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23. DPT am 16.11.2013 in Kiel

Die Delegierten verabschiedeten mehrere Resolutionen: „Verbesserungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen – Aufgaben der Gesundheitspolitik für die 18. Legislaturperiode“, „Die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung sichern!“ und „Transparenz und gesicherte Qualität der Ausbildung“.


Nach Grußworten der schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerin Kristin Alheit und der Präsidentin der gastgebenden Kammer, Juliane Dürkop, folgte der Bericht des Vorstands der Bundespsychotherapeutenkammer. Prof. Rainer Richter wies zunächst auf aktuelle Survey-Daten hin, wonach nur maximal ein Viertel der psychisch kranken Menschen in Deutschland eine Behandlung bekommen. Dies seien weitere wichtige Daten zur Verbesserung der Bedarfsplanung. Immerhin seien in den laufenden Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD zum ersten Mal überhaupt die Psychotherapie und das Ziel einer besseren psychotherapeutischen Versorgung erwähnt.

Richter schilderte dann die Mitarbeit der Bundeskammer in den Unterausschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) sowie bei den Leitlinienentwicklungen zu einzelnen psychischen Störungen. Diese Aktivitäten seien sehr positiv, würden aber auch sehr viele Ressourcen binden, so dass über eine Priorisierung der weiteren Arbeit der Bundeskammer zu diskutieren sei.

Dietrich Munz, Vizepräsident der BPtK, berichtete über erste Ergebnisse der Angestellten-Befragung. Sehr gespannt darf man sein auf die Teilergebnisse zur Situation der PiAs. Der komplette Bericht soll Anfang 2014 vorliegen.

Danach wurde der Bericht des Vorstandes diskutiert, auch unter reger Beteiligung der PiA-VertreterInnen. Besonders kritisiert wurde, dass die AG Praxiswertermittlung nicht mehr einbezogen wurde bei den Aktivitäten des Vorstands zu diesem Thema – einem Thema, dass für viele junge KollegInnen, die eine Praxis übernehmen wollen, und ebenso auch für ältere KollegInnen, die eine Praxis abgeben, sehr bedeutsam ist. Da der Vorstand in seinem schriftlichen Bericht beiläufig erwähnt hatte, dass er die Einholung externer Gutachten zu der Thematik vorbereite, wurde von Susanne Ehrhorn (DGVT) u.a. ein diesbezüglicher Antrag eingebracht. Mit diesem Antrag sollte der Vorstand verpflichtet werden, die Frage, ob und mit welchem Auftrag eine externe Expertise erstellt werden soll, mit der AG Praxiswertermittlung, zu der auch PiA-VertreterInnen gehören, zu beraten, bevor ein solcher Auftrag erteilt wird. Das Ergebnis ist dann dem Deutschen Psychotherapeutentag vorzustellen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Von vielen wurden die Broschüren der BPtK gelobt (zur Kostenerstattung und für Eltern zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie). Angemahnt wurde, dass eine Verbesserung und Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Vorstand und den Berufsverbänden wichtig sei.

Nach der Mittagspause zeigten die PiA-VertreterInnen einen weiteren, wieder sehr gelungenen Kurzfilm zur Situation der PiAs und ihrer Flashmob-Aktion.

Es folgte der Bericht der Arbeitsgruppe des Länderrats und des Vorstandes zur Entwicklung des Berufsbilds und den daraus abgeleiteten Kompetenzen im Hinblick auf die Diskussion zur Ausbildungsreform.

Nach dem Bericht des Finanzausschusses wurde der Vorstand entlastet für den Haushalt 2012 und der Haushaltsplan 2014 wurde verabschiedet.

Im Rahmen der vorgesehenen Änderungen der Entschädigungs- und Reisekostenordnung wurden leider (angeblich) keine Möglichkeiten einer Kinderbetreuung während des DPT gefunden, wie es beim letzten DPT angeregt wurde, ("zu hoher logistischer Aufwand") und auch kein Alternativangebot gemacht. Hier sollte beim nächsten DPT nachgehakt werden.

Es folgte eine lebhafte Diskussion über verschiedene sinnvolle oder notwendige Änderungen der Musterberufsordnung, die sich aus dem zu Jahresbeginn verabschiedeten Patientenrechtegesetz ergeben, die dann auch überwiegend beschlossen wurden. Sehr kontrovers wurde es, als über die berufsrechtlichen Konsequenzen aus der Vorschrift des Patientenrechtegesetzes, dem/der Patienten/in auf Verlangen unverzüglich die Behandlungsakte in Kopie zur Verfügung zu stellen, beraten wurde. Neben den gesetzlich bereits vorgesehenen Einschränkungen dieser Offenlegungspflicht (falls schwerwiegende therapeutische Gründe oder Persönlichkeitsrechte Dritter dem entgegenstehen) sah ein Antrag vor, unter berufsrechtlichem Blickwinkel auch die Persönlichkeitsrechte des/der Psychotherapeuten/in als Verweigerungsgrund zu akzeptieren. Auch wenn klar ist, dass diese Persönlichkeitsrechte die zivilrechtliche Offenlegungspflicht nicht tangieren, war es doch für viele Delegierte wichtig, hier ein Zeichen zu setzen. Andere Delegierte dagegen fanden, dass manche Sorgen diesbezüglich leicht paranoid anmuteten und eine entsprechende Änderung der MBO keine gute Außenwirkung haben würde im Sinne eines (vermeintlichen) Versuchs der Aushöhlung des Patientenrechtegesetzes.

Nach längerer Diskussion wurde vereinbart, dass der Vorstand versucht, unter Einbeziehung der Antragsteller/innen zu diesem Punkt für den nächsten DPT eine konsensfähige Vorlage zu machen.

Anlässlich der laufenden Koalitionsverhandlungen wurden abschließend noch zwei Resolutionen verabschiedet. Die erste Resolution mit dem Titel „Verbesserungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen – Aufgaben der Gesundheitspolitik für die 18. Legislaturperiode“ bezieht sich auf die Versorgungsstruktur; die andere auf die notwendige Ausbildungsreform sowie die Verbesserung der beruflichen Situation der niedergelassenen und der angestellten KollegInnen: „Die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung sichern!“. Eine weitere verabschiedete Resolution „Transparenz und gesicherte Qualität der Ausbildung“ bezieht sich auf die Bemühungen des 4. PiA-Politik-Treffens um Qualitätskriterien für Ausbildungsinstitute. Die Resolution regt an, dass Gespräche zwischen den Ausbildungsinstituten und den PiA über die Entwicklung solcher Kriterien stattfinden.

Zum Schluss ein paar Anmerkungen aus meiner persönlichen Sicht als „Nachwuchs“-DPT-Delegierte: Für mich war es der vierte DPT. Das Durchschnittsalter der Delegierten dürfte zwischen 55 und 60 Jahren liegen, die Altersgruppe „U 40“ ist nur sehr sporadisch vertreten. Die meisten Delegierten sind Übergangsapprobierte, die die aktuelle Form der Psychotherapeutenausbildung nicht selber durchlaufen haben, weswegen die Probleme der PiAs für viele der Delegierten eher weit weg erscheinen. Umso wichtiger ist es, dass die PiA-Vertreter sich aktiv beteiligen (wie geschehen) und der Nachwuchs für den DPT aktiv gefördert wird. In den nächsten Jahren dürfte ein großer Generationenwechsel anstehen, der sorgfältig vorbereitet werden sollte.

Ich möchte an dieser Stelle auch junge Kolleginnen ermutigen, sich berufspolitisch vorzuwagen. Bei meiner ersten Teilnahme am DPT habe ich viel gestaunt (z.B. dass die wirklich wichtigen Dinge am Abend vorher verhandelt werden…) und noch wenig verstanden, aber die erfahrenen Kolleginnen der DGVT lassen einem Zeit, sind wunderbar geduldig und erklären gerne auch scheinbar banale Dinge (dafür danke!).

Die Diskussionen beim DPT verlaufen sehr zivilisiert, bei diesem DPT m.E. stellenweise sogar übertrieben artig (jeder Redner bedankte sich zunächst einmal ausführlich - bei wem auch immer) – zum Glück brachten die PiA-Vertreter frischen Wind. Ich empfinde es insgesamt als ein großes Privileg, soviel Einsicht in die berufspolitischen Aktivitäten auf Bundes- und Länderebene zu bekommen und daran partizipieren zu können.

Sabine Maur, Mainz
Kontakt : sml(at)fkjp(dot)de


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