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Psychisch Kranke und Krebs: Patienten zweiter Klasse?

Australische Studie weist Ärzten weniger gewissenhafte Behandlung nach


Psychisch Kranke, die Krebs haben, werden offenbar weniger sorgfältig behandelt als psychisch gesunde PatientInnen. Diesen Befund legt eine australische Studie nahe. „Psychiatrische Patienten haben mit größerer Wahrscheinlichkeit bereits Metastasen, wenn der Krebs diagnostiziert wird, und sie haben schlechtere Chancen, eine spezialisierte Behandlung zu erhalten“, schreiben die Wissenschaftler.

Die Mediziner haben Daten der Allgemeinbevölkerung Westaustraliens verglichen mit Daten von Personen, die zwischen 1988 und 2007 eine psychiatrische Diagnose erhalten haben. Die Sterberate von psychisch kranken Krebspatienten war um 20 Prozent erhöht im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Ein Grund könnte sein, dass ihre Erkrankung bei der Diagnose weiter fortgeschritten war: 7 % hatten bereits Metastasen, bei psychisch Gesunden waren es nur 6 %.

Auch nach der Diagnose gab es deutliche Unterschiede in der Versorgung: Psychisch Kranke wurden mit einer um 19 % geringeren Wahrscheinlichkeit operiert, insbesondere bei Darm-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs. Die Patienten erhielten weniger Chemotherapie, und bei Darm- und Brustkrebs wurde auch seltener bestrahlt.

Warum die Ärzteschaft einen Unterschied macht zwischen Patienten mit einer psychischen Erkrankung und „normalen“ Patienten, erklärt die australische Studie nicht. Denkbar ist, dass psychisch Kranke – bewusst oder unbewusst – als „Patienten zweiter Klasse“ angesehen und entsprechend behandelt werden. Denkbar ist aber auch, dass man bei psychisch Kranken zögert, ob man ihnen die extrem belastenden Krebsbehandlungen zumuten kann.

Angela Baer

Quelle: www.springermedizin.de


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