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Mobilität Risikofaktor für psychische Erkrankungen

TK-Gesundheitsreport: Pendler sowie Wohnort- und Jobwechsler besonders betroffen


Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund einer psychischen Diagnose steigt seit Jahren an. Das ist nichts Neues. Die Techniker Krankenkasse hat in ihrem Gesundheitsreport für 2012 jetzt erstmals Mobilität als Risikofaktor ausgemacht: Berufspendler (zu denen rund 45 Prozent aller Beschäftigten gehören) sind häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen als Berufstätige, die wohnortnah arbeiten.

Die größte Gruppe der Berufspendler bilden männliche Beschäftigte fortgeschrittenen Alters. Das hängt laut TK damit zusammen, dass in dieser Altersgruppe die traditionelle Rollenverteilung noch verbreiteter ist und Familienväter als Hauptverdiener weite Distanzen in Kauf nehmen. Je höher der Ausbildungsstand, desto größer die Entfernung zum Arbeitsplatz.

Auch Wohnort- und Arbeitsplatzwechsel erhöhen das Risiko, psychisch krank zu werden, haben die TK-Statistiker ermittelt. Auch hier sind ältere Arbeitnehmer eher gefährdet. Jüngere sehen einen Wohnort- oder Jobwechsel als normal oder sogar wünschenswert an, ältere empfinden dies als Belastung.

Auffällig ist, dass in den ersten Jahren der TK-Berichterstattung (von 2000 bis 2005) vor allem Arbeitslose von psychisch bedingten Krankschreibungen betroffen waren. Seit 2006 sind es vor allem die Berufstätigen, die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Diagnosen haben.

Die veränderte Arbeitswelt – mit mobiler Kommunikation rund um die Uhr, mit befristeten Arbeitsverträgen, mit hohen Anforderungen an Flexibilität und Mobilität – fordert ihren Tribut, so ist es seit einiger Zeit immer wieder in den Zeitungen zu lesen. Die vermehrt gestellten psychischen Diagnosen haben laut TK jedoch auch damit zu tun, dass Ärzte heute besser in der Lage sind, psychische Ursachen von Beschwerden zu erkennen. Und die Gesellschaft ist eher bereit, psychische Diagnosen zu akzeptieren.

Von psychischen Störungen sind Menschen in Ballungsräumen wie Hamburg und Berlin überdurchschnittlich häufig betroffen, sagt die TK-Studie. Ein höheres Risiko haben auch Beschäftigte in Dienstleistungsberufen wie Callcenter-Mitarbeiter/innen, Pflegepersonal und Erzieher/innen. Dabei handelt es sich überwiegend um Frauen, die zudem durch die Betreuung ihrer Kinder und nicht selten auch noch durch die Pflege ihrer Eltern dreifach belastet sind.

„Wichtig ist, die Gesundheitsressourcen der Menschen zu fördern, damit sie die Belastungen, denen sie im Alltag ausgesetzt sind, bewältigen können“, fasst die TK zusammen. Mobilität lasse sich natürlich nicht verhindern, aber man könne versuchen, sie „gesünder zu gestalten“. Verwiesen wird auf Seminare zur Burnout-Prophylaxe, Online-Coaches, CDs und Broschüren.

Doch auch die Arbeitgeber seien gefordert: Mobilität sollte, wo immer möglich, reduziert werden durch Home-Office-Angebote, Telefon- und Videokonferenzen und durch flexible Arbeitszeiten.

Angela Baer

 

Weitere Informationen:

Die Broschüre „Gesundheitsreport 2012“ umfasst 177 Seiten und steht auf der Homepage der Techniker Krankenkasse unter www.tk.de zum Download.

In dem Gesundheitsreport werden alljährlich die Krankschreibungen und Arzneimitteldaten der 3,7 Millionen Versicherten analysiert. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie arbeitslos gemeldete Mitglieder der TK. Ausgewertet werden Arbeitsunfähigkeits- und Arzneiverordnungsdaten. Bei der TK ist fast jeder achte Beschäftigte in Deutschland versichert.


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