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Die Angestelltenbefragung der BPtK: Hintergrund, Ziele und Konzeption


Etwa die Hälfte der PP/KJP arbeiten vermutlich als Vollzeit- oder Teilzeitkräfte im Angestelltenverhältnis. Im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen in eigener Praxis zeichnet sich der Bereich der angestellten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten durch eine große Heterogenität der Arbeitgeber, finanziellen Rahmenbedingungen und Tarifverträge, Aufgabenbereiche und Anforderungen aus. Somit ist es eigentlich schwierig, hier von einem einheitlichen Bereich zu sprechen. Die Eingruppierung in ein Tarifsystem erfolgt oft entsprechend des Grundberufs, ohne dass die höhere Qualifikation durch die Approbation Berücksichtigung findet. Die Kompetenzen, die PP/KJP mitbringen, werden jedoch von den Arbeitgebern gerne genutzt und stellen nicht selten eine explizite Einstellungs­voraus­setzung dar. Leitungsfunktionen für unsere Berufsgruppe in klinischen Einrichtungen sind weiterhin spärlich gesät und im Gegensatz zu der entsprechenden  Hierarchie der  Ärztegruppe in vielen Häusern informeller Natur.

Obwohl all dies hinlänglich bekannt ist und zu dem Gefühl der Benachteiligung bei den angestellten PP/KJP gegenüber ihren niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen auf der einen Seite und den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen in den eigenen Einrichtungen auf der anderen Seite beigetragen haben mag, fehlen bislang verlässliche Zahlen und Daten zu der Situation der Angestellten. Das Fehlen von objektiven Daten schwächt aber die Kraft der politischen Forderungen der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der Landes­psycho­­therapeuten­kammern nach besseren Bedingungen für angestellte PP/KJP.

Vierzehn Jahre nach Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes soll nun im Frühjahr 2013 eine bundesweite Befragung der angestellten Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten unter der Federführung der BPtK erfolgen. Entsprechend einer vorläufigen Projektplanung fand am 23.10.2012 ein erster Workshop zur Konzeptentwicklung in der Geschäftsstelle der BPtK statt. Teilnehmer waren Vertreterinnen und Vertreter der Landespsychotherapeuten­kammern, des PTI-Ausschusses, des Vorstandes der BPtK und der Geschäftsstelle der BPtK. Vorangegangen war ein Auftakt-Meeting im Dezember 2011, bei dem sich der Vorstand der BPtK von Approbierten mit Leitungsfunktion über ihre Situation informieren ließ.

Bei dem Treffen im Oktober wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nun die Zielsetzung der Befragung und die Grobstrukturierung der zu erhebenden Daten vorgestellt. Mit der Durchführung der Befragung aller angestellten PP/KJP hat die BPtK das IGES Institut, Berlin, beauftragt, das bereits über einige Expertise bei Befragungen im medizinischen Sektor verfügt. Die aktuelle Planung sieht vor, dass die Befragung online erfolgen soll und in einem Zeitraum von vier Wochen im Februar 2013 stattfinden wird. Erfasst werden sollen neben den Basisdaten zur Person, wie es aktuell schon über die Meldebögen der Landespsychotherapeutenkammern erfolgt, Daten zu den Institutionen bzw. dem Arbeitsplatz, den Versorgungsaufgaben, zur formalen (arbeitsvertraglichen) Position und zu den Aufgaben und Funktionen der Befragten. Schon alleine aufgrund der angesprochenen unterschiedlichen Arbeitsfelder der Befragten dürfte sich hieraus eine große Variabilität der Angaben ergeben, die es bei der Konzeption der Antwortmöglichkeiten zu berücksichtigen gilt. Um die Anonymität der Daten zu gewährleisten, wird das IGES Institut den Landespsychotherapeutenkammern die erforderliche Zahl von Zugangscodes zusenden, mit denen sich die Kammermitglieder dann auf einer eigens hierfür eingerichteten Website anmelden können. Die Landespsychotherapeutenkammern wiederum informieren ihre Mitglieder postalisch über die Befragung und leiten ihnen die Zugangscodes zu.

Bei dem Workshop in Berlin wurden verschiedene Punkte diskutiert, wie z. B. die Vor- und Nachteile einer online-Befragung gegenüber einer Papierversion des gleichen Fragebogens. Neben der besseren Fragebogenergonomie dürften v. a. finanzielle Aspekte für eine online-Befragung sprechen. Weiterhin war die Vorerfahrung vieler Teilnehmer bezüglich eigener Befragungen von Angestellten in den jeweiligen Landeskammern von Nutzen, konnten doch vor diesem Hintergrund einige Detailfragen im Vorfeld angesprochen und geklärt werden.

Bis zum 16.11.2012 wird nun eine Rohfassung des Fragebogens erstellt, die dann beim zweiten Workshop am 19.11. diskutiert und ggf. überarbeitet wird. Die Fertigstellung des Fragebogens soll bis Dezember 2012 erfolgen; im Januar 2013 wird ein Pretest stattfinden, bevor einen Monat später dann die bundesweite Datenerhebung durchgeführt wird.

Der Nutzen dieser Befragung und der erhobenen Daten hängt nicht zuletzt von ihrer Repräsentativität ab. Diese wiederum wird sich auch an der Höhe der Rücklaufquote bemessen. Es ist also im Interesse aller angestellten PP/KJP, dass bei der geplanten Präsentation der Daten im Rahmen des 22. Deutschen Psychotherapeutentages im April 2013 deutlich wird, dass eine hohe Teilnahmebereitschaft unserer Berufsgruppe(n) zu belastbaren Daten für den Bereich der angestellten PP/KJP und deren Tätigkeiten geführt hat, die dann nutzbringend für die (berufs-) politische Arbeit der Landespsychotherapeutenkammern und der BPtK eingesetzt werden können.

Michael Lingen, Göttingen


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