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Psychotherapie-Richtlinie geändert: VT endlich auch als alleinige Gruppenbehandlung möglich

Bislang war eine Verhaltenstherapie als Gruppenpsychotherapie nur in Verbindung mit Einzeltherapie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung möglich. Jetzt kann Verhaltenstherapie auch als alleinige Gruppentherapie erbracht werden.


Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Psychotherapie-Richtlinie in Bezug auf Gruppenpsychotherapie geändert. Zwei wichtige Änderungen ergeben sich aus dem aktuellen Beschluss vom 18. April 2013:

Eine Verhaltenstherapie kann zukünftig auch als alleinige Gruppentherapie erbracht werden. Bislang ist eine Verhaltenstherapie als Gruppenpsychotherapie nur in Verbindung mit Einzeltherapie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung möglich gewesen.

In der Verhaltenstherapie sind damit zukünftig drei Varianten möglich: eine ausschließliche Einzeltherapie, eine ausschließliche Gruppenpsychotherapie sowie Einzel- und Gruppenpsychotherapie kombiniert.

Der G-BA ist damit einer Empfehlung des Berufsverbands der approbierten Gruppenpsycho-therapeuten (BAG) aus dem Jahr 2012 gefolgt, die auch vom DGVT-BV und  anderen Verbänden im GK II unterstützt wurde. U.a. wurde argumentiert, dass die alleinige Erbringung der VT als Gruppentherapie dem aktuellen Stand entspreche und dass  „Einzelgespräche, die im Rahmen von interaktionellen VT-Gruppen auftreten können, möglicherweise störende Wirkungen“ hätten.

Verringerung der Mindestteilnehmerzahl tiefenpsychologisch/analytische Gruppen von Kindern und Jugendlichen

Eine weitere Änderung betrifft die tiefenpsychologisch fundierte und analytische Gruppen-psychotherapie von Kindern und Jugendlichen. Hier hat der G-BA eine Verringerung der Mindestteilnehmerzahl von sechs auf drei Kinder/Jugendliche pro Gruppe beschlossen. In der Verhaltenstherapie lag die Mindestzahl gem. Psychotherapie-Richtlinie (§ 18 Nr. 5) schon bisher bei zwei Teilnehmern.

Der G-BA argumentiert hier mit den altersspezifischen Entwicklungsbedingungen und den besonderen Anforderungen bei bestimmten Erkrankungen (z.B. ADHS oder Autismus). In den Stellungnahmen, die der G-BA bei den beteiligten Institutionen (BPtK, BÄK) eingeholt hatte, wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass gerade bei der Behandlung sozial zurückgezogener Kinder kleinere Gruppen wichtig seien. Auch sei es in den ländlichen Regionen zum Teil nur schwer möglich, größere Gruppen zusammenzustellen.

In der mündlichen Stellungnahme hatte der Vertreter der BPtK folgende Anmerkung zur Frage der wissenschaftlichen Begründbarkeit der Entscheidung des G-BA in Bezug auf die Gruppengröße gemacht, die hier zitiert werden soll: „Generell muss man feststellen, die Frage, was die angemessene Mindestgröße für die Gruppenpsychotherapie ist, lässt sich nicht aufgrund empirischer Evidenz beantworten. Es gibt dazu keine brauchbaren Studien, die zeigen würden, mit zwei Gruppenteilnehmern funktioniert es nicht, da kommen die Wirkfaktoren der dynamischen Psychotherapie nicht zum Tragen, aber mit dreien ist es hinreichend effizient. Solche Studien werden wir nicht finden können. Insofern ist es eher eine Überlegung auf der Ebene von Behandlungstheorien und der einzelnen Modelle der Gruppenpsychotherapie von Kindern und Jugendlichen. (…)“

Nach der derzeitigen Regelung ist eine Kombination aus Einzel- und Gruppenpsychotherapie für die psychoanalytisch begründeten Verfahren unzulässig. Hieran hat der G-BA im aktuellen Beschluss keine Änderungen vorgenommen. Auf Antrag der Patientenvertreter, die im G-BA beteiligt sind, hat der G-BA beschlossen, diesen Ausschluss der Kombinationsbehandlung nun zu überprüfen.

Der G-BA-Beschluss vom 18.4.2013 tritt erst mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft.

Befreiung von der Gutachterpflicht sollte konsequent angepasst werden

Eine Anmerkung zur Gutachterpflicht: Konsequent wäre nach dem Beschluss des G-BA, wenn nun auch die Regelung in der Psychotherapie-Richtlinie zur Befreiung von der Gutachterpflicht für die Gruppentherapie angepasst werden würde. § 26a S.5 Psychotherapie-Richtlinie ist aktuell noch wie folgt formuliert: „Will die Therapeutin oder der Therapeut eine Befreiung vom Gutachterverfahren auch für die Gruppentherapie erhalten, müssen von den für das entsprechende Verfahren und den entsprechenden Bewilligungsschritt vorgelegten 35 Therapiegenehmigungen 15 für eine Gruppentherapie erteilt worden sein.“

Von der Berichtspflicht für die Gruppenpsychotherapie sind die PsychotherapeutInnen derzeit also leider noch nicht automatisch befreit, auch wenn sie für die Kurzzeittherapie befrei wären. Eine solche Regelung müsste im Rahmen einer weiteren Änderung der Psycho-therapie-Richtlinie zunächst noch umgesetzt werden.

Kerstin Burgdorf


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