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Psychotherapie kommt zu kurz - Stellungnahme der DGVT zu Bericht der Gesundheitsministerkonferenz

Der Bericht der Gesundheitsministerkonferenz zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen stellt die psychiatrische Behandlung in den Mittelpunkt. Die DGVT will die Psychotherapie stärker beachtet wissen.


Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie zum Bericht der AG Psychiatrie der AOLG „Psychiatrie in Deutschland – Strukturen, Leistungen, Perspektiven“ – Teil Kinder- und Jugendpsychiatrie Stand 8.1.2012

Die Gesundheitsministerkonferenz hat einen Berichtsentwurf zur kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung vorgelegt und einige Verbände um Stellungnahme gebeten.

Die DGVT e.V. (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.) ist der größte deutsche Fachverband für Verhaltenstherapie und hat 1000 approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen in ihren Reihen. Insofern verfügen wir über eine hohe Kompetenz in allen Fragen, die mit psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen zusammenhängen. Deshalb würden wir uns freuen, wenn wir in Zukunft direkt um Stellungnahme gebeten werden und nicht erst über Dritte von Initiativen der Gesundheitsminister erfahren.

Wir begrüßen die Zielsetzung der Gesundheitsministerkonferenz ausdrücklich, die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen weiterzuentwickeln und die Kooperation mit anderen Hilfesystemen zu verbessern. Im Mittelpunkt des Berichts stehen allerdings die ambulante Versorgung durch Kinder- und Jugendpsychiater/innen sowie die stationäre Versorgung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Durch diese Fokussierung auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie kommen die anderen Hilfesysteme, die bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen regelmäßig eine zentrale Rolle spielen, zu kurz. Die Psychotherapie ist bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter in den allermeisten Fällen die erste Maßnahme, die – auch entsprechend allen gängigen Leitlinien – ergriffen wird, oder sie ist zumindest Teil des Behandlungsplans. Pharmakotherapie ist dagegen nur bei wenigen Krankheitsbildern angesagt.

Deshalb appellieren wir an Sie, in die Analyse der Versorgungssituation psychisch kranker Kinder und Jugendlicher alle Hilfesysteme einzubeziehen – hierzu zählen neben der ambulanten, teilstationären und stationären Kinder-/Jugendlichenpsychotherapie durch entsprechend qualifizierte Behandler/innen bzw. entsprechende Einrichtungen auch die Jugendhilfe mit ihren unterschiedlichen gestuften Einrichtungsformen (Beratungsstellen bis hin zu stationären Einrichtungen). Nur bei Berücksichtigung aller Hilfesysteme kann das von Ihnen selbst formulierte Ziel – die „Förderung eines strukturierten und damit verbesserten hilfebedarf-orienterten ‚Miteinanders’ der Hilfen“ – erreicht werden.

Im Übrigen verweisen wir auf die differenzierte Stellungnahme der Bundespsychotherapeutenkammer vom 2.3.2012, die sich im Wesentlichen mit unseren Auffassungen deckt.


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