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Tarifliche Gleichstellung von PsychotherapeutInnen mit FachärztInnen - Das Ende des Damper Konzerntarifs


Der Helios Konzern hat im März 2012 die Kliniken der Damp-Gruppe übernommen. Bei Damp waren PsychotherapeutInnen und FachärztInnen tariflich gleichgestellt. Unter Helios sind Rückschritte zu erwarten. Eine Chronik von Klaus Thomsen.

Am 1.1.1999 entstand ein kleiner Firmentarif der Unternehmensgruppe Damp zu einer für PsychotherapeutInnen spannenden Zeit. Kurz zuvor trat das Psychotherapeutengesetz in Kraft. Die Berufe Psychologische/r Psychotherapeut/in und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in waren nagelneu und außerhalb von Fachkreisen nicht bekannt. Es gab aber schon einige juristische Kommentierungen, die darauf  hinwiesen, dass eine Gleichstellung der neuen Heilberufe mit FachärztInnen beabsichtigt wäre.

Damp bekam einen ehemaligen Politiker zum Vorstandsvorsitzenden und wurde von einer GmbH zur Aktiengesellschaft umgewandelt. Es gab ehrgeizige Pläne, aus diesem kleinen Reha-Betreiber einen Gesundheitskonzern zu schmieden. Als erstes wurde der BAT als „unmodernes Tarif-Relikt“ gekündigt. Personalkosten sollten eingespart und daher Gehälter gekürzt und Arbeitszeiten verlängert werden. Es kam anders. Die Mitarbeiter traten scharenweise in die damalige ÖTV ein. So auch fast alle PsychologInnen und zukünftigen PsychotherapeutInnen. Mit 95 % Organisationsgrad hatten sie in der neugegründeten Tarifkommission einen besonders starken Stand. Nach monatelangen Verhandlungen mit mehreren Warnstreiks wurde ein Haustarif erkämpft, der neben der Beibehaltung der 38,5-Stunden-Woche und dem BAT-Gehaltsniveau auch eine neue Entgeltordnung enthielt. Sie entsprach im Wesentlichen der alten Anlage 1a des BAT mit einigen kleinen Änderungen. Die verschiedenen Tabellen von Arbeitern, Angestellten und Pflege wurden zusammengeführt und die Psychologischen PsychotherapeutInnen, die es bis dahin noch nicht wirklich gab, kamen in die Facharztgruppe BAT Ia/Ib, die aber fortan Entgeltgruppe  12 und 13 hießen. Mit der Approbation im Frühjahr stiegen plötzlich alle ehemaligen PsychologInnen ein bis zwei Stufen auf. Leitende PsychologInnen erhielten die EG 14, ehemals BAT I.

Damp fing in den Folgejahren an, mehrere Kliniken von Kommunen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu kaufen und mauserte sich im Jahre 2011 schließlich zum fünft- oder sechstgrößten privaten Gesundheitskonzern in Deutschland mit über 7.000 MitarbeiterInnen. Der tarifliche Schwung von 1999 blieb und damit auch die Erfolge für die immer größer werdende Tarifkommission.

2005 bis 2006 wurde der Konzerntarif Damp mit ver.di neu verhandelt. In der Tarifkommission saßen jetzt zwei Psychotherapeuten und einer war stets am Verhandlungstisch dabei. Die Arbeitgeber monierten die nicht „marktübliche“ Vergütung der PsychotherapeutInnen bei Damp. Diese Berufsgruppe umfasste inzwischen ca. 100 KollegInnen, da der Konzern mehrere Psychiatrien erworben hatte. Schließlich traten fast alle ver.di bei und an einem anderen Standort dem Marburger Bund. Beide Gewerkschaften erreichten eine Gleichstellung der PsychotherapeutInnen mit den FachärztInnen. Der ver.di-Tarif enthielt jedoch noch einen Zusatz, dass mit den Psychotherapeuten auch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gemeint waren. Also kam endlich auch hier die tarifliche Gleichstellung, obwohl einige KJP-KollegInnen mit sozialpädagogischer Ausbildung hinterher noch vor Arbeitsgerichten kämpfen mussten.

Im Anschluss verhandelte eine Tarifkommission aus Auszubildenden, zu denen auch zwei PsychotherapeutInnen in Ausbildung gehörten, einen Azubi-TV und einen Praktikanten-TV, in denen u. a. festgelegt wurden, dass PiA im Damper Konzern ein Monatsgehalt von 1.460,00 € erhalten plus Jahresurlaub, Sonderzahlung und Zuschläge.

2011 konnte die ver.di-Tarifkommission mit dem Abschluss des Tarifvertrages zur Förderung der betrieblichen Gesundheit und altersgerechten Arbeit einen weiteren Erfolg verbuchen. Hier ging es in erster Linie um die konkrete Weiterentwicklung von psychosozialer Verhältnisprävention in den Unternehmen.

Zum 1.1.2012 übernimmt der Helios-Konzern nach dem Kauf des größten Aktienpaketes die Damp Holding AG. Ziel ist die vollständige Eingliederung. Es werden 5.000 Verträge gekündigt, auch alle Tarifverträge. Es kommt im Frühjahr zunächst zu Warnstreiks und ab Juni zu unbefristeten Streiks konzernweit. Schließlich ist Helios bereit, über Tarifverträge zu verhandeln und 1.000 Kündigungen von Service-MitarbeiterInnen zurückzunehmen. Die Streiks wurden zu teuer. Dennoch bleibt vom alten Damper Konzerntarifvertrag nicht viel übrig. Die Akutkliniken werden in den Helios-Konzerntarif übergeleitet, der (noch) keine Entgeltordnung hat und eine Klinik wird in den TVöD zurückgeführt. Die Überleitung der PsychotherapeutInnen erfolgt mit Besitzstandswahrung, aber zukünftig nur hälftiger Entgelterhöhung. Zu diesem Zeitpunkt heißt das 1,75 % statt 3,5 %. ÄrztInnen sollen nach Wunsch von Helios nur noch nach dem Ärztetarif des Marburger Bundes vergütet werden. Für die ver.di-ÄrztInnen wird noch verhandelt.

Für den Bereich der Reha-Kliniken gilt noch die Entgeltordnung von 1999 und 2006, d. h. die PsychotherapeutInnen behalten ihre Entgeltgruppen, werden aber auch durch die TVöD-Entgeltgruppen 14 und 15 „gedeckelt“. Das ist z. Zt. sicherlich besser als die Situation im TVöD und TVL, die beide keine vernünftigen Lösungen für unsere Berufsgruppen vorsehen, die Gleichstellung mit den FachärztInnen ist jedoch nicht mehr gegeben. Dieser Damper „Rumpf“-TV soll nach dem Willen der ver.di-Reha-Tarifkommission weiterentwickelt werden. Helios befürchtet jedoch die „Infizierung“ der Belegschaften in den weiteren, zumeist nicht tarifgebundenen, Reha-Kliniken im Konzern.

Der Helios-Konzern besitzt inzwischen 100 % der Damper Aktien und somit werden die Damper Kliniken vollständig in Helios aufgehen.

Dipl.-Psych. Klaus Thomsen
Psychologischer Psychotherapeut, Flensburg
Kontakt: praxis.klaus.thomsen@versanet.de

Autorenhinweis
DGVT-Mitglied Klaus Thomsen ist Vorstandsmitglied der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein.


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