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Gesellschaft für Gemeindepsychologie tagte

Bernd Röhrles Wirken stand im Mittelpunkt


Die Jahrestagung der GGFP (Gesellschaft für Gemeindepsychologie – Forschung und Praxis) in Marburg stand unter dem Motto „Vernetzte Welten – Perspektiven auf Prävention und Gesundheitsförderung“. Prof. Bernd Röhrle, einer der Mitbegründer der GGFP und Träger des DGVT-Preises 2012, hat kürzlich Abschied genommen von der Universität Marburg – sein Wirken stand gleichfalls im Mittelpunkt der Jahrestagung.

Die Jahrestagung hatte einen hohen Anspruch, der auch in der Begrüßung durch Prof. Luise Behringer (Katholische Stiftungsfachhochschule München) definiert wurde. Sie betonte mehrfach, dass die Begriffe „Prävention“ und „Gesundheitsförderung“ in Gefahr stehen, zu inhaltsleeren Allerweltsbegriffen zu werden, was damit zusammenhänge, dass immer das einzelne Subjekt fokussiert werde. Einzelaspekte von Gesundheit würden herausgegriffen, für die dann wieder irgendwelche Programme entwickelt würden. Nur durch das Knüpfen von Netzwerken sei es möglich, die Gefahr der Überspezialisierung zu verhindern.

Bezogen auf Bernd Röhrle zitierte Behringer aus einem seiner Bücher folgende Passage: „Wahrgenommene und tatsächliche Kontroll-, Einfluss- und Partizipationsmöglichkeiten sind nicht nur ein Korrelat des Wohlbefindens, sondern auch ein entscheidendes Vehikel zur Veränderung der Verhältnisse im Verteilungssystem der Ressourcen“. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die Netzwerk-Metapher auch zu einer raffinierten Strategie der Verschleierung werden könnte, wenn die gesellschaftliche, politische Dimension außer Acht gelassen werde. Damit sprach sie auch das Wirken von Bernd Röhrle an, dem gerade Letzteres besonders am Herzen liegt. Dass er der diesjährige DGVT-Preisträger ist, erwähnte Luise Behringer mehrmals in ihrer Ansprache.

Am ersten Tag der Tagung stand Röhrles Abschied von der Universität im Zentrum. Weitere Referenten würdigten sein Wirken im Bereich der Gemeindepsychologie und seine Netzwerk-Arbeit. Hervorgehoben wurde vor allem auch seine wissenschaftliche Arbeit, da er im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung viel geforscht und auch eine große Anzahl von Büchern veröffentlicht hat.

Auch der Hauptvortrag des ersten Tages, den Prof. Clemens Hosman von der Universität Maastricht hielt, bezog sich immer wieder auf Impulse, die Bernd Röhrle, zumindest im deutschsprachigen Bereich, gegeben hat. Hosman bemerkte in seinem sehr interessanten Vortrag mit dem Thema „Challenges and opportunities for innovating mental health promotion and prevention in the next decade“, dass vor zehn Jahren die Gemeindepsychologie, die Prävention und die Gesundheitsförderung daran krankte, dass es zu wenig Forschung in diesem Bereich gegeben habe.

Dies habe sich seither jedoch geändert. Weil die Datenlage gut sei, müsse es jetzt im nächsten Schritt darum gehen, wie die Ergebnisse aus der „Projektphase“ in dauerhaftes Handeln überführt werden können. Am Beispiel der Verkehrsopfer machte Hosman deutlich, dass das Wissen um Prävention nur dann sinnvoll ist, wenn es im Alltag umgesetzt werden kann bzw. wird. Hier machte er verschiedene Vorschläge, welche Schritte notwendig und möglich seien, um Prävention und Gesundheitsförderung in den Alltag zu transferieren.

Der zweite Tag begann mit einem Impulsreferat von Bernd Röhrle zum Thema „Building of capacities und Gemeindepsychologie – Anmerkungen von einem der auszog, die Welt zu verändern“.

Daran anschließend teilten sich die TeilnehmerInnen in verschiedene Diskussionszirkel, um unterschiedliche Perspektiven zu behandeln, eine sicherlich notwendige Maßnahme, da die Themenbereiche sich sonst zu sehr überschnitten hätten und als komplexe Lebenswelt nicht diskutierbar wären. Es wurden Diskussionszirkel zu den folgenden Themen angeboten:

  • Die Perspektive Kultur
  • Die Perspektive Arbeit
  • Die Perspektive Inklusion (Menschen mit gelingender Krankheitsgeschichte in Gesundheitsförderung einbeziehen)
  • Die Perspektive Theorie-Praxis-Bezug (Strategien zur verbesserten Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Praxis)
  • Die Perspektive Beratung
  • Die Perspektive Selbsthilfe

Den Abschluss der Jahrestagung bildete der Vortrag von Florian Strauss zum Thema „Vernetzte Wege in die Zukunft“. Hier wurden noch einmal auch die unterschiedlichen Netze, wie auch die modernen Cyber-Netzwerke, und ihre Gefahren und Möglichkeiten aufgegriffen.

Aus meiner Sicht waren es zwei gelungene Tage mit guten Referenten und Vorträgen. Da die GGFP immer schon eng mit der DGVT verbunden war, sollten deren Diskussionen und Inhalte auch wieder mehr in den Fokus des Verbandes treten, da hier wichtige gemeinsame Vorstellungen vorhanden und gemeinsame Ziele zu erreichen sind.

Rudi Merod
Vorstand der DGVT


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