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Elmar Brähler wechselt in den Unruhestand


Prof. Dr. hum. biol. Elmar Brähler, geb. 1946, wurde mit dem Ablauf des Wintersemesters 2012/ 2013 im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzt und gibt damit auch die Leitung der Selbstständigen Abteilung für Medizinische Soziologie und Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Leipzig auf. Elmar Brähler hat eine bemerkenswerte wissenschaftliche Karriere hinter sich und für die psychosozialen Fächer in der Medizin unendlich viel getan.

Er studierte in Fulda zunächst Mathematik und Physik in Gießen studiert und erlangte den Abschluss als Diplommathematiker. Über seine Kooperation mit dem Zentrum für Psychosomatische Medizin in Gießen kam er in die Medizin, promovierte 1976 an der Universität Ulm bei Prof. Dr. Helmut Thomä zum Dr. rer. biol. hum. und habilitierte im Fach Medizinische Psychologie in Gießen. 1985 wurde er in Gießen zum Honorarprofessor ernannt und war von 1969 bis 1994 am Zentrum für Psychosomatische Medizin in der Medizinischen Psychologie in multiplen Funktionen tätig.

In dieser Zeit hat Elmar Brähler gemeinsam mit Dieter Beckmann und Horst-Eberhard Richter den Gießen-Test und mit Jörn Scheer den Gießener Beschwerdebogen (weiter-)entwickelt und sich zum damaligen Zeitpunkt schon intensiv mit vielfältigen Themen der Medizinischen Psychologie und der Psychotherapie beschäftigt. Das von ihm herausgegebene Buch „Körpererleben“ gehört nach wie vor zu den Standards in unserem Feld.

Zwischen 1991 und 1994 wurde Elmar Brähler auf der Basis des Hochschulsonderprogramms der Universität Leipzig als Gastprofessor bestellt, was nicht zuletzt durch seine schon lange in die Vorwendezeit zurückreichenden Kontakte zu Ostdeutschland und osteuropäischen Ländern nahe lag.

Seit 1994 bis 2013 war Elmar Brähler Leiter der o.g. Abteilung an der Universität Leipzig. Er war mehrfach Prodekan und gehört seit einigen Jahren dem Hochschulrat der Universität Leipzig an. Elmar Brähler war Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie, im Fachkollegium  der DFG und ist Mitglied des Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten. Zahllose weitere Funktionen könnten genannt werden. In seinen Jahren in Leipzig hat er sich sehr mit Bibliometrie befasst und im Kontext der AWMF viel dafür getan, dass Psychosoziale Fächer zumindest einigermaßen gerechte Bewertungen ihrer Publikationsleistungen (und anderer universitärer Leistungen) erfahren. Die Psychodiagnostik war immer schon eines seiner Hauptfelder, was ihn dazu veranlasste, in seiner Leipziger Zeit regelmäßig Repräsentativerhebungen durchzuführen, in deren Kontext zahllose diagnostische Verfahren normiert, validiert und weiter entwickelt wurden.

Ich hatte und habe die Freude, mit Elmar Brähler eine ganze Reihe von Büchern und Buchreichen gemeinsam herauszugeben, darunter ein Lehrbuch der Medizinischen Psychologie und der Medizinischen Soziologie, eine Lehrbuchreihe für die Querschnittsfächer der Medizin und eine Reihe über klinische diagnostische Verfahren.

Nicht nur die wissenschaftlichen Publikationsleistungen von Elmar Brähler sind außergewöhnlich, auch seine Medienpräsenz. Zu dieser hat nicht zuletzt beigetragen, dass sich Elmar Brähler immer schon – wie könnte es bei einem Schüler Horst Eberhard Richters auch anders sein – mit gesellschaftsrelevanten Themen beschäftigt und sich zu aktuellen politischen Ereignissen geäußert hat. Insbesondere in den letzten Jahren hat Elmar Brähler mit seinen Mitarbeitern mehrere hochinteressante Untersuchungen zur Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts in der Bundesrepublik Deutschland vorgelegt, die auch in der Politik höchste Beachtung fanden. Besonders stolz ist Elmar Brähler auf seine Mitgliedschaft im Willy-Brandt-Kreis, einer Organisation sehr engagierter und politisch aktiver Wissenschaftler und Personen der Öffentlichkeit, wie z.B. Egon Bahr, die sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen intensiv befasst.

Eine wahre Würdigung seiner Verdienste würde bei weitem mehr Platz beanspruchen, man denke nur an seine Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Büchern, seine höchst erfolgreiche Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses sowohl im Bereich der Psychologie, der Medizinischen Psychologie wie auch der Medizinischen Soziologie, seine herausgeberischen Tätigkeiten etc.

Die psychosozialen Fächer haben Elmar Brähler wirklich sehr viel zu verdanken und können sich darüber freuen, dass er trotz seines Ausscheidens aus dem Amt des Universitätsprofessors und Abteilungsleiters dem Feld mit Sicherheit noch lange erhalten bleibt und seine Weisheit seinen Fachkollegen und dem wissenschaftlichen Nachwuchs weiter zur Verfügung stellen wird. Elmar Brähler kann sehr gut genießen, ist kreativ, reist gern. Als einen Sudoku-spielenden Rentner kann man ihn sich keinesfalls vorstellen. Möge seine Unruhe noch lange anhalten.

Bernhard Strauß

Prof. Dr. phil. Bernhard Strauß ist Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena.


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