dieser Weiterbildung durch geplante Gespräche mit dem Richterbund und den Staatsanwaltschaften, die der Vorstand nun anstrebt. Hier soll deutlich gemacht werden, dass Psychotherapeuten mit diesem Titel in gleicher Weise wie Ärzte geeignet sind, Hauptgutachten zu schreiben.

Wie bei einer Vorstandssitzung in der Forensischen Klinik Nette-Gut deutlich wurde, berufen sich viele Richter bei der Vergabe von Hauptgutachten an Ärzte auf ein Urteil aus der Zeit vor dem Psychotherapeutengesetz, in dem deutlich gemacht wird, dass Psychologen keine Hauptgutachter sein können, da sie nicht heilkundlich tätig sein können. Dass dies bei Psychotherapeuten nun anders ist, hat sich noch nicht bei jedem Juristen herumgesprochen. Mit der Weiterbildung zum Rechtspsychologischen Sachverständigen soll eine verlässliche „Marke“ für Richter und Staatsanwälte geschaffen werden, bei der sich alle darauf verlassen können, dass diese Gutachter sehr wohl heilkundlich tätig sein können und dürfen. Im Zuge dessen wurde die Berufsordnung ebenfalls geändert, indem die Abstinenzregel klarer auch für Gutachter und Sachverständige gefasst wird.

Auch die Fortbildungsordnung wurde geändert. Es fand eine Angleichung statt an die in den anderen Landeskammern schon praktizierte Vorgehensweise, nach dem jeweiligen Fünf-Jahres-Zeitraum alle Punkte verfallen zu lassen. Bisher konnten für eine persönliche Zählung überschüssige Punkte weitergeführt werden, was die Berechnung jeweils sehr kompliziert machte. Dabei war es aber immer schon so, dass jeweils 250 Punkte im Fünf-Jahres-Zeitraum gesammelt werden mussten. Diese klare Regelung erleichtert die Arbeit für die Geschäftsstelle und macht die Punktezählung für das einzelne Mitglied transparenter.

Am Ende nutzte Präsident Alfred Kappauf die Gelegenheit, die Arbeit der letzten fünf Jahre Revue passieren zu lassen. Er dankte den Vertretern für die geleistete Arbeit und die konstruktive Zusammenarbeit. Er werde sich bei der nächsten Wahl zwar wieder aufstellen lassen, werde aber nicht mehr für einen Vorstandsposten zur Verfügung stehen. Dinge, die in den letzten zehn Jahren seiner Präsidentschaft zurückstehen mussten, sollen nun in den Vordergrund treten. Mehrere Vertreter dankten Alfred Kappauf und betonten, dass er der Kammer Rheinland-Pfalz ein Image verliehen habe, auf das man sehr stolz sei. Auch die Vizepräsidentin, Dr. Andrea Benecke, bedankte sich mit sehr persönlichen Worten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der die streitbare, aber immer konstruktive und versöhnliche Art des Präsidenten prägend war.

Wahlen ante portas

Vom 06. bis zum 24. Januar 2012 wird eine neue Vertreterversammlung gewählt. Wir haben in anderen Verbänden Mitstreiter gefunden, die sich wie wir für Transparenz, Innovation, Mitgliederorientierung und Oekonomie einsetzen. Mit der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächstherapie (GwG) und dem Verband der Psychologischen Psychotherapeuten (VPP) im BDP werden wir dieses Mal eine gemeinsame Liste bilden.

Wir wollen uns einsetzen für eine starke Kammer, die ihre Arbeit transparent darstellt und über gute Kontakte mit politischen Entscheidungsträgern verfügt. Wir wollen nicht vor neuen Entwicklungen zurückschrecken, denken aber, dass wir sie kritisch prüfen müssen, z.B. die Veränderungen im Zusammenhang mit dem Vormarsch des Internet. Wir setzen uns ein für die weitere Stabilität der Kammerbeiträge. Dabei berücksichtigen wir, dass auch die Mitarbeiter der Kammer ein Recht auf tarifliche Gehaltssteigerungen haben, wie wir dies für angestellte Psychotherapeuten auch in Anspruch nehmen. Die allgemeine Teuerung durch steigende Kosten für Dienstleistungen, Anschaffungen und höhere Steuern u.a. wird sich allerdings früher oder später auch auf die Beiträge auswirken. Strukturelle Veränderungen, die steigende Kosten nach sich ziehen (z.B. eine Ausweitung der Geschäftsstelle oder unnötige Tätigkeitserweiterung des Vorstands), soll es mit uns nicht geben. Wir wollen aber auch nicht sparen um jeden Preis, denn der Einsatz für eine Verbesserung der Stellung und der Arbeitsbedingungen der Psychotherapeuten kostet auch Geld. Eine billige Kammer, die nichts tut oder nichts tun kann, ist dann das wenige Geld auch nicht wert.

Unser Wahlprogramm und weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.timo-online.net. Bei zwei Veranstaltungen können Sie KandidatInnen aus Ihrer Nähe kennen lernen:

Am Dienstag, 22. November, in Trier: Veranstaltung mit Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der DGVT, zum Thema: „Selbstverwaltung statt Staat: Psychotherapeutenkammern – ihre Aufgaben und wie sie umgesetzt werden“. Ort: Suchtberatung Trier e.V. „Die Tür“, Oerenstr. 15, 54290 Trier, Beginn: 19.00 Uhr.

Am Dienstag, 28. November, in Landau: Veranstaltung mit Dr. Andrea Benecke, Vizepräsidentin der LPK Rheinland-Pfalz zum Thema: „Aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen – Was macht die Kammer eigentlich?“. Ort: Universität Koblenz-Landau, Rote Kaserne, Seminarraum RK 107, Marktstr. 40, 76829 Landau. Beginn: 18.30 Uhr.

Fortbildungspunkte sind bei der LPK RLP beantragt. Wir würden uns freuen, wenn viele die Gelegenheit nutzen würden, die Mitglieder der Liste TIMO kennenzulernen und mit uns zu diskutieren.

Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung bei der Wahl zur Vertreterversammlung. Geben Sie der Liste TIMO Ihre Stimme und geben Sie einzelnen Kandidaten Ihres Vertrauens auf unserer Liste Ihre Personenstimmen. Bitte fordern Sie auch KollegInnen auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, so dass die nächste Vertreterversammlung und der von ihr gewählte Vorstand auf einer breiten demokratischen Basis legitimiert sind.

Andrea Benecke und Sabine Maur

Landesprecherinnen Rheinland-Pfalz


Zurück