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Entwicklung der Leitlinien geht gut voran: Neue Behandlungsstandards für Kinder- und Jugendlichenbereich

Drei Leitlinien - Depressionen, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten sowie Autismus-Spektrum-Störungen - sind derzeit in der Entwicklung. Die DGVT ist daran beteiligt.


Ich möchte über vier Treffen von Leitlinienkommissionen berichten, an denen ich in den vergangenen Monaten beteiligt war. Beginnen möchte ich mit den S3-Leitlinien aus dem Kinder- und Jugendlichenbereich. Sie sind in unterschiedlichen Phasen der Fertigstellung.

Am weitesten ist die Entwicklung der Leitlinie „Depression bei Kindern und Jugendlichen“. Diese Leitlinie beschäftigt sich mit der Behandlung der Depression bei Kindern und Jugendlichen und hat explizit die Diagnostik ausgeklammert. Am 22. und 23.Oktober 2012 hat sich die Konsensgruppe getroffen (bestehend aus 24 Repräsentanten der relevanten Fachverbände und der Angehörigen) und 22 Kernaussagen, die die eigentlichen Leitlinien darstellen, konsentiert. Sie werden jetzt mit einem Langtext versehen, der dann in einem Delphi-Verfahren abgestimmt wird, so dass er (wahrscheinlich) Anfang des Jahres 2013 veröffentlicht werden kann.

Problematisch war bis zum Ende des Konsensprozesses, dass die Daten- und Studienlage (wie in vielen Bereichen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie) sehr schwach ist und die Studien meist kein hohes Evidenzniveau haben. Hinzu kommt, dass keine evidenzbasierten Aussagen für Kinder unter acht Jahren gemacht werden können, da es für diese Altersgruppe keine angemessenen Studien gibt. Dieses Problem betrifft alle Leitlinien im Kinder- und Jugendlichenbereich. Hier kann die Forderung nur sein: Möglichst viele Studien bis zur Überarbeitung der Leitlinie in die Wege leiten! Grundsätzlich gilt, dass die S3-Leitlinien eine Gültigkeit von maximal fünf Jahren nach Veröffentlichung haben, so dass eine Überarbeitung regelmäßig erfolgen muss. Natürlich gibt es immer auch die Möglichkeit, die bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) veröffentlichten Leitlinien zu kommentieren. Diese Kommentare werden bei der nächsten Überarbeitung mit berücksichtigt. Leider wird bisher von dieser Möglichkeit noch zu wenig Gebrauch gemacht.

Die Expertengruppe für die zweite Leitlinie unter dem Titel „Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen“ hat sich mittlerweile zweimal für zwei Tage getroffen. Hier ist die Lage etwas diffiziler, da es noch keine Leitlinien gibt, auf die zurück gegriffen werden kann. Die Gruppe hat sich in Untergruppen aufgeteilt, um die beiden Teilbereiche „Suizidalität“ und nicht-suizidale Selbstverletzungen zu bearbeiten. Aufgabe der Untergruppen ist es nun, sich mit den entsprechenden Forschungsberichten auseinander zu setzen, sie methodisch zu bewerten und ihnen einen entsprechenden Evidenzgrad zuzuordnen.

Diese Aufgabe wird in den anderen Leitlinienkommissionen durch die „Steuerungsgruppe“ geleistet, in der hier benannten LL-Kommission wird dies unmittelbar von der Konsensgruppe geleistet, da so die Arbeit für die einzelnen Mitglieder reduziert werden konnte.

Ich bin sehr optimistisch, dass bis zum nächsten Treffen (Anfang nächsten Jahres) die Leitfragen und auch die Kernaussagen soweit festliegen, dass diese diskutiert und konsentiert werden können.

Die nächste Leitlinie beschäftigt sich mit der „Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen“ und zwar sowohl im Kinder- und Jugendlichen- wie auch im Erwachsenenbereich. Hier besteht eine Steuerungsgruppe, die die bestehenden (internationalen) Leitlinien sichtet, und vergleicht. Sie soll auch aktuelle Forschungsliteratur zusammentragen, sichten und auf ihr Evidenzniveau einschätzen. Parallel dazu werden dann die Leitfragen sowie die Kernaussagen zusammengetragen und auch schon erste Textentwürfe zusammengestellt. Wir hoffen, bis Anfang nächsten Jahres soweit zu sein, dass auch hier eine Konsensgruppe zusammengestellt werden kann, die die Ergebnisse der Steuergruppe diskutiert und ggf. neue oder zusätzliche Kernaussagen erarbeitet bzw. die vorgelegten soweit verändert, dass ein Konsens besteht.

Wie bereits oben angesprochen, werden diese Kernaussagen in einem Delphi-Verfahren nochmals diskutiert und eventuell verändert oder auch ergänzt, bevor sie den Fachverbänden zur Kommentierung vorgelegt und veröffentlicht werden.

Die letzte Leitlinienkommission, der ich angehöre, beschäftigt sich mit der „Schizophrenie“. Auch hier ist die Steuerungsgruppe dabei, die Vorarbeiten zu erledigen, wobei „Vorarbeiten“ sicherlich einen falschen Eindruck vermittelt, denn die Vorarbeiten stellen den Hauptanteil der Arbeit dar und sind für die Mitglieder sehr zeitaufwendig. Gerade in dieser Kommission ist eine enge Zusammenarbeit mit dem neuen Fachverband für Psychosenpsychotherapie sehr hilfreich, weil auch dort einiges erarbeitet wird:  Beispielsweise wird versucht, Fragen zu klären wie „Was ist eigentlich unter dem Begriff der Psychosenpsychotherapie zu verstehen?  der „Welche Berufsgruppen sind zu integrieren?“ usw. Ich hoffe, dass nach dem nächsten Treffen (nach einer sicherlich auch kontroversen Diskussion) Vorschläge gemacht werden können, die dann auch in die Leitlinie einfließen können und sollten.

Rudi Merod

DGVT-Vorstand


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