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Reformentwurf zum Psychotherapeutengesetz: Der Stand der Dinge


Nichts geht voran, so scheint es, bei der Reform des Psychotherapeutengesetzes, seit der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) im Herbst 2010 ein Konzept für die Reform konsentiert hat. Und wenn man bedenkt, dass die derzeitige Bundesregierung viele andere Sorgen und Themen hat und dann berücksichtigt, dass der Partei des alten und des jetzigen Bundesgesundheitsministers (FDP) die freiberuflichen Ärzte und Zahnärzte vermutlich näher stehen als die Psychotherapeuten, so ist es kein Wunder, dass sich auf der Ebene der offiziellen Politik nicht so sehr viel entwickelt.

Dass gar nichts passiert, ist aber auch nicht richtig. Denn nach dieser Legislaturperiode des Bundestags gibt es eine neue, vielleicht mit neuen Mehrheiten im Bundestag und auch einer neuen Regierungskoalition. Und es finden tatsächlich bereits viele durchaus positiv verlaufende Gespräche mit Gesundheitspolitikern der verschiedenen Bundestagsparteien statt, von denen Peter Lehndorfer, Mitglied des Vorstandes der Bundespsychotherapeutenkammer, beim DPT am 12.11.2011 berichtete. Das von der BPtK konsentierte Konzept, welches manche Anregungen des entsprechenden Forschungsgutachtens aufgreift, wird dabei als Basis für eine zukünftige Reform angesehen. Eine wichtige Rückmeldung, die Lehndorfer von diesen Gesprächen resümierte, war der nachhaltige Rat von vielen Politikern, dass die Psychotherapeutenschaft gegenüber der Politik möglichst mit einer Stimme sprechen solle.

Und es gibt noch ein anderes Feld, auf dem (zumindest zaghafte) Entwicklungen zu verzeichnen sind. Die Diskussion zur Reform des Psychotherapeutengesetzes verlief bis Ende 2010 bekanntlich teilweise recht kontrovers. Ein zentrales Streitthema war die Frage, ob es zukünftig weiterhin zwei PT-Berufe oder nur einen mit Spezialisierungsmöglichkeit in Richtung auf Kinder-/Jugendlichen- versus Erwachsenenpsychotherapie (KJP vs. EP) geben solle. Im Hintergrund steht dabei die Frage, ob weiterhin Absolventen anderer Studiengänge als nur Psychologen den Zugang zur Psychotherapieausbildung erhalten sollten. Der Deutsche Psychotherapeutentag hat im Herbst 2010 zu diesem Thema – fast so, wie es in der großen Politik auch manchmal üblich ist – eine Lösung gefunden, die bei näherer Betrachtung höchstens als vorläufige Lösung oder Kompromissformel angesehen werden kann und muss. Der DPT hat mit jeweils großer Mehrheit zwei Anträge verabschiedet. Einerseits wurden inhaltliche Anforderungen an die Voraussetzungen des zukünftigen Zugang zu einer Psychotherapieausbildung (mit späteren Vertiefungsmöglichkeiten KJP vs. EP) formuliert, die im Prinzip nur von Psychologie-Studiengangsabsolventen auf Masterniveau erfüllt werden können. Andererseits hat der DPT gefordert, dass der breite Zugang zur PT-Ausbildung für die bisherigen Studiengänge erhalten bleiben soll. Am Ende hat der DPT in seiner Weisheit festgehalten, der Vorstand der BPtK möge mit den Fachgesellschaften der Studienfächer Gespräche führen, um die Umsetzung dieser Beschlüsse zu ermöglichen und eine Feinjustierung der Vorgaben vorzunehmen. Diese Gespräche mit der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften und dem Fachbereichstag Soziale Arbeit haben im Laufe des Jahres nun stattgefunden (inzwischen drei). Und nach einigen turbulenten Verläufen, so ist zu hören, deutet sich an, dass man tatsächlich einem Kompromiss nahe ist. Dieser wird (wenn es ihn gibt) von beiden Seiten erhebliche Zugeständnisse verlangen, soviel ist klar. Aber er wird es ermöglichen, dass die PsychotherapeutInnen (Verbände und Kammern) sich gemeinsam hinter ein Reformkonzept stellen können und dass sie damit eine wichtige Voraussetzung dafür erfüllen, dass die Gesundheitspolitiker und das Bundesgesundheitsministerium bereit sein werden, sich mit ihrem Reformkonzept auseinanderzusetzen.

Heiner Vogel


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