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Missbrauchsbeauftragter mahnt politischen Handlungswillen an

Keine Entwarnung beim Thema „Sexueller Kindesmissbrauch“


„Politik darf bei dem unbequemen Thema Missbrauch nicht bequem werden.“ Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte schon vor Wochen bei einer Pressekonferenz angemahnt, dem Thema einen höheren politischen Stellenwert zuzumessen. In ihren Wahlprogrammen hatten die Parteien denn auch betont, wie wichtig sie die Bekämpfung des sexuellen Kindesmissbrauchs finden. Nun können die künftigen Koalitionspartner SPD und CDU/CSU zeigen, wie ernst es ihnen ist.

Die Bundespolitik dürfe keinen Schlussstrich unter das Thema Missbrauch ziehen, appellierte Rörig an die Politik. Im Gegenteil: Es müsse konsequenter und mit mehr Mitteln für den Schutz der Kinder vor sexuellen Übergriffen gesorgt werden. Verantwortliche aller politischen Ebenen müssten in die Pflicht genommen werden, den Betroffenen sexualisierter Gewalt wirksamer zu helfen und Missbrauch künftig besser zu verhindern.

Rörig forderte außerdem, Ursachen, Ausmaß und Folgen von Missbrauch endlich systematisch zu untersuchen, auszuwerten und zu veröffentlichen. Dies könne am besten durch eine unabhängige Kommission geschehen.

Die zweite bundesweite Befragung zu Schutzkonzepten in Einrichtungen und Institutionen, die u.a. in Kitas, Schulen, Sportvereinen, Kirchengemeinden und Kliniken durchgeführt wurde, mache laut Rörig deutlich, dass bei Prävention und Intervention weiterhin erheblicher Investitionsbedarf besteht. Auch wenn Einrichtungen und Institutionen vielerorts ihre Präventionsmaßnahmen verstärkt haben, zeigten die Ergebnisse, dass umfassende Schutzkonzepte noch selten zur Anwendung kommen.

Wissen und Fakten wurden reichlich zusammengetragen in den vergangenen Jahren, u.a. in den vier Hearings der Veranstaltungsreihe „Dialog Kindesmissbrauch“ unter der Regie des Unabhängigen Beauftragten. Die Themen lauteten:

•          Gesundheit von Betroffenen – Bessere Versorgung und Behandlung

•          Kinder und Jugendliche – Beratung fördern, Rechte stärken

•          Unabhängige Aufarbeitung – Verantwortung von Politik und Gesellschaft

•          Verlängerung der strafrechtlichen Verfolgbarkeit – Erwartungen und Risiken

Nun könnten Taten folgen.

Angela Baer


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