< vorheriger Artikel

Positive Perspektiven in Psychotherapie und Gesellschaft - 28. DGVT-Kongress für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Beratung vom 26. bis 30. März 2014 an der Freien Universität in Berlin


Wieder einmal ist ein Kongress für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Beratung in Berlin, nun schon der 28., nach weitgehend übereinstimmender Meinung der TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen erfolgreich zu Ende gegangen. Die in langen Jahren erworbene Organisationsprofessionalität vieler DGVT-MitarbeiterInnen, die engagierte inhaltlich-thematische Planungsarbeit der Kongressvorbereitungsgruppe, die Unterstützung von ehrenamtlichen KollegInnen in der DGVT und das Management-Know-how der Kongressorganisation von Kelcon in Berlin waren die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Kongressablauf. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle herzlich gedankt! Der Kongress bot somit wieder eine ideale Plattform für einen fachlichen Austausch und eine interdisziplinäre Diskussion von psychotherapeutischer und psychosozialer Theorie und Praxis, von Wissenschaft und Versorgung. 

Unter dem Thema „Positive Perspektiven in Psychotherapie und Gesellschaft“ wurde referiert, diskutiert und das Gehörte in den themenbegleitenden Workshops vertieft. Was hält Menschen seelisch gesund und was hilft ihnen Krisen zu bewältigen? Diesen Fragen wurde in vielen Symposien und Workshops nachgegangen. Die rund 900 KongressteilnehmerInnen konnten ihr Wissen aber auch in anderen Bereichen erweitern: Spezielle fachliche Themen wie „Störungsspezifische Psychotherapie bei Tinnitus“, „Klinische Methoden der Arbeitsplatzanalyse“ sowie „Neue Trends in der Behandlung von Essstörungen“ sind nur Beispiele.

Eröffnung

Nach der Eröffnung des Kongresses für die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie  durch den Priv. Doz. Dr. Heiner Vogel, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGVT,  begrüßte für die FU Berlin der Vizepräsidenten der Freien Universität, Prof. Dr. Michael Bongardt, die Kolleginnen und Kollegen. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Prof. Dr. Rainer Richter, richtete in seinem Grußwort den Appell an die KollegInnen, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten, dann seien die Zukunftsperspektiven der Psychotherapie positiv. Bernhard Scholten von der Planungsgruppe führte in das Thema des Kongresses ein und stellte anschließend den Festredner Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen vor, der seine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Assistent des Lehrstuhls für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien begonnen hat und nach vielen Zwischenstationen im In- und Ausland seit 2000 den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Technischen Universität Dresden innehat. Laut Web of Science gehört Wittchen zu den weltweit am häufigsten zitierten Wissenschaftlern in den Gebieten Psychologie, Psychiatrie und Neuroscience.

Sein Vortrag mit dem Titel „ Psychische Störungen und Psychotherapie in Deutschland – die Zeit für eine konzertierte Aktion ist gekommen“ fand großen Anklang bei den ZuhörerInnen.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung durch die Band „walk on by“. Die drei Musiker sorgten mit Saxophon, Kontrabass und Gitarre für eine angenehme Atmosphäre während der Eröffnungsveranstaltung und auch beim anschließenden Get-Together im Foyer der Rost- und Silberlaube, wo sich die Kongressteilnehmerinnen bei Getränken und Snacks einfanden. Es entstanden – wie die Bilder zeigen – entspannte Unterhaltungen und interessante Begegnungen.

Hauptvorträge

Das erste Hauptreferat hielt der US-amerikanische Gesundheitspsychologe Prof. Kelly Brownell, Duke University, der die Zusammenhänge von individuellem Verhalten und gesellschaftlichen Bedingungen am Beispiel des gestörten Essverhaltens thematisiert hat. Laut Brownell sollten die gesellschaftlichen Bedingungen bei der Änderung des Verhaltens nicht unbeachtet bleiben, da ihr Einfluss beträchtlich ist.

Den zweiten Hauptvortrag hielt Prof. Paul Gilbert, University Derby, GB. In diesem stellte er die Grundzüge der Compassion Focused Therapy vor. Diese knüpft an den Grundgedanken an, dass seelisch gesunde Menschen sich selbst achten und wertschätzen, während selbstbestrafendes Verhalten sowie negative Gedanken, Einstellungen und Gefühle sich selbst gegenüber psychisch destabilisierend wirken.

Den dritten Vortrag hielt Prof. Barbara Fredrickson, University of North Carolina, die darüber referierte, welche Wirkungen die positive Psychologie auf die seelische Gesundheit entfalten kann. Dabei sprach sie über die Broaden-and-build-Theorie, in der davon ausgegangen wird, dass erlebte positive Emotionen die persönlichen Ressourcen von Menschen stärken – von physischen und intellektuellen bis zu sozialen und psychologischen Ressourcen.

Den letzten Vortrag hielt Prof. Dr. Michael Borg-Laufs mit dem Thema „Psychische Grundbedürfnisse in der Kinder- und Jugendlichen-Verhaltenstherapie“. Er ist kurzfristig eingesprungen für Karl Heinz Brisch, der seinen Vortrag „Das Urvertrauen der sicheren Bindung: Fundament einer gesunden Entwicklung der Persönlichkeit“ leider absagen musste.

Zweite DGVT Spring-School für Promovierende

Ausgehend von der Idee des Scientist-Practitioner-Modells, wonach kompetentes psychotherapeutisches Handeln stets in enger Verbindung zu neuen (grundlagen-)wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich von Methodik und Störungswissen stehen sollte, bestand der zentrale Gedanke der Spring-School darin, NachwuchswissenschaftlerInnen mit aktuellen Ansätzen der Psychotherapieforschung vertraut zu machen und gleichzeitig ein Forum für den Austausch wissenschaftlicher Ideen und Fragestellungen zu schaffen. Nach der erfolgreich verlaufenden ersten Spring-School beim Kongress 2012 wurde 2014 wieder neben dem bewährten Workshop-Angebot im Bereich praktisch-psychotherapeutischer Interventionsmethoden ein forschungsorientiertes Fortbildungsangebot und eine Diskussionsplattform für NachwuchswissenschaftlerInnen speziell während der Promotionsphase geschaffen.

Neben dem Spring-School-Workshop fand ein Symposium statt (Moderation: Prof. Wolfgang Lutz, Universität Trier, und Dr. Andrea Benecke, Klinische Psychologie und Psychotherapie/Universität Mainz), bei dem die TeilnehmerInnen ihre eigenen Promotionsprojekte vorstellen und diskutieren konnten. Die Themen dieses Symposiums waren breit gefächert an Themen:

-       „Depression und Umgang mit Ratschlägen“    

-        „Achtsame Aufmerksamkeitsregulation und nicht-wertende Haltung bei der Depression“

-        „Prädiktoren des Einsatzes von in-vivo Exposition bei AgoraphobiepatientInnen“

-        „Therapeuteneffekte – Eine systematische Untersuchung von Einflussfaktoren“.
 

Waltraud Deubert

 


Zurück