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Fortbildungspflicht 2.0 für Psychotherapeuten im Krankenhaus und in der Psychiatrie


Man muss nicht alles Neue gut finden: So ist es auch mit Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) über die neu gefassten Fortbildungspflichten von Fachärzten/ärztinnen und PsychotherapeutInnen im Krankenhaus vom 18. Oktober 2012, die am 1. Januar 2013 in Kraft treten.

Die Nachweispflicht für Fortbildungen für PsychotherapeutInnen im Krankenhaus nach § 95d SGB V war durch den G-BA erstmals am 19. März 2009 geregelt worden. Die Einbeziehung der PsychotherapeutInnen in die gesetzliche Fortbildungspflicht für Krankenhausärzte/ärztinnen war zuvor bei den Kammern intensiv diskutiert worden und im Sinne der angestrebten Gleichstellung letztlich befürwortet worden. Die vom G-BA im Jahr 2009 beschlossenen Regelungen waren recht kompliziert und sahen vor, dass der Arzt/die Ärztin bzw. der/die PsychotherapeutIn für einen Fünf-Jahres-Zeitraum 250 Fortbildungspunkte belegen muss, die teilweise fachspezifisch nachzuweisen sind. Die Beurteilung der Fachspezifität war von der Ärztlichen Leitung des Krankenhauses vorzunehmen und die bestätigte Fortbildung dann im Qualitätsbericht des Krankenhauses für alle Ärzte/Ärztinnen und PsychotherapeutInnen zu dokumentieren.

Die Beurteilung der Fachspezifität speziell für die Krankenhausärzte/ärztinnen brachte offenbar häufig Probleme und war für alle Beteiligten auch aufwändig. Deshalb stand eine Neufassung an. Nunmehr ist das Fortbildungszertifikat der Kammer vorzulegen, welches für den zurück liegenden Fünf-Jahres-Zeitraum die 250 Punkte bestätigt. Damit entfällt die Verpflichtung zum Nachweis der Fachspezifität der Fortbildungen. Die ärztliche Leitung eines Krankenhauses hat die Einhaltung der Fortbildungsverpflichtung zu überwachen. Sie muss jährlich prüfen, ob für die beschäftigten Ärzte und Psychotherapeuten ein Fortbildungszertifikat vorliegt, das nicht älter als fünf Jahre ist. Das Krankenhaus ist ferner dazu verpflichtet, jährlich in seinem Qualitätsbericht die Erfüllung der Fortbildungspflicht zu dokumentieren. Nähere Informationen finden sich auf der Homepage der BPtK. Die Empfehlungen der BPtK zur Umsetzung der Fortbildungspflicht für PsychotherapeutInnen im Krankenhaus von 2009 werden in Kürze aktualisiert.

Der Haken an der Sache ist, dass das Fortbildungszertifikat der Kammer auch schon im ersten Jahr der Beschäftigung bzw. nach Anstellung vorliegen muss (Ausnahme „Frisch-Approbierte“). Diese Vorschrift hat nämlich zur Folge, dass KollegInnen, die sich nicht sicher sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren eine Stelle an einem Krankenhaus bzw. in einer Psychiatrie antreten wollen, tunlichst darauf achten, dass sie die Teilnahmebescheinigungen für die Fortbildungszertifikate sammeln und regelmäßig einreichen. Bei den meisten Psychotherapeutenkammern (Ausnahme Rheinland-Pfalz) sind die Fortbildungszertifikate freiwillig und müssen nicht sozusagen „auf Vorrat“ beantragt werden. Das ist damit für manche KollegInnen jetzt leider anders. Bürokratieabbau wird anders buchstabiert.

Zugestehen muss man allerdings, dass die Regelungen im Gemeinsamen Bundesausschuss zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Krankenkassen-Spitzenverband ausgehandelt wurden und die Bundespsychotherapeutenkammern hier „nur“ ein Beratungsrecht hat und ihr daher eine wirkliche Verhandlungsmöglichkeit fehlte.

Heiner Vogel


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