< vorheriger Artikel

DPT diskutiert über Forderungen an die Politik

Im Vorfeld der Bundestagswahl überlegte der deutsche Psychotherapeutentag, mit welchen Themen er sich öffentlich positionieren will: Verbesserung der Versorgung, Reform der Psychotherapieausbildung und Weiterentwicklung des Berufsbilds waren dabei wichtige Stichworte.


Am Tag vor dem 22. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) am 20.4.2013 fand die Jubiläumsfeier anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) statt. Im Restaurant Käfer im Reichstag fanden sich viele Delegierte sowie Ehemalige ein, um gemeinsam mit Ehrengästen und Politikern dieses Jubiläum würdig zu begehen. Gesundheitsminister Bahr lobte in seiner Rede – wohl ernstgemeint – die hoch geschätzte Fachlichkeit in der Arbeit der BPtK und berichtete, dass er fest davon ausgehe, dass es in der nächsten Legislaturperiode eine Reform des Psychotherapeutengesetzes und der Psycho-therapieausbildung geben werde. Ob er versprechen wollte, dass seine Partei dafür eine Gewähr geben würde und ob man seine Ernsthaftigkeit an der Zuverlässigkeit der Leistungen seiner Partei in der laufenden Legislaturperiode ablesen sollte, blieb unklar.

Der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) begann dann zunächst mit Routineaufgaben. Bereits der Vorstandsbericht bot Gelegenheit, in der Diskussion auf die gesundheitspolitischen Forderungen der Kammern an die Parteien zu verweisen. Die Diskussion dazu wurde später fortgesetzt.

Zunächst gab es einen interessanten Bericht von Prof. Hans-Ulrich Wittchen über die DEGS-Studie, den aktuellen Gesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts, deren Erhebungen kürzlich abgeschlossen worden sind. Sehr interessante Zahlen, die vermutlich noch anderen Orts ausführlicher dargestellt werden und insgesamt die hohe, unbehandelte Prävalenz psychischer Erkrankungen bestätigen.

Im Anschluss an den Vortrag wurde Wittchen noch zu einer Bewertung der Studienergebnisse vor dem Hintergrund der Versorgungslage gebeten und er konstatierte, dass die Kluft zwischen nachgewiesenem Behandlungsbedarf und Behandlungsangeboten in keinem an-deren Diagnosebereich so groß ist wie im Bereich psychischer Erkrankungen. Es bedürfe vermutlich einer um das 4,2-fache höheren Kapazität, um eine den anderen Versorgungsbereichen adäquate Versorgungssituation zu erreichen. Dies müsse der Politik klar gemacht werden, forderte Wittchen. Er betonte mehrfach den Bedarf an einer systematischen Forschungsper-spektive, um Ansätze insbesondere für die Behandlung von Kindern zu entwickeln.

Ein ausführliches Referat gab es anschließend von Dr. Nolting vom IGES-Institut für Gesundheitsforschung, welches die Angestelltenbefragung der Kammern durchgeführt hatte. Der Rücklauf der Daten sei zwischen den Landeskammern zwar relativ unterschiedlich, aber die Zahlen seien insgesamt zufriedenstellend, so dass er eine Auswertung für gerechtfertigt halte. (Näheres siehe separater Bericht in dieser Rosa Beilage – Angestelltenrubrik). Der ausführliche Bericht an die BPtK sowie die landesspezifischen Auswertungen werden gegen Mitte des Jahres erwartet.

Danach ging es dann zum offiziellen Höhepunkt des Tages: Die Diskussion zu den gesundheitspolitischen Forderungen an die Parteien im Bundestagswahlkampf. Während die Vorlage des Bundeskammervorstands vorsah, dass im Mittelpunkt des Papiers Forderungen nach einer Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung, mit Details angereichert, stehen sollten, hielten insbesondere die Vertreter von Niedergelassenen-Verbänden dies für ein falsches Signal. Sie beantragten die Forderungen nach einer Verbesserung der Situation der Niedergelassenen (Honorarreform) in den Mittelpunkt zu stellen. Die Diskussion war lang und heftig. Es ging nicht nur darum, ob man ein besseres Honorar fordern solle oder nicht, da waren sich sicher alle einig. Wichtiger war die Frage, ob man das Risiko eingehen sollte, sich gegenüber den Politikern als Berufsgruppe zu outen, die insbesondere an eigene Vorteile denkt und der die Versorgung vergleichsweise egal ist. Auch die Forderung, dass sich der Gesetzgeber beispielsweise  in die Bedarfsplanung einmischen solle, wurde kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite wurde angeregt, dieses Thema doch der gemeinsamen Selbst-verwaltung im G-BA zu überlassen. Dem wurde erwidert, dass der G-BA schon seit geraumer Zeit eine bedarfsorientierte Bedarfsplanung hätte machen können.

Im Ergebnis wurde zwar der Gegenantrag (zum Vorstandsantrag) angenommen, er war aber zuvor so verändert worden, dass er sich inhaltlich nicht wirklich von dem Ursprungsantrag unterschied (Näheres siehe Homepage der BPtK).

Einmal mehr stand im „gefühlten“ Mittelpunkt des Deutschen Psychotherapeutentags die Reform der Psychotherapeutenausbildung. Wenngleich keine inhaltliche Diskussion geführt wurde, so zeichneten sich im Rahmen der Abstimmung der verschiedenen eingebrachten Anträge die grundsätzlich unterschiedlichen Haltungen hinsichtlich des Themas Direktausbildung ab.

Dem DPT lagen ein Hauptantrag vor, der die Besonderheit aufwies, dass es sich um einen gemeinsamen Antrag der Landeskammer-PräsidentInnen und des BPtK-Vorstands handelte, sowie zwei Änderungsanträge hierzu (DGVT-Antrag und Antrag AGP-Verbände).

BPtK-Präsident Richter begründete den Antrag des Vorstands damit, dass man "sprachfähig sein müsse bei der Politik, sich als Vorstand Gedanken zu machen, was für und was gegen eine Direktausbildung spricht". Möglicherweise werden auch andere Modelle zu diskutieren sein, sagte er. Hier werde zudem noch externe Expertise einzuholen sein. Es gehe jetzt beim 22. DPT nicht um eine Richtungsentscheidung.

Richter: "Wir haben einen Beschluss, deshalb steht auch im BPtK-Antrag: "…auf der Basis der bisherigen Beschlüsse des DPT soll ein Kompetenzprofil entwickelt werden …". Ziel des Antrags sei es nach Aussage Richters, „dem BPtK-Vorstand die Befugnis zu geben zu diskutieren, nachdem die Szene sich weiterentwickelt hat und einige Vorschläge in der Welt sind."

Eine differenzierte Ausarbeitung zum Berufsbild des Psychotherapeuten bzw. der Psycho-therapeutin lag zum DPT nicht als Beschlussvorlage vor und wurde deshalb auch nicht weiter diskutiert. Richter wies darauf hin, dass man sich mit der konkreten Formulierung eines Berufsbilds noch ausführlicher beschäftigen müsse. Das Papier solle nun zunächst in den Landeskammern und Fachverbänden diskutiert werden.

Richter begründete die Notwendigkeit ein Berufsbild zu formulieren, damit, dass man definieren müsse, wohin eine Ausbildung denn führen soll. Aktuell gebe es kein konsentiertes Berufsbild. "Natürlich gibt es ein implizites Berufsbild, dieses ist vom Psychotherapeutengesetz bestimmt, das seinerseits die historischen Begebenheiten aufgenommen hat und stark geprägt ist durch die Psychotherapie-Richtlinie. Wenn wir eine Reform diskutieren, postgradual oder auch Direktausbildung, müssen wir definieren, wohin die Reise gehen soll. Wie stellen wir uns das Berufsbild in 20 Jahren vor?", so Richter.

Die Abstimmung verlief im Ergebnis dann wie folgt: Der Änderungsantrag von AGP-Verbändevertretern (Thielen, Schweitzer-Köhn u.a.; AGP = Arbeitsgemeinschaft Psychotherapie: BDP sowie humanistische Verbände) wurde als weitester Antrag als erster zur Ab-stimmung gestellt und abgelehnt. Der DGVT-Änderungsantrag (Höffler, Belz …) wurde eben-falls abgelehnt. Der Hauptantrag von BPtK-Vorstand/Landes-kammer-PräsidentInnen wurde dann mit einer geringfügigen Modifikation mit deutlicher Mehrheit angenommen.

Zu erwähnen  ist noch ein Antrag von Mitgliedern der DGVT-Fraktion sowie einiger Vertreter anderer Verbände zum Thema Praxiswertermittlung. Der Antrag wurde damit begründet, dass das Thema Praxiswertermittlung im aktuellen Bericht des Vorstands keine Erwähnung gefunden habe. Susanne Ehrhorn (DGVT) betonte in der Begründung des Antrags, dass das Thema zwar kontrovers sei, aber alle angehe und es auch nicht nur die Frage der Praxiswertermittlungs-Modelle betreffe, sondern auch übergeordnete Fragen: Generationenverständigung sowie die Entwicklung einer gemeinsamen Haltung als Berufsstand. BPtK-Präsident Rainer Richter antwortete als Vorstand direkt und sagte einen Bericht der AG Praxiswert des BPtK-Vorstands im Plenum des nächsten DPTs zu: „Der Vorstand schließt sich dem Antrag voll umfänglich an und wird beim nächsten DPT berichten und das Thema als TOP aufnehmen.“

Kerstin Burgdorf, Heiner Vogel


Zurück