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Gesundheitspolititsche Notizen


Praxisleitfaden "ZusammenArbeiten" - Tipps für mehr Inklusion

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat einen Praxisleitfaden "ZusammenArbeiten" zur Erstellung von Aktionsplänen für Unternehmen und Betriebe veröffentlicht. Der Leitfaden enthält neben Hintergrundinformationen zahlreiche gute Beispiele und wertvolle Tipps für mehr Inklusion in der Praxis. Der Leitfaden richtet sich an Unternehmen, Institutionen und Organisationen: Beispiele aus der Praxis

  • Mustermaßnahmen
  • Informationen zu Gesetzen und Fördermöglichkeiten
  • Tipps von Experten
  • Vorlagen und Mustertexte
  • eine Basispräsentation, die jeder Betrieb nach seinen Bedürfnissen verändern kann
  • weiterführende Links

Weitere Informationen: www.bmas.de. Klicken Sie auf „Service“ und dann auf „Publikationen“. Geben Sie im Suche-Feld den Titel „ZusammenArbeiten“ ein. Quelle: Informationen des Paritätischen vom 21.10.2013
 

"Jugendsexualität und Behinderung": Studie zeigt Problemfelder auf

Die Publikation dokumentiert die Ergebnisse der Studie „Jugendsexualität und Behinderung“. Aufgezeigt werden sowohl die Kompetenzen und Ressourcen als auch die Defizite der Jugendlichen mit Behinderung in Bezug auf Sexualaufklärung und Verhütung. Die Jugendlichen wurden u. a. auch bzgl. sexueller Gewalterfahrungen befragt. Demnach sind Jugendliche mit einer Behinderung offenbar deutlich häufiger Opfer sexueller Gewalt als ihre gleichaltrigen MitschülerInnen ohne Beeinträchtigung. Diese Ergebnisse seien «sehr bedrückend», teilte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bei der Präsentation der Studie mit.  Befragt wurden 169 SchülerInnen mit Körper-, Hör- und Sehbehinderung an neun Förderschulen und zwei Berufsbildungswerken in den Klassen 6 bis 10. Untersucht wurde die Sexualaufklärung und das Sexual- und Verhütungsverhalten.  Den Angaben zufolge berichteten 14,2 Prozent der SchülerInnen von einem versuchten Übergriff, dabei doppelt so viele Mädchen wie Jungen.

Jedes vierte Mädchen (24,6 Prozent) mit Behinderung bestätigte Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. In einer vergleichbaren Studie mit Jugendlichen ohne Behinderung gaben „nur“ 15,9 Prozent aller Mädchen an, Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht zu haben. Bei den Jungen mit Behinderung sind es 7,7 Prozent, bei den Jungen ohne Behinderung lediglich ein Prozent.

Weitere Informationen: www.forschung.sexualaufklaerung.de/4723.html
Quelle: Informationen des Paritätischen vom 24.10.2013

Behindertenbeauftragte fordern bessere Teilhabemöglichkeiten

Auf Einladung der BAR trafen sich die Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder am 29. Und 30. Oktober 2013 in Frankfurt zu ihrem 46. turnusmäßigen Treffen. Zum Schwerpunktthema „Rehabilitation und demographischer Wandel“ referierte Professor Dr. Andreas Kruse, Leiter des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg. Sein Vortrag „Rehabilitation in der Zeit der Berufstätigkeit, in der Zeit nach dem Beruf“ inspirierte die Beauftragten anschließend zu einer lebhaften Diskussion. Im zweiten Teil der Veranstaltung erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Appell zu mehr Nachhaltigkeit bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an eine zukünftige Bundesregierung. Die „Frankfurter Erklärung“ zielt darauf ab, das Menschenrecht auf gleichberechtige und diskriminierungsfreie gesellschaftliche Mitentscheidung und Teilhabe endlich umzusetzen. Eine Kernforderung der Frankfurter Erklärung ist die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe zu einem Teilhabeleistungsgesetz außerhalb der Sozialhilfe und vorrangig im SGB IX. Die komplette Frankfurter Erklärung kann auf der Internetseite der BAR und den Seiten der Beauftragten heruntergeladen werden: www.bar-frankfurt.de/

Quelle: BAR, Rea-Info 6/2013

„Aufwachsen vor Ort“ - Tagungsdokumentation liegt vor

Die Dokumentation der Fachtagung des Bundesjugendkuratoriums "Aufwachsen vor Ort" am 17./18. September 2013 in München liegt jetzt vor. Es ging bei dieser Fachtagung mit 40 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und kommunaler Planungspraxis um die Frage, wie eine stärkere strategische und programmatische Verknüpfung von Jugendhilfeplanung, Bildungsmonitoring und kommunaler Kinder- und Jugendberichterstattung erreicht werden kann.

Weitere Informationen: www.bundesjugendkuratorium.de/bjk_tagung.html
Quelle: Informationen des Paritätischen vom 18.10.2013

Datenschutz bei „frühen Hilfen“

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen und das Informationszentrum Kindesmisshandlung Kindesvernachlässigung hat in fünfter Auflage die Broschüre „Datenschutz bei Frühen Hilfen„ herausgegeben. Die 63-seitige Publikation gliedert sich in gemeinsame Grundsätze und den Datenschutz in den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern der Frühen Hilfen (Gesundheits- und Jugendhilfe, Jugendamt, bei Trägern der freien Jugendhilfe und in Beratungsstellen). Weiterhin enthält sie Prüfschemata und Literaturhinweise. Die Neuauflage berücksichtigt die Veränderungen des SGB VIII durch das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz.

Weitere Informationen: www.fruehhilfen.de/fileadmin/user_upload/fruehehilfen.de/downloads/Datenschutzbroschuere_2013.pdf
Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, 6|2013, November|Dezember, Jahrgang 160

Paritätischer: Schonfrist für Nichtversicherte verlängern

Obwohl sich Nichtversicherte über eine Sonderregelung bis Ende des Jahres 2013 gesetzlich krankenversichern konnten, ohne dass hohe Nachzahlungen auf sie zukommen, haben rund 100.000 Menschen dies nicht in Anspruch genommen. Wenn also bisher Nichtversicherte bis zum Jahresende Versicherungsschutz bei ihrer (früheren) Krankenkasse beantragten, wurden ihnen die Beiträge erlassen. Erlassfähig waren darüber hinaus noch nicht gezahlte Kosten der Zwangsvollstreckung, Gebühren und Zinsen. Bereits gezahlte Beitragsrückstände wurden allerdings nicht erstattet. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen, fordert die Abschaffung der Befristung. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn lehnt diesen Vorschlag eines dauerhaften kostenlosen Rückehrrechts mit der Begründung ab, dass dies eine Einladung sei, keine Krankenkassenbeiträge zu zahlen, solange man gesund sei.

Quelle: sc-Newsletter Nr. 21/2013 vom 18.12.2013

 

Armut auf Rekordhoch: Paritätischer und Nationale Armutskonferenz
warnen vor „sozialer Verödung ganzer Regionen“

Vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der sozialen Verödung ganzer Regionen warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich der Veröffentlichung seines Armutsberichts 2013. Mit 15,2 Prozent habe die Armut in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht, die soziale und regionale Zerrissenheit habe dabei dramatisch zugenommen. Zusammen mit der „Nationalen Armutskonferenz“ fordert der Verband die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.

„Sämtliche positive Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich gedreht. Die Kluft zwischen bundesdeutschen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich. Deutschland war noch nie so gespalten wie heute“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

Seit 2006 habe die Armut in Deutschland besorgniserregend von 14 auf nunmehr 15,2 Prozent zugenommen. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der geringsten Armutsquote (Baden-Württemberg: 11,1 %) und dem Letztplatzierten (Bremen: 23,1 %) habe sich vergrößert und betrage mittlerweile 12 Prozentpunkte. Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit innerhalb der Bundesländer habe eine neue Qualität erreicht. Keine Entwarnung gebe es insbesondere für die „armutspolitische Problemregion Nummer 1“, das Ruhrgebiet. „Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft. Hier brauchen wir eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken“, so Schneider.

Die Nationale Armutskonferenz (nak) bewertet die Befunde als alarmierend. „Der Bericht zeigt, dass wir in Deutschland weiter von einer chancengerechten Gesellschaft entfernt sind, als je zuvor“, so Sprecher Joachim Speicher. In einem Sechs-Punkte-Katalog fordert die Nationale Armutskonferenz zur Armutsbekämpfung unter anderem eine bedarfsgerechte Erhöhung der Regelsätze, Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus.
Gemeinsam kritisieren Schneider und Speicher den Verzicht der neuen Bundesregierung auf solidarische Steuererhöhungen für große Vermögen und Einkommen, um entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.
Weitere Informationen: www.der-paritaetische.de
Quelle: Informationen des Paritätischen vom 19.12.2013
 
Neue Zahlen zu Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland

Im Jahr 2012 lebten 16,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. 10,9 Millionen sind selbst nach 1949 aus dem Ausland zugewandert, weitere 5,4 Millionen wurden als deren Kinder in Deutschland geboren. Entsprechende Daten werden seit 2005 jährlich erhoben. Seit 2005 ist die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund um 1,3 Millionen oder 8,5 % angestiegen.

Laut Statistischem Bundesamt sind zwar 190 Staaten der Welt in Deutschland vertreten, die größte Bedeutung bei der Zuwanderung hat aber Europa. So haben 70,6 % der Migrantinnen und Migranten und deren direkte Nachkommen ihre Wurzeln in einem europäischen Land, vor allem in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union (31,6 %). Die europäische Niederlassungsfreiheit spielt hier eine wichtige Rolle. Außereuropäische Zuwanderer stammen vor allem aus dem asiatischen Raum (15,7 %), gefolgt von Afrika (3,5 %) und Amerika (2,5 %).

Weitere Informationen: Statistisches Bundesamt www.destatis.de
Quelle: Informationen des Paritätischen vom 19.12.2013

Charité schult Psychologen zur Betreuung von Flüchtlingen

Die Berliner Charité hat im Libanon ein Hilfsprogramm für Flüchtlinge aus Syrien gestartet. Ärzte der Charité bilden in Beirut zehn arabischsprachige Psychologen und Psychiater für die Therapie von Traumafolgen aus. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt mit rund 700.000 Euro. Die Mediziner erhalten ein dreiwöchiges Intensivtraining, um anschließend in ein medizinisches Versorgungszentrum der Flüchtlingslager im Libanon zu gehen. Außerdem bieten die arabischen Ärzte Betroffenen eine Sprechstunde an der American University of Beirut an. Die Mediziner der Charité stehen ihnen dabei in Video- und Online-Konferenzen beratend zu Seite. Zudem werden Charité-Ärzte das Projekt alle zwei Monate vor Ort begleiten.

Quelle: G+G – Gesundheit und Gesellschaft; Ausgabe 10/2013, 16. Jg.

EU will Designerdrogen künftig schneller verbieten

Die Europäische Kommission will Designerdrogen künftig innerhalb von maximal zehn Monaten verbieten. Bisher dauerte das Verfahren mindestens zwei Jahre. Die legale industrielle und kommerzielle Nutzung der Substanzen soll davon nicht beeinträchtigt werden. Laut EU-Justizkommissarin Vivane Reding soll es in besonders schwerwiegenden Fällen möglich werden, die Stoffe auch ohne vollständige Risikobewertung unmittelbar vom Markt zu nehmen. EU-Parlament und Rat müssen die Vorschläge annehmen, damit si rechtskräftig werden. Neue synthetische Drogen überschwemmen derzeit den Markt. Ihre Zahl hat sich von 2009 bis 2012 verdreifacht.

Weitere Informationen: ec.europa.eu/justice/anti-drugs
Quelle: G+G – Gesundheit und Gesellschaft; Ausgabe 10/2013, 16. Jg.


Weltbevölkerungsbericht:

Täglich bekommen 20.000 Mädchen ein Kind; zwei Millionen von ihnen sind noch nicht einmal 15 Jahre alt. Das geht aus dem Weltbevölkerungsbericht 2013 hervor, den der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) zusammen mit der Stiftung Weltbevölkerung am 30. Oktober in Berlin vorgestellt hat.
Viele Teenagerschwangerschaften entstehen infolge von Armut, mangelnder Sexualaufklärung und sexualisierter Gewalt. Der Bericht mit dem Titel "Wenn Mädchen Mütter werden – Herausforderung Teenagerschwangerschaft" beleuchtet nicht nur die Ursachen früher Schwangerschaften, sondern zeigt auch wirksame Gegenmaßnahmen auf. Umfassende Programme, die über Sexualaufklärung hinaus das soziale Umfeld von gefährdeten Mädchen einbeziehen, versprechen die größten Erfolge bei der Vorbeugung von Teenagerschwangerschaften.

Weitere Informationen: www.weltbevoelkerung.de. Der Bericht steht unter „Publikationen und Downloads“ zum Download bereit.
Quelle: DSW-news vom 15.11.2013

Neues Handbuch für Fachkräfte: „Schutzkonzepte sexueller Missbrauch“

Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen ist weiterhin ein gravierendes gesamtgesellschaftliches Problem - auch knapp vier Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsskandale in Einrichtungen und Institutionen. „Vielen Einrichtungen fehlt es an Praxiswissen, wie sie Präventionsmaßnahmen und -konzepte wirksam einführen und welche Schritte sie im Verdachtsfall gehen können“, so der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig.

Ein neues Handbuch informiert Fachkräfte über konkrete Möglichkeiten zur Verbesserung des Schutzes vor sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen. Es zeigt anhand von zahlreichen Praxisbeispielen, wie die Einführung von Schutzkonzepten in den mehr als 200.000 Einrichtungen und Institutionen, denen täglich mehr als 13 Millionen Kinder und Jugendliche anvertraut werden, gelingen kann.

Das Handbuch kann über die Geschäftsstelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs bezogen werden. E-Mail: kontakt(at)ubskm.bund(dot)de.

Die Broschüre steht außerdem unter www.beauftragter-missbrauch.de und www.kein-raum-fuer-missbrauch.de zum Download zur Verfügung.

Quelle: Homepage des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des Sexuellen Missbrauchs

Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung: Ärzte dürfen Schweigepflicht brechen

Das Berliner Oberlandesgericht hat in einem Urteil entschieden, dass es strafrechtlich gerechtfertigt sein kann, wenn Ärzte bei der Behandlung eines Kindes einen ernstzunehmenden Verdacht auf Kindesmissbrauch haben und diesen Verdacht daraufhin dem Landeskriminalamt und dem Jugendamt mitteilen und damit ihre ärztliche Schweigepflicht verletzen.

Die Ärzte eines Krankenhauses hatten das Landeskriminalamt und das Jugendamt verständigt, nachdem sie bei einem eingelieferten fünf Monate alten Kind Symptome für das Vorliegen eines Schütteltraumas erkannt hatten und die Eltern sich bei der Aufklärung nicht mehr kooperativ zeigten. Die Eltern wurden nach der Anzeige vorläufig festgenommen, das Ermittlungsverfahren wurde mangels hinreichenden Tatverdachtes jedoch eingestellt.

Daraufhin hatten die Eltern das Krankenhaus auf Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt, weil die Ärzte ihre Schweigepflicht verletzt hätten. Das Kammergericht entschied, dass die Ärzte im wohlverstandenen Interesse des Kindes gehandelt haben, weil in der Situation der ernstzunehmende Verdacht einer Kindesmisshandlung bestanden habe und das Handeln der Ärzte damit strafrechtlich gerechtfertigt gewesen sei. Eine Misshandlung müsse nicht erwiesen sein, auch ein hinreichender Tatverdacht sei nicht notwendig.

Hinreichend sei vielmehr, wenn die vorliegenden Verletzungen typischerweise durch eine Misshandlung hervorgerufen werden könnten und somit ein begründeter Tatverdacht vorgelegen habe. Die Ärzte seien nicht verpflichtet, den Verdacht "auszuermitteln".

Quelle: openjur.de/u/642802.html - Urteil vom 27. Juni 2013, Az. 20 U 19/12
 

Auch Opfer sexuellen Missbrauchs in der Familie nutzen den Fonds

Bis Mitte Dezember sind 720 Anträge von Menschen eingegangen, die als Kinder oder Jugendliche im familiären Bereich sexuell missbraucht wurden. Das teilte das Bundesfamilienministerium auf Anfrage mit.

2010 alarmierten Missbrauchsfälle in Schulen, Internaten und der Kirche
die Öffentlichkeit. In der Folge wurde Entschädigungssysteme für Opfer
sexuellen Missbrauchs in staatlichen Heimen und in kirchlichen
Einrichtungen etabliert. Ein Runder Tisch von Bund, Ländern und
gesellschaftlichen Organisationen entschied Ende 2011, auch Menschen zu
unterstützen, die in der Familie sexuell missbraucht wurden. Laut
Kriminalstatistik 2012 kamen 12.623 Fälle zur Anzeige. Eine hohe
Dunkelziffer gilt als sicher.

Seit Mai können Betroffene Hilfsgesuche stellen, beim Fonds Sachleistungen
bis zu 10.000 Euro beispielsweise für Therapien beantragen. Der Bund
beteiligt sich an dem Fonds mit 50 Millionen Euro. Auch die Länder hatten
Unterstützung zugesagt, bislang floss allerdings nur aus
Mecklenburg-Vorpommern Geld.
Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm
Rörig, sagte: „Die Gesellschaft nimmt das Thema ernster als vor vier
Jahren und setzt sich damit auseinander. Aber es gibt auch noch Abwehr und
Verdrängung. Viele empfinden die Beschäftigung mit dem sexuellen
Missbrauch noch immer als Zumutung.“ Rörig kritisierte die ausbleibende
Länderförderung. „Ich bedauere, dass es dem Bund nicht gelungen ist,
die Länder – mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns – mit einem guten
Konzept zu überzeugen, sich zu beteiligen.

Opferverband weiterhin skeptisch

Opferverbände sind weiter skeptisch. Die Anträge seien „retraumatisierend“, außerdem müsse die Politik die strafrechtlichen Verjährungsfristen für Straftäter endlich aufheben.
Für Norbert Denef vom Opferverein netzwerkB hat sich noch nicht viel getan: „Das ist alles Augenwischerei. Für die Opfer hat sich nichts verbessert, das
gesellschaftliche Verständnis ist nach wie vor nicht da“, sagte Denef.
Der 64-Jährige macht seit Jahren auf die schwierige Situation von
Missbrauchsopfern aufmerksam, er wurde als Jugendlicher selbst von
Kirchenangehörigen missbraucht. Denef fordert vom neuen SPD-Justizminister
Heiko Maas, die Verjährungsfristen bei Straftaten von sexuellem Missbrauch
ganz aufzuheben. Die Täter dürften nicht davonkommen.

Der Opfervertreter betonte, die SPD könne sich nun nicht mehr wegducken,
sondern müsse in der großen Koalition bei diesem Thema Farbe bekennen.
Der Fonds bringt seiner Meinung nach nichts. „Es gibt ein wenig Geld für
den Anfang einer Therapie – und dann?“

Quelle: dpa-Pressemeldung vom 28.12.2013

Präventionskongress rückt  Gender-Perspektive in den Mittelpunkt

Wie lässt sich die Gesundheit von Männern und Frauen effektiv fördern? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 6. gemeinsamen Präventionskongresses des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) im Juni 2013. Nun ist die Dokumentation zur Konferenz erschienen.

Der Kongress "Gesundheit von Frauen und Männern effektiv fördern - Geschlechterspezifische Prävention und Gesundheitsförderung" verdeutlichte in Übersichtsvorträgen und Themenworkshops den Stellenwert von geschlechtergerechten Vorgehensweisen in Prävention und Gesundheitsförderung und benannte spezifische Herausforderungen.

Ziel war es, umsetzungs- und anwendungsorientierte Impulse für eine wirksame Gesundheitsförderung und Prävention von Frauen und Männern zu setzen - diese Gelegenheit nutzten mehr als 200 TeilnehmerInnen, darunter VertreterInnen aus Politik und Verwaltung sowie Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit, Sport, Soziales und Wissenschaft.

Die Kongressdokumentation ist nun erschienen und kann auf der Homepage der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. heruntergeladen (www.bvpraevention.de/) oder bei der Geschäftsstelle unter kongress(at)bvpraevention(dot)de angefordert werden.

Quelle: Rundbrief der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. vom November 2013

Mehr Selbsthilfeförderung durch die gesetzlichen Krankenkassen

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) will Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen künftig gezielter unterstützen. Basis dafür sind neue Grundsätze zur Selbsthilfeförderung sowie konkretere Bestimmungen über Fördervoraussetzungen und Verwendungsnachweise als bisher, teilte der GKV-Spitzenverband mit. Diese gelten von Januar 2014 an. An der Neufassung dieses „Leitfadens zur Selbsthilfeförderung“ des GKV-Spitzenverbandes haben auch die Spitzenorganisationen der Selbsthilfe mitgearbeitet. Die Kassen förderten die Selbsthilfestrukturen im Jahr 2013 mit rund 42 Millionen Euro, acht Prozent mehr als 2008. Diese Mittel sollen transparent, gerecht und wirksam vergeben werden, sagte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.

Quelle: G+G – Gesundheit und Gesellschaft; Ausgabe 10/2013, 16. Jg.

Gesundheitspreis für Arznei-Sicherheit

Für ein Projekt zur sichereren Anwendung von Arzneimitteln in Alten- und Pflegeheimen ist Petra Thürmann vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/Herdecke mit dem „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen“ ausgezeichnet worden. Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens erklärte bei der Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Preises, den Preisträgern gelinge der erfolgreiche Brückenschlag zwischen Forschung und Praxis zum Wohle der Pflegebedürftigen. Das Projekt sei nicht nur besonders innovativ und liefere wichtige Daten, sondern sei bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt worden. In dem Projekt hatten Wissenschaftler der Universitäten Witten/Herdecke, Bonn und Düsseldorf in Alten- und Pflegeheimen Daten zu unerwünschten Wirklungen und anderen Problemen mit Arzneimitteln erhoben und Möglichkeiten zur Optimierung erprobt. Das Projekt sei ihm Rahmen des Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit des Bundesgesundheitsministeriums finanziert worden.

Weitere Informationen: www.gesundheitspreis.nrw.de
Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft, Ausgabe 12/2013, 16.Jahrgang


Gesundheitssystem im Jahr 2040? Von Grund auf umgestalten

So verschieden die Gesundheitssysteme überall in der Welt auch sind – die Visionen der Experten und Entscheidungsträger für eine nachhaltige und wirtschaftliche medizinische Versorgung sind ähnlich. Das zeigt der vor kurzem veröffentlichte Bericht des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum – WEF) mit dem Titel Sustainable Health Systems Visions, Strategies, Critical Uncertainties and Scenarios. In Zusammenarbeit mit McKinsey & Co. wurden mehr als 200 ExpertInnen aus dem Bereich Gesundheitswesen aus China, Deutschland, den Niederlanden, Spanien und England befragt, wie die Gesundheitssysteme im Jahr 2040 idealerweise sein sollten.

U.a. wurde auch Helmut Hildebrandt, Vorstand der OptiMedis AG, befragt. Der Apotheker und Gesundheitswissenschaftler hatte viele Jahre für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Präventionsprojekten mitgearbeitet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung erreicht werden kann.

Der Zweck des Berichts sei, den strategischen Dialog hinsichtlich der Zukunft der Gesundheitssysteme und einer dringend notwendigen Nachhaltigkeit zu fördern, schreibt der Vorstandsvorsitzende des WEF, Klaus Schwab. Er betont dabei, Nachhaltigkeit werde man nicht durch aufeinander aufbauende Änderungen erreichen. Es seien vielmehr „transformative innovations“ nötig, das heißt Lösungen, die ein System von Grund auf umgestalten. Dies ist vergleichbar mit der These von Clayton Christensen. Der US-Ökonom geht davon aus, dass es bahnbrechender, marktverändernder Innovationen bedarf, um eine qualitativ hochwertige, bezahlbare und wohnortnahe Versorgung für eine älter werdende Gesellschaft zu gewährleisten.

Es sei unwahrscheinlich, heißt es in dem Bericht, dass die alleinige Fokussierung auf bessere Versorgung zu nachhaltigen Gesundheitssystemen führen werde. Stattdessen müssten Industrie und Verwaltung mehr in die Gesundheitsversorgung einbezogen werden, das zeigen die bemerkenswert konsistenten Aussagen der Befragten. Es wird gefordert: Mehr Integration, erfolgsorientierte Vergütungssysteme und eine Reduktion der Krankheitslast,  indem die Bevölkerung mehr in ihre Versorgung einbezogen und befähigt wird, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Gesundheit positiv zu beeinflussen. Und drittens sei es notwendig, Daten zu erheben, um Kosten und Ergebnisse der Versorgung messen zu können.

Weitere Informationen: Den Bericht des Weltwirtschaftsforums finden Sie zum Download auf www.weforum.org

Die OptiMedisAG entwickelt und managt regional Integrierte Versorgung, die alle Fachgruppen und alle Sektoren einbezieht, analysiert Daten aus der gesundheitsversorgung und betreibt Real-Life-Versorgungsforschung.

Quelle: OptiMedium 05/2013

„Demenz-Gipfel“ der G8-Staaten zur Bekämpfung der Krankheit

Die Gesundheitsminister der G8-Staaten haben bei einem „Demenz-Gipfel“ im Dezember 2013 in London diskutiert, wie der globalen Herausforderung Demenz besser entgegengetreten werden kann. Weltweit leiden etwa 35 Millionen Menschen an Demenz. In Deutschland sind es derzeit 1,4 Millionen. Schätzungen zufolge könnte sich die Zahl bis zum Jahr 2030 auf etwa 2,2 Millionen erhöhen und innerhalb der kommenden 30 Jahre nahezu verdoppeln. In der Londoner G8-Gipfelerklärung „Demenz“ werden die weltweiten Kosten für die Krankheit mit 604 Mrd. US-Dollar geschätzt. Wenn nicht Therapien zur Verhinderung von Demenz sowie die Betreuung und Behandlung nicht verbessert würden, würden die Kosten noch erheblich ansteigen. Weiter heißt es, dass Demenz als globale Herausforderung „eine zunehmende Bedrohung für die Gesundheits- und Sozialsysteme“ sei.

Von daher haben sich die G8-Staaten jetzt zu mehr Innovationen und zu einer Bündelung der Interessen in einem internationalen Forschungsaktionsplan Demenz verpflichtet. Ziel ist das Jahr 2025, bis zu dem man wegweisende Ergebnisse für die Heilung oder Therapie von Demenz vorweisen will. Mit im Blick sollen dabei auch Innovationen für effiziente Pflege und Dienstleistungen für Menschen mit Demenz sein. Die nächste Konferenz findet 2015 in den USA statt.

Weitere Informationen: www.gesundheitsstadt-berlin.de
Quelle: Gesundheitspolitische Informationen aktuell 24/13 vom 20.12.2013

Waltraud Deubert

 


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