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Bericht der Landesgruppe Schleswig-Holstein (Rosa Beilage zur VPP 4/2013)


Weiterbildung
Klinische Neuropsychologie – Ein weiteres Kapitel

Es geht also doch. In der letzten Rosa Beilage (3/13; vom 12. August 2013) berichteten wir an dieser Stelle ausführlich vom Werdegang einer Weiterbildungsordnung Klinische Neuropsychologie der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein. Der Entwurf eines Weiterbildungscurriculums, das im Vergleich zur Musterweiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer einen deutlich reduzierten Umfang hatte, stand auf der Kammerversammlung im Juni 2013 zur Abstimmung - und fiel durch.

Wir berichteten von zufälligen Mehrheiten an diesem Sitzungstag, Verbände-Lobbyismus im Hintergrund und unverständlichem Abstimmungsverhalten von Mitgliedern der Kammerversammlung, die den expliziten Auftrag für ein reduziertes Curriculum mit erteilt, z.T. den Entwurf als Mitglieder des Fort- und Weiterbildungsausschusses mit erarbeitet hatten, ihm aber nicht zustimmten, als es galt. Am 1.11.2013 fand erneut eine Kammerversammlung statt, der (im Umfang unveränderte) Entwurf stand erneut auf der Tagesordnung und fand diesmal eine Mehrheit. Wichtig ist, dass die Mehrheit am 1.11.2013 nach einer ausführlichen und sehr sachlichen Diskussion zustande kam und nicht der zufälligen Besetzung an diesem Sitzungstag geschuldet war. Der Entwurf bekam die absolute Mehrheit. Elf Versammlungsmitglieder stimmten dafür. Es gab nur zwei Gegenstimmen bei drei Enthaltungen und zwei fehlenden Versammlungsmitgliedern.

Wir wollen an dieser Stelle nicht unnötig über das Abstimmungsverhalten der Mitglieder des oppositionellen Bündnisses spekulieren, manche von ihnen erklärten sich gegenüber der Kammerversammlung. Wir freuen uns aber sehr, dass dieser mutige Beschluss der Kammerversammlung eine sehr breite Mehrheit gefunden hat. Er kam unter maßgeblicher Beteiligung der DGVT zustande und an dieser Stelle sei insbesondere Ute Theissing und Detlef Deutschmann gedankt, die beide im Fort- und Weiterbildungsausschuss über eineinhalb Jahre viel Zeit und Kraft investierten und somit einen erheblichen Anteil an dem verabschiedeten Entwurf haben.

Für die Landesgruppe der DGVT in Schleswig-Holstein kann dieser Beschluss durchaus als Meilenstein gewertet werden. Wir haben uns jahrelang grundsätzlich skeptisch zum Weiterbildungskonstrukt positioniert, und wir halten diese grundsätzliche Skepsis auch weiter für berechtigt. Da diese Position auch innerhalb unseres Wahlbündnisses KAM ON in Schleswig-Holstein konsensfähig war, gab es in unserem Land bislang keine Weiterbildungsordnung. Nachdem der G-BA im November 2011 die Neuropsychologische Therapie sozialrechtlich anerkannte, mussten wir uns erneut mit dieser Frage befassen, formulierte der G-BA-Beschluss doch, dass die Zulassung von Leistungserbringern an die Qualifikation gemäß der Weiterbildungsordnungen der jeweiligen Landeskammern gebunden sei. Für Länder, in denen es keine Weiterbildungsordnung der Landeskammer gebe, gelte die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundespsychotherapeutenkammer. Diese schien uns in ihrem Umfang aber weder fachlich begründet noch geeignet, eine nennenswerte Anzahl von Leistungserbringern zu generieren. Letzteres ist auch durch eine jüngere Umfrage unter den Landeskammern, die zum Teil schon jahrelang eine Weiterbildungsordnung analog MWBO haben, belegt. Und so machten wir uns auf den Weg, den Umfang der MWBO soweit zu reduzieren, dass er fachlich noch seriös begründet werden kann, in der Hoffnung, dass so unter den Leistungserbringern tatsächlich auch eine Nachfrage entsteht als Voraussetzung für eine adäquate Versorgung der Bevölkerung.

Ob diese Nachfrage mit einem reduzierten Curriculum nun tatsächlich eintreten wird, bleibt vorerst abzuwarten. In der Sache: Die Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein vergibt zukünftig die Zusatzbezeichnung „Klinische Neuropsychologie“, wenn das Mitglied ein Jahr klinische Vollzeittätigkeit in anerkannten Weiterbildungsstätten, 50 Stunden fallbezogene Supervision und 150 Stunden theoretische Weiterbildung gemäß WBO nachweisen kann (MWBO: 2 Jahre, 100 Stunden SV und 400 Stunden Theorie). Auch Übergangsregelungen sind in der WBO der PKSH z.T. einfacher und klarer gehandhabt als in der MWBO. Nach Inkrafttreten der WBO können die genauen Bestimmungen auf der Homepage der PKSH nachgelesen werden.

Für den Zulassungsausschuss ist die WBO der PKSH laut G-BA-Beschluss bindend. Uns ist aber durchaus bewusst, dass KollegInnen, die in Schleswig-Holstein diese Zusatzbezeichnung erwerben werden, möglicherweise mit der Anerkennung Schwierigkeiten bekommen können, wenn sie in ein Bundesland wechseln, in dem eine Weiterbildungsordnung analog MWBO gilt. Deshalb ist uns auch bewusst, dass dieser Meilenstein gleichzeitig der Auftakt ist für unsere weiteren Bemühungen um eine ähnliche Entwicklung in anderen Bundesländern und in der Bundespsychotherapeutenkammer.

Wer Lust darauf hat, die DGVT und den DGVT-BV in Schleswig-Holstein bei solch spannenden Geschichten zu unterstützen, ist herzlich eingeladen, mit uns in Kontakt zu treten und aktiv mitzuwirken. Dies ist natürlich jederzeit möglich und nicht nur zu den offiziellen Mitgliederversammlungen.

Das regionale Mitgliedertreffen 2013 fand am 7. November statt. In der nächsten Ausgabe werden wir davon berichten.

Wir wünschen den Mitgliedern in Schleswig-Holstein und allen anderen LeserInnen natürlich auch schöne Weihnachtstage – und kommen Sie gut ins Neue Jahr!

Claudia Tiefert, Detlef Deutschmann, Bernd Schäfer
LandessprecherInnen Schleswig-Holstein


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