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Bewegung im Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare

Bundesverfassungsgericht rückt Kindeswohl in den Mittelpunkt


Ehepartner dürfen ein Kind gemeinschaftlich adoptieren, das leibliche Kind ihres Ehepartners adoptieren (Stiefkindadoption) oder ein vom Ehepartner zuvor adoptiertes Kind annehmen (Sukzessivadoption). Die Stiefkindadoption ist auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Alles andere nicht. Doch es kommt Bewegung in die Debatte: Am Bundesverfassungsgericht fand im Dezember 2012 eine Anhörung statt, an der sich fast alle Fachleute dafür aussprachen, das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare zu korrigieren.

Behandelt worden war die sogenannte Sukzessivadoption. Ein Beispiel: Eine Frau hat ein leibliches Kind (das von ihrer Lebenspartnerin adoptiert werden darf), die andere Frau hat ein Adoptivkind (das von der Lebenspartnerin nicht adoptiert werden darf). Diese Familienkonstellation ist vermutlich nicht besonders häufig. Dennoch geht es um grundsätzliche Fragen wie die Gleichbehandlung und das Kindeswohl.

Bei der Anhörung betonte der Grünen-Politiker Volker Beck, dass es in erster Linie um die Rechte der Kinder und nicht um die Rechte der Lebenspartner gehe. Und für die Kinder sei es von Vorteil, wenn zwei Eltern sorgerechtlich und unterhaltsrechtlich verpflichtet seien. Da die Kinder in solchen Fällen ohnehin bereits mit beiden Lebenspartnern in einem Haushalt leben, „dient es dem Wohl des Kindes, wenn eine faktische Beziehung auch rechtlich abgesichert wird“, ergänzte Nina Dethloff von der wissenschaftlichen Vereinigung für Familienrecht. Soweit die juristische Sichtweise.

Das Gericht nahm jedoch auch die Sicht des Kindes und sein psychisches Wohl in den Blick und hatte den Bundesverband der Kinder- und Jugendlichentherapeuten (bkj) um eine Stellungnahme gebeten. Dessen Vorsitzende Marion Schwarz sprach sich klar für eine Gesetzesänderung aus: Ein Kind könnte die Nicht-Adoption als Abwehr oder Ablehnung seiner Person erleben, es könne sich als nicht gleichwertig oder wichtig genug fühlen, um von dem / von der Lebenspartner/in angenommen zu werden. Es könne ferner zu Spannungen und Spaltungen in Untergruppen in der Familie kommen (Wer gehört zu wem? Wer hat wem was zu sagen? Wer darf was entscheiden?).

Bedenken kamen nur vom Deutschen Familienverband (DFV). Kinder homosexueller Eltern liefen Gefahr, stigmatisiert und gemobbt zu werden, sagte DFV-Präsident Klaus Zeh. Dabei sei die Suche nach der eigenen Identität für adoptierte Kinder ohnehin schwierig. Dies überzeugte weder die anderen Fachleute noch das Gericht. Durch die Sukzessivadoption werde – im Gegenteil – die Situation des Kindes rechtlich abgesichert, was die Identitätsfindung erleichtere.

Die Frage, die bereits viel diskutiert wurde, nämlich ob zwei Frauen oder zwei Männer zusammen ein fremdes Kind adoptieren dürfen, wurde bei der Anhörung allerdings nicht behandelt. Es ging hier im Grunde um einen Ausnahmefall. Denn wenn gleichgeschlechtliche Paare frei entscheiden könnten, via Adoption eine Familie zu gründen, dann wären sie endgültig Ehepartnern gleichgestellt. Doch dies ist von der politischen Mehrheit, im Moment zumindest, nicht gewollt.

Angela Baer


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