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Aktuelle Honorarsituation für Psychotherapeuten


Neuer Orientierungswert seit 1.10.2013 –
Für Psychotherapeuten minimale Erhöhung im Cent-Bereich

Zum 1.10.2013 wurde der gesamte EBM "kostenneutral" (für die Psychotherapeuten im Ergebnis eine - unerwartete - minimale Erhöhung im Cent-Bereich) auf einen Orientierungswert von 10 ct umgerechnet (d.h. auf- oder abgerundet). Eine genehmigte Sitzung Einzeltherapie aus dem EBM-Kap. 35.2 hat ab sofort 819 Punkte, d.h. eine Sitzung wird ab 1.10.2013 mit 819 Punkten x 10 ct = 81,90 Euro vergütet. Es ergeben sich also neue Euro-Beträge bei der Honorarabrechnung, die von den Abrechnungsprogrammen bereits umgesetzt wurden.

Neue Grundversorgerpauschale (PFG) seit 1.10.2013

Ab dem 1.10.2013 gibt es zudem eine wichtige neue Abrechnungsziffer, die sog. Grundversorgerpauschale (Pauschale für die fachärztliche / psychotherapeutische Grundversorgung, Abkürzung: PFG). Auch die Psychotherapeuten gehören neu zu den „Grundversorgern“ und können die PFG abrechnen. Die PFG bringt zusätzlich zur Grundpauschale pro Quartal zusätzliche 15,90 € pro Fall.

Zu beachten sind jedoch viele sog. KO-Leistungen, die die Abrechnung der PFG für den jeweiligen Fall ausschließen. Dies sind u. a. alle genehmigten Psychotherapieleistungen des Kapitels 35.2, die übenden Verfahren und die Antragsziffern.

Die PFG ist aber kompatibel mit der Probatorik (35150), der biografischen Anamnese sowie mit Tests.

Mit der Einführung der PFG wird das Ziel verfolgt, die Versorgung der Patienten, für die eine Richtlinien-Psychotherapie nicht in Frage kommt, sowie die Versorgung von chronisch Kranken attraktiver zu gestalten.

Abrechnung der neuen Pauschale (PFG)

Die KV Bayern hat zur Frage, wie die neue Pauschale konkret in Ansatz zu bringen sei bei der Honorarabrechnung, Folgendes mitgeteilt: „Die GOP 23216 brauchen Sie nicht abzurechnen, die GOP wird von der KV zugesetzt“.

Festzuhalten ist, dass es derzeit keine einheitliche Vorgabe seitens der KBV gibt, wer die Ziffer 23216 ansetzt, d.h. ob der Niedergelassene die Ziffer aktiv abrechnet oder die regionale KV automatisch. Es ist davon auszugehen, dass es KVen geben wird, die diese Ziffer automatisch dazusetzen und andere, die dieses von den Leistungserbringern erwarten. Bis Ende des Jahres wird es klarer werden, welche KV wie mit der Ziffer 23216 umgehen wird. Wir raten, zunächst die Ziffer selbst anzusetzen.

Erhöhung des Orientierungspunktwerts um 1,3 % ab 1.1.2014

KBV und Krankenkassen haben nach schwierigen Verhandlungen im Oktober 2013 eine (leider nur minimale) Erhöhung der Honorare ab 1.1.2014 beschlossen. Diese Erhöhung ist sowohl von der kostenneutralen Umrechnung des Orientierungswerts als auch von der neuen PFG-Pauschale getrennt zu sehen.

Zum 1. Januar 2014 wird der Orientierungswert um 1,3 % erhöht. Von dieser Erhöhung profitieren alle Facharztgruppen gleichermaßen. Es bleibt also bei der systematischen Benachteiligung der Psychotherapeuten.

Für Psychotherapeuten mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 75.000 € bedeutet die Erhöhung des Orientierungspunktwerts um 1,3 % ein Plus von ca. 1.000 €. Die regional ausgehandelten Honorarsteigerungen betreffen die Psychotherapeuten nicht, da sich diese Verbesserungen nicht auf den Umsatz pro Psychotherapiesitzung beziehen. Hinzu kommen jedoch als weiterer kleiner Honorarzuwachs die zusätzlichen Einnahmen aufgrund der neuen fachärztlichen Grundpauschale.

Psychotherapeuten-Honorare - Forderungen des DGVT-Berufsverbands

Unser Verband hatte sich vor dem Hintergrund, dass bei vergleichbarer Arbeitszeit (!) das Einkommen von Psychotherapeuten weniger als die Hälfte des Einkommens von Ärzten beträgt (Daten des Statistische Bundesamts, Destatis, vom August 2013), im April dieses Jahres gemeinsam mit anderen Berufsverbänden an den Bewertungsausschuss gewandt.

Wir fordern weiterhin, eine Entscheidung über eine neue Systematik der Vergütung der psychotherapeutischen Leistungen herbeizuführen. Fehlsteuerungen innerhalb des Verteilungssystems sind zu korrigieren, indem gravierende interne Ungleichverteilungen abgemildert und wichtige Versorgungsbereiche und auch Beratungsleistungen angemessen vergütet werden.

Die neue Bundesregierung wird von uns daher aufgefordert werden, eine klare gesetzliche Regelung zu schaffen, die dem Bewertungsausschuss Vorgaben macht zur Höhe der Vergütung der Leistungen niedergelassener Psychotherapeuten. Es muss möglich werden, ein durchschnittliches fachärztliches Einkommen mit einer durchschnittlich ausgelasteten Praxis zu erzielen.

Es wird auch zukünftig wichtig und sinnvoll sein, dass sich die benachteiligten Gruppen innerhalb der Ärzte-/ Psychotherapeutenschaft zusammenschließen, um gemeinsam ihre Position zu verbessern. Der DGVT-Berufsverband will hier entsprechend initiativ werden.

Kerstin Burgdorf


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