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Keine Praxisgebühr mehr: Was PsychotherapeutInnen beachten müssen

Thema Zuzahlungen bleibt aber weiterhin aktuell


Nach langem Hin und Her wurde die Praxisgebühr zum 1. Januar 2013 endlich abgeschafft. Was bedeutet dies für PsychotherapeutInnen?

  • Ihre PatientInnen zahlen keine 10,00 € mehr, wenn sie in Ihre Praxis kommen und in diesem Quartal auch noch in keiner anderen Praxis gewesen sind. Das Schreiben von Quittungen entfällt.
  • Ihre PatientInnen müssen keinen Überweisungsschein mehr mitbringen, um zu „beweisen“, dass sie die 10,00 € in diesem Quartal schon in einer anderen Praxis bezahlt haben.
  • Der Überweisungsschein hat deshalb nicht ausgedient. Er „nützt“ zwar nichts mehr, um die Praxisgebühr zu sparen, aber oftmals enthält er eine wichtige Information für den Psychotherapeuten.
  • Wenn ein Patient in einen Hausarztvertrag eingeschrieben ist, kann es sein, dass der Erstzugang zum Psychotherapeuten eingeschränkt ist, dass der Patient sich also eine Überweisung besorgen muss. Am besten besprechen Sie dies mit Ihren PatientInnen.

Die GKV-Versicherten sparen jetzt also maximal 40,00 € im Jahr (wenn in jedem Quartal ein Arzt, Psychotherapeut, … aufgesucht wird). Das Statistische Bundesamt berichtet, dass der Wegfall der Gebühr im Januar wesentlich dazu geführt hat, dass sich der Preisdruck in Deutschland abgeschwächt hat: „Die Teuerungsrate fiel im Januar im Jahresvergleich auf 1,7 % und damit wieder unter die finanzpolitisch wichtige Marke von zwei Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) geht bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen aus. Im Dezember 2012 hatten die Preise hierzulande noch kräftig um 2,1 % angezogen, weil vor allem Lebensmittel und Reisen deutlich mehr kosteten als ein Jahr zuvor. Für das gesamte abgelaufene Jahr hatte die Inflationsrate bei 2,0 % gelegen.“

Das Thema Zuzahlungen wird die PatientInnen aber weiter beschäftigen und – je nach finanzieller Situation – auch belasten. Die Zuzahlungen für Arznei-, Verbands- und Hilfsmittel, Krankenhausbehandlung, usw. beliefen sich im Jahr 2011 auf 5,3 Mrd. Euro. Das sind im Schnitt 75,40 € pro Versicherten. Diese Zahlen legte die Bundesregierung im Dezember vor, nachdem Abgeordnete der Linken-Fraktion eine entsprechende Anfrage gestellt hatten.

Die Zuzahlungen seien grundsätzlich als Finanzierungsbeitrag zu einer nachhaltigen und ausgewogenen Lastenverteilung im Gesundheitswesen anzusehen, teilt die Bundesregierung mit. Außerdem trügen die Zuzahlungen dazu bei, die Eigenverantwortung der Versicherten zu stärken und das Bewusstsein für die Kosten der medizinischen Versorgungen zu schärfen. Im internationalen Vergleich sei das deutsche System moderat und sozial verträglich. Niemand müsse aus finanziellen Gründen auf notwendige Gesundheitsleistungen verzichten.

Gerade Letzteres sehen Sozialverbände ganz anders.

Angela Baer

Weitere Informationen: Deutscher Bundestag, Drucksache 17/11925 vom 17.12.2012


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