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Depression passt nicht ins männliche Selbstbild

Männergesundheitsbericht vorgestellt: Psychische Störungen häufig verkannt


(ab). Psychische Störungen bei Männern werden unterschätzt, unterdiagnostiziert und unterbehandelt. Das ist das Fazit des Männergesundheitsberichts 2013, den Prof. Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, kürzlich vorstellte.

Als Gründe nennt die Expertin mangelnde Hilfesuche, Männlichkeitsideologien, Angst vor Stigmatisierung sowie Fehldiagnosen in Richtung somatischer Erkrankungen. „Die Unterversorgung liegt zum einen daran, dass die Symptomatik seelischer Erkrankungen geschlechtsspezifisch unterschiedlich ist“, sagt Möller-Leimkühler. Die männliche Depression äußere sich beispielsweise häufig in einem erhöhten Risiko- oder Suchtverhalten sowie erhöhter Aggression und Gewaltbereitschaft. Diese „männlichen Symptome“ verdeckten oft Merkmale wie Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen und Handlungsunfähigkeit und erschwerten dem Hausarzt die Diagnose. Es stehe bislang noch kein gutes handhabbares diagnostisches Hilfsmittel zum Erkennen der Depression bei Männern zur Verfügung, heißt es im Bericht.

Außerdem passen psychische Erkrankungen nicht in das männliche Selbstbild und werden von den Betroffenen häufig vehement negiert. Auch für das soziale Umfeld ist es fast nicht vorstellbar, dass ein Mann hilfebedürftig sein könnte. Der gesellschaftliche Geschlechterdiskurs sei von der Vorstellung des allseits handlungsmächtigen Mannes bestimmt. Der Bericht mache dagegen deutlich, dass Männer durchaus seelische Krisen und Notlagen erleiden. Bei der Frage nach der Männergesundheit müssen es zunächst darum gehen, männliche Stärke neu zu definieren, sagte Mitautor Dr. Matthias Stiehler: „Ein Mann ist stark, wenn er auch seine Schwäche, seine Begrenzungen und seine Niederlagen in das eigene Selbstverständnis integrieren kann.“

Neun Prozent der Männer – 3,6 Millionen in Deutschland – haben eine festgestellte Depression, ein signifikant geringerer Anteil als in der weiblichen Bevölkerung. Dass die Dunkelziffer wohl um ein Vielfaches höher liegen muss, sei an der rasanten Entwicklung der Suizidrate erkennbar, die bei Männern zwischen 2009 und 2011 um neun Prozent gestiegen ist. Dreimal mehr Männer als Frauen wählen den Freitod, 100.000 Männer versuchen jährlich, sich das Leben zu nehmen.

Der „Männergesundheitsbericht 2013 – Im Fokus: Psychische Gesundheit“ wurde herausgegeben von der Stiftung Männergesundheit. Weitere Informationen unter www.stiftung-maennergesundheit.de.

Quelle: Gerechte Gesundheit, April 2013


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