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Austausch und Vernetzung - Fachgruppen und Landesgruppen der DGVT nutzen den Kongress für Treffen und Info-Veranstaltungen


Den Kongress nutzen traditionsgemäß auch viele Vereinsgremien für Treffen oder sie bereiten gezielt politisch geprägte Veranstaltungen vor, die allen Kongress-TeilnehmerInnen offen stehen.

 

Veranstaltungen der Landesgruppen

Länderbüro

Die KollegInnen aus den Landesgruppen betreuten einen Info-Stand im Foyer des Henry-Ford-Baus, das sogenannte Länderbüro. Viele Kongress-TeilnehmerInnen blieben stehen, schauten sich die ausgelegten Vereins-Publikationen (Rosa Beilage, Flyer zu Kammerwahlen, Ethische Rahmenrichtlinien, …) an und nutzen die Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Zentrales Thema war der neu gegründete DGVT-Berufsverband, für den die LandessprecherInnen kräftig Werbung machten.

Länderratsforum „Meine Kammer und ich“

Was sie eigentlich von ihrer Pflicht-Mitgliedschaft in der Psychotherapeutenkammer haben (für die sie auch noch viel Geld bezahlen müssen), erschließt sich gerade BerufsanfängerInnen nicht immer so ohne weiteres. Deshalb bietet der Länderrat regelmäßig auf dem DGVT-Kongress eine Veranstaltung zum Thema „Meine Kammer und ich“ an. Erfahrene Kammerdelegierte wollen mit interessierten KollegInnen ins Gespräch kommen und über die Aufgaben der Kammer informieren.

Das Länderratsforum wurde von Willi Strobl, Landessprecher und Kammerdelegierter in Bayern, und Thomas Bonnekamp, Landessprecher und Kammerdelegierter in Hamburg, vorbereitet und moderiert. Das Angebot wurde von ca. 30 KongressteilnehmerInnen wahrgenommen. Eingangs rissen die Referenten ein paar Themen auf: So fragen sich zum Beispiel viele Angestellte, welchen Nutzen sie aus ihrer Kammermitgliedschaft ziehen. Dass die Hauptaufgabe der Landeskammern eigentlich die Berufsaufsicht ist und nicht die Berufspolitik, ist ebenfalls vielen Kammer-Neulingen nicht klar. Dass aber trotzdem „Politik gemacht“ wird, die dann je nach Bundesland ganz unterschiedlich aussehen kann, macht die Sache nicht einfacher.

Veranstaltungen der Fachgruppen

Neu aufstellen und sich mit den anderen aktiven Frauen im Verein, den Landessprecherinnen, den Kammerdelegierten und den Vertreterinnen in den anderen Fachgruppen und Kommissionen, vernetzen – das ist das Ziel der Fachgruppe Frauen in der psychosozialen Versorgung. Dies wurde bei dem Treffen beschlossen, bei dem Ute Sonntag auch einige Neulinge begrüßen konnte. Positiv vermerkt wurde, dass das Verhältnis von Referenten und Referentinnen auf dem Kongress ziemlich ausgeglichen ist.

Auf großes Interesse stieß der Round Table der Fachgruppe Niedergelassene zum Versorgungsstrukturgesetz und seinen Auswirkungen auf die Psychotherapie. Das Podium war hochkarätig besetzt: Prof. Dr. Frank Jacobi (Technische Universität Dresden, Klinische Psychologie und Psychotherapie), Andrea Mrazek (Präsidentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer), Dr. Wolfgang Bürger (Mitglied der DGVT-Fachgruppe Niedergelassene, Mitglied im Beratenden Fachausschuss der KV Baden-Württemberg und Mitglied im Ausschuss Ambulante Versorgung der Psychotherapeutenkammer Baden-Württemberg), Prof. Dr. Armin Kuhr (Leiter des DGVT-Ausbildungszentrums Hannover/Hildesheim und Mitglied des Vorstands der Psychotherapeutenkammer Berlin) und Prof. Dr. Jürgen Hoyer (Technische Universität Dresden, Klinische Psychologie und Psychotherapie). Die Zukunft der Psychotherapie angesichts der engen gesetzlichen Rahmenbedingungen wurde diskutiert - an Ideen, wie die Psychotherapie weiterentwickelt werden kann und wie die PatientInnen bestmöglich versorgt werden können, herrschte kein Mangel bei den ReferentInnen und den an der Diskussion beteiligten KollegInnen. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten VPP.

Die Fachgruppe Angestellte befasste sich mit der tarifpolitischen Situation der KollegInnen im institutionellen Kontext. Johannes Broil, Sprecher der Fachgruppe, formulierte die Fragen, die sich für die Berufsgruppe der Psychotherapeuten im Anstellungsverhältnis derzeit stellen: Eingruppierung, Aufstiegsmechanismen, Rahmenbedingungen für multiprofessionelles Handeln. DGVT-Vorstand Heiner Vogel referierte über die positiven Entwicklungen in einigen Ländern hinsichtlich einer Novellierung der Landeskrankenhausgesetze. Ebenso wurden die aktuellen Perspektiven aufgezeigt, die sich für die Berufsgruppe in den Tarifverhandlungen durch ver.di in diesem Jahr ergeben könnten. Die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder der teilnehmenden KollegInnen zeigten die Vielfalt des beruflichen Handelns von Psychotherapeuten auf – und die damit verbundene Schwierigkeit, die Themen der Angestellten einheitlich zu fassen.

Die Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie befasste sich bei einem für alle interessierten KollegInnen offenen Veranstaltungsangebot mit den Entwicklungen durch das Bundeskinderschutzgesetz, das seit 1.1.2012 in Kraft ist. Insbesondere die sog. Mitteilungsbefugnis bei Kindeswohlgefährdung, die eingeführt wurde und für alle „Berufsgeheimnisträger“ Gültigkeit hat, wurde diskutiert. DGVT-Juristin Kerstin Burgdorf stellte die bisherige und die neue rechtliche Situation bei Kindeswohlgefährdung gegenüber und zeigte die Handlungsmöglichkeiten auf. Insgesamt wurde konstatiert, dass das neue Gesetz eine Klärung der bislang sehr uneinheitlichen Rechtslage bedeutet. Wie sich die weitergehenden Hilfeangebote, die das Bundeskinderschutzgesetz vorsieht, in diesem Jahr entwickeln werden, wurden von den TeilnehmerInnen diskutiert. Die Unterlagen (Folien) zum Vortrag können Mitglieder in der DGVT-Geschäftsstelle abrufen. Interessierten Mitgliedern steht die DGVT-Mailingliste Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zum kollegialen Austausch zur Verfügung.

 

Mitgliederberatung

Rechtliche Fragen der Mitglieder diskutierten und beantworteten Rechtsanwältin Susanne Locher-Weiß (Reutlingen) und Kerstin Burgdorf (DGVT-Geschäftsstelle). Schwerpunkt waren die im Praxisalltag zentralen Themen „Auskunftspflichten von Psychotherapeuten“ und die Schweigepflicht. Ob und inwieweit Anfragen von Krankenkassen, MDK, Behörden usw. zu beantworten sind, muss in jedem Einzelfall geprüft und entschieden werden. Die Referentinnen gaben mit einer systematischen Darstellung der verschiedenen sozialrechtlichen Auskunftsanspruchsgrundlagen Handlungsanleitungen für die Arbeit in niedergelassener Praxis. Anhand einiger Fallbeispiele wurde die Schweigepflicht und die Möglichkeit bzw. Pflicht, diese zu durchbrechen, näher betrachtet. Hier stellen sich insbesondere bei Selbst- bzw. Fremdgefährdung von Patienten im Praxisalltag Fragen, die jeweils einer Entscheidung im Einzelfall bedürfen. Mitgliedern des DGVT-Berufsverbands steht die telefonische Mitgliederberatung durch die Geschäftsstelle (dienstags und donnerstags, 14.00 bis 15.30 Uhr) zur Verfügung.

„Approbation – was nun?“ lautete der Titel einer sehr gut besuchten Veranstaltung der DGVT-Geschäftsstelle, die sich speziell an die PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiAs) wandte. DGVT-Juristin Kerstin Burgdorf und Dr. Wolfgang Bürger, niedergelassen in eigener Praxis in Karlsruhe, informierten über Praxiskauf, halbe Praxissitze, Jobsharing, Sonderbedarf, Psychotherapie in der sog. Kostenerstattung usw. Die Veranstaltung wird regelmäßig in den verschiedenen Regionen angeboten. Bitte informieren Sie sich auf der DGVT-Homepage über die aktuellen Termine.

Beim Treffpunkt Kostenerstattung konnten sich Interessierte über die Modalitäten und Perspektiven der Psychotherapie im Rahmen der sog. Kostenerstattung informieren. Das Antragsverfahren ist hier nicht formal geregelt und birgt daher für Einsteiger einige Hürden. Ebenso stellt sich regelmäßig die Frage, wie mit abgelehnten Anträgen umzugehen ist. Die DGVT-Geschäftsstelle bietet Unterstützung für den Praxisalltag: Mitglieder können sich auf einer entsprechenden Mailingliste vernetzen, es stehen Formulare zur Verfügung und auch Einzelberatung ist möglich. Mitglieder können die Folien bei der DGVT-Geschäftsstelle anfordern.

Auf großes Interesse stieß auch Judith Schilds Veranstaltung „Der Weg ist das Ziel oder: Was soll ich nur nach dem Studium machen“. Diese Veranstaltung firmierte zwar nicht unter dem Stichwort „Mitgliederberatung“, sondern war als Symposium angelegt. Wie dem auch sei: Die Studierenden nutzten jedenfalls die Gelegenheit, sich Tipps und Anregungen von erfahrenen KollegInnen aus dem psychosozialen und therapeutischen Feld zu holen.

Judith Schild (Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis in Münster) und skizzierte den Ausbildungsverlauf an den DGVT-Instituten, bevor weitere KollegInnen aus der Praxis berichteten: Claudia Geuer (niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Nordrhein-Westfalen), Bernd Schäfer (der mit psychisch kranken Straftätern in einer Einrichtung in Schleswig-Holstein arbeitet) und Karl-Wilhelm Höffler (in einer Rehabilitationsklinik für Orthopädie in Hessen beschäftigt) standen den jungen Leuten Rede und Antwort.

Bei dem Symposium zeigte sich, dass die Studierenden großen Bedarf an Unterstützung und Orientierungshilfe haben, um sich in dem komplizierten Feld zurechtzufinden. Beispielsweise herrscht derzeit keine Einigkeit, ob man mit dem Bachelor-Abschluss zur PP/KJP-Ausbildung zugelassen wird oder nicht. Und diejenigen, die später eine Niederlassung plus Kassensitz anstreben, empfinden das Zulassungsverfahren als äußerst verworren und undurchsichtig. Der Beratungsbedarf ist auch hier sehr groß.

Angela Baer


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