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Bewegung erkennbar, Richtung unklar

Zögerliche Veränderungsprozesse in punkto Vergütung der PT – Kommentar von DGVT-PiAs


Mit großem Interesse und Aufmerksamkeit verfolgen wir Psychotherapeut(inn)en in Ausbildung (PiA) und die Fachgruppe PiA-AG die Debatte um die Vergütung der Praktischen Tätigkeit (PT) von PiA in Kliniken. Die Anstrengungen der letzten Jahre, die von verschiedenen Seiten erbracht wurden, setzten Diskussionen in Gang, die nun – zunächst in Hamburg und Hamm – auf juristischem Wege und aus Einzellfallperspektive geklärt werden wollen. Auch wenn bislang noch keine endgültige Entscheidung diesbezüglich getroffen wurde, sind wir als PiA optimistisch, dass sich die derzeit prekäre Lage von Psychotherapeut(inn)en in Ausbildung verbessert. Dafür setzen wir uns seit Jahren gemeinsam mit Vertreter(inne)n anderer Verbände und mit Unterstützung durch DGVT-Vorstand und -Bundesgeschäftsstelle ein.

Erste Urteile liegen vor und weisen auf die mittlerweile offensichtlich gewordenen Mängel der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychotherapeut(inn)en (PsychTh-AprV) hin, die die Mehrheit der PiA in prekäre finanzielle Umstände zwingen. Die darin vorgenommene Einstufung der Psychotherapie-Ausbildung als Ausbildung, und nicht – analog zur Facharztausbildung – als Weiterbildung, erlaubte es Kliniken bisher, genau diesen Graubereich zwischen Ausbildungsrecht und Arbeitsrecht zu nutzen, den beide Rechtssprechungen (in einem ersten Schritt) geklärt haben. Es wäre jedoch fatal, Klinikstellen für Therapeut(inn)en in Aus-/Weiterbildung zu streichen und diese folglich an der Erlangung ihrer Approbation zu hindern, denn beide Urteile machen öffentlich, dass unser Gesundheitssystem qualifizierte und auch „teilqualifizierte“ psychotherapeutische Interventionen benötigt, die bisher PiA übernehmen – ohne fachgerechte Entlohnung. Wir plädieren daher für eine „vollwertige“, d.h. rechtliche wie berufspolitische Anerkennung der fachspezifischen Weiterbildung in gleicher Weise für PP und KJP wie für Ärzte, damit eine adäquate tarifliche Einordnung, aber auch eine eindeutige gesundheitspolitische Anerkennung von Psychotherapie und allen dazugehörigen Qualifikationsschritten vorgenommen werden kann.

Zudem wird deutlich, dass Kliniken eine adäquate Aus- bzw. Weiterbildungsinfrastruktur – als Alternative zur fachgerechten Vergütung – aktuell nicht bereitstellen können. Kurz gesagt: Die PsychTh-AprV kann derzeit im deutschen Gesundheitswesen nur Nischen nutzen und bekommt den angemessen Raum einer komplexen Weiterbildung nicht.

Als PiA möchten wir darauf hinweisen, dass sich für unsere Generation therapeutisch tätiger Psycholog(inn)en und Pädagog(inn)en dadurch extrem ungünstige Schaffensbedingungen ergeben: eine Ausbildung in gesetzlichen Grauzonen auf dem Prüfstand (s. Direktausbildungsdiskussion), zusätzlich zu den sich zur Zeit jährlich ändernden Gesetzesvorgaben zum Niederlassungsrecht und im Angestelltenbereich immer noch nicht allgemein anerkannte Entlohnungsbestimmungen.

Beide Gerichtsurteile weisen auf diese Verhältnisse hin. Ob eine Revision erfolgt und welche Begründungen vorgelegt werden bleibt offen. Erst danach wird sich zeigen, wann und in welcher Weise ein Urteil rechtskräftig ist. A priori bleibt für uns offen, welche Konsequenzen – und hier meinen wir sowohl Chancen als auch Risiken – entsprechende Urteile für Kliniken, Ausbildungsinstitute, PT-Verträge, PT-Zeugnisse und vor allem für uns als PiA mit sich bringen. Doch ganz gleich, wie das Ergebnis aussehen wird, es handelt sich um Präzedenzfälle, die zukünftig Auskunft darüber geben werden, inwieweit die eigenverantwortliche, qualitativ hochwertige und letztendlich das Gesundheitssystem stützende Arbeit der Psychotherapeut(inn)en in Ausbildung in Kliniken (auch monetär) wertgeschätzt werden sollte.

Eindeutiger wäre hingehen eine Klärung und Aufwertung der Rolle von PiA (und dies geht über die tarifliche Einordnung hinaus) in der PsychTh-APrV oder gar im PsychThG, ohne dass – bei sachgerechter Bezahlung von PiA-Stellen – die Anzahl selbiger Stellen in Kliniken reduziert wird. Dies ist ein Dilemma und ein weiteres Problem im Reformprozess, dessen Dringlichkeit gesundheitspolitisch immer deutlicher wird.

Wir rufen Verbände und Regierungsgremien, Übergangsapprobierte und Neuapprobierte, Ärzte, Pädagogen und Psychologen dazu auf, die Menschen und Mechanismen hinter Gesetzen, Verordnungen und Belegungszahlen ernst zu nehmen, so wie es von uns in unserer täglichen Arbeit mit Patienten erwartet wird.

Für alle PiA der DGVT, die die Diskussionen mitverfolgen und/oder mitdiskutieren wollen, steht auf der Homepage der PiA-AG (www.piaag.de) eine entsprechende Sparte zur Verfügung.

Daniel Bergmann und Kristin Pfeifer
Die AutorInnen sind SprecherInnen der DGVT-Fachgruppe PiA-AG.


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