< vorheriger Artikel

Kinder- und Jugendhilfe verstärkt im Fokus

Der 14. Kinder- und Jugendbericht (KJB) [1] hat dieses Mal keinen besonderen thematischen Schwerpunkt wie der vorige Bericht mit dem Thema „Gesundheit“, vielmehr soll er die heutige Situation von Kindern und Jugendlichen umfassend in den Blick nehmen.


Das Bundeskabinett hat am 30. Januar den von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder eingebrachten 14. Kinder- und Jugendbericht (KJB) zur Kenntnis genommen und die Stellungnahme der Bundesregierung dazu beschlossen. Der Bericht hat dieses Mal keinen besonderen thematischen Schwerpunkt wie der vorige Bericht mit dem Thema „Gesundheit“, vielmehr soll er die heutige Situation von Kindern und Jugendlichen umfassend in den Blick nehmen.

In dem Bericht werden die Lebenssituationen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland analysiert und Vorschläge zur Gestaltung der Kinder- und Jugendpolitik sowie zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe gemacht. Entsprechend der weiten Thematik war die Kommission sehr heterogen zusammengesetzt. Vertreten waren Rechtswissenschaft, Ökonomie, Sozial- und Erziehungswissenschaft, Soziale Arbeit und PraktikerInnen in der Kinder- und Jugendhilfe.

Unter dem Motto "Kinder- und Jugendhilfe in neuer Verantwortung" beschreibt die Kommission Eckpunkte, wie Eltern zunehmend durch öffentliche Angebote bei der Förderung, Bildung, Erziehung und Betreuung ihrer Kinder unterstützt werden. Mit dem Ausbau der öffentlichen Kindertagesbetreuung in den vergangenen Jahren, insbesondere im Bereich der Bildung und der Betreuung von Kindern unter drei Jahren, gibt es in Deutschland immer mehr außerfamiliäre Förder- und Betreuungsangebote für Kinder.

Diese Angebote können, vor allem, wenn gute pädagogische Arbeit geleistet wird, zum Abbau sozialer Ungleichheiten beitragen. Hierzu gibt es auch Studien aus dem internationalen Raum, wie z. B. die Studie von Barnett 2011[2]. Die positive Wirkung dieser Angebote hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Neben der bereits erwähnten pädagogischen Qualität spielen hier auch das Eintrittsalter des Kindes und der tägliche Betreuungsumfang eine Rolle. Verschiedene empirische Studien belegen außerdem, dass Kinder, deren Eltern weniger gebildet sind, über ein niedriges Einkommen verfügen oder einen Migrationshintergrund haben, in Betreuungseinrichtungen unterrepräsentiert sind. Die Nutzung öffentlich verantworteter Kindertagesbetreuung hängt insbesondere auch – wie eine Studie über verschiedene Länder zeigt – damit zusammen, inwieweit die Länder flächendeckende Angebote für alle Kinder bereitstellen und wie hoch die Kosten hierfür sind.

Im gesamten europäischen Ausland ist das Betreuungsangebot für Kinder im Kindergartenalter deutlich besser als für jüngere Kinder. In Ländern wie den Niederlanden, Österreich, Finnland und Frankreich steht jedoch auch bei dieser Altersgruppe der Erwerbsstatus der Mutter mit der Nutzungswahrscheinlichkeit der Kindertagesbetreuung in Zusammenhang. Erstaunlich ist, dass ein niedriges oder mittleres Bildungsniveau in vielen europäischen Ländern mit einer geringeren Nutzungswahrscheinlichkeit der Betreuung im Kindergartenalter verbunden ist, mit Ausnahme der Länder Dänemark, Schweden und Belgien.

Der 14. Kinder- und Jugendbericht enthält auch neu einen eigenständigen Teil über „Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe im Wandel“. Es werden die Struktur in der Kinder- und Jugendhilfe bereichsübergreifend und zwar in den vier Strukturdimensionen Recht, Finanzen, Personal und Organisation analysiert, bevor die Leistungen und andere Aufgaben im Einzelnen dargestellt werden. Da die Kinder- und Jugendhilfe ein stark expandierendes Feld ist, das aufs Engste auch mit dem Kinder- und Jugendhilferecht nach dem SGB VIII verbunden ist, war es ein sinnvoller Schritt. In der Alltagspraxis sind Fachlichkeit von Kinder- und Jugendhilfe und das dazugehörige Recht in vielen Arbeitsfeldern miteinander verbunden bzw. sie bedingen und ergänzen sich in vielfältiger Art und Weise. Dem hat die Sachverständigenkommisson für den KJB Rechnung getragen, zum einen durch die Analyse bisheriger Entwicklungen (Teil C) als auch durch die Formulierung von Empfehlungen (Teil D). Das SGB VIII, das 1990/1991 in Kraft getreten ist, wurde seitdem durch 40 Änderungsgesetze verbessert bzw. ergänzt. Es begann in den 90er Jahren mit der Einführung des Kindergartenrechtsanspruchs, ging weiter über die Kindschaftsrechtsreform 1997/1998 (hier gab es eine Neuregelung des elterlichen Sorgerechts und ehelich und nicht-eheliche Kinder wurden gleichgestellt), bis hin zu den Reformgesetzen mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz, dem Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz, dem Kinderförderungsgesetz und dem Ausbau der Kindertagesbetreuung sowie 2012 dem Bundeskinderschutzgesetz.

Manche Vorschläge der Sachverständigenkommission zur Fortentwicklung der rechtlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe gehen mit aktuellen Überlegungen in Fachpraxis und Politik einher. Auch dort wird gefordert, in der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages die „große Lösung“ mit einer einheitlichen Zuständigkeit im SGB VIII für alle behinderten jungen Menschen zu realisieren. Bereits seit den 90er Jahren gibt es immer wieder die Forderung, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Weitere Vorschläge sind:

  • die Einrichtung von Beratungs- und Schlichtungsstellen (Ombudschaften)
  • Harmonisierung der wesentlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen für das Schulwesen

Weitere Informationen sowie den Bericht der Sachverständigen mit Stellungnahme der Bundesregierung auf www.bmfsfj.de

Waltraud Deubert


[1]Quelle: DJI-Impulse, Heft 1/2013

[2] Barnett, William Steven (2011): Effectiveness of early educational intervention. In: Science, 333, S. 975-978


Zurück