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„Psychotherapie in der GKV zwischen alten Kontroversen und gesetzlicher Neuregelung“

Tagung des Instituts für Europäische Gesundheitspolitik und Sozialrecht (ineges), 01.04.2014, Frankfurt am Main


Das ineges beschäftigt sich als Institut der Uni Frankfurt mit gesundheitspolitischen Fragen und hat zu dieser Tagung eingeladen, weil die Diskussion um das seit 15 Jahren existierende Psychotherapeutengesetz auch diesen Lehrstuhl beschäftigt. Insgesamt umfasste die Tagung sechs Vorträge an die sich jeweils eine mehr oder weniger intensive Diskussion anschloss. Die Themen wirkten im Vorfeld sehr interessant, da sie die Möglichkeit boten die aktuellen Diskussionen kompakt zusammen zu fassen.

Den ersten Vortrag unter dem Titel: „Alte Kontroversen und neue Herausforderungen einer gesetzlichen Neuregelung“  (Martin Stellpflug) fand ich sehr interessant, da er die neue Diskussionslinie der Bptk deutlich machte. Es wurden verschiedene Aspekte der zurzeit geführten Diskussionen zusammengetragen, aber dieses Mal nicht unter der Perspektive der Besserstellung unseres Berufsstandes sondern unter der Perspektive der Versorgung der Patienten. Es ist zu hoffen, dass die Politik aber auch die Verbände sich dieser Linie anschließen, damit die Patienten und deren Wohl ins Zentrum der Diskussion rücken.

Der nächste Vortrag unter dem Titel „Praktische Probleme der psychotherapeuti-schen Versorgung und Vergütung“ (Jürgen Wasem) musste kurzfristig aufgrund der Erkrankung des Referenten abgesagt werden. Spontan sprang Herr Wenner (Richter am BSG, 6. Senat) ein und nahm vor allem die Vergütung der therapeutischen Leistungen ins Visier. Sein Fazit lautete, dass in den meisten Fragen der Gesetzgeber gefordert sei und nicht die Gerichte. Diese könnten nur auf der Basis der bestehenden Gesetze entscheiden, beispielsweise wenn es um die Bezugsgruppe für die Berechnung der Einkommen gehe. Hier habe nur der Gesetzgeber die Möglichkeit die Gesamtheit der Fachärzte als Bezugsgruppe für die Berechnung der Psychotherapeuteneinkommen zu nehmen und nicht die am geringsten verdienenden. 

Daran schloss sich das Referat „Behandlungsmethoden in der Psychotherapie, Eva-luation und Versorgungsrealität“ (Sabine Schäfer) an. Frau Schäfer stellt einen Ver-fahrensmix als das Normale in der ambulanten Therapie dar und nicht die schulen-reine Vorgehensweise. Dies sei insbesondere bei den „alten“ Therapeuten der Fall; aufgrund ihrer vielen (da damals kostengünstigen) Ausbildungen seien sie in der Lage, diese Verfahren zu mischen und auch vom GB-A nicht zugelassene Methoden zu integrieren.  

Dieser Vortrag rief in der Diskussion sehr viel Kritik hervor, auch und vor allem von Herrn Wenner, der mehrfach darauf hinwies, dass diese Vorgehensweise juristisch nicht erlaubt sei (Abrechnungsbetrug!). Weiterhin betonte er, dass es für Vertragspsycho-therapeutInnen auch nicht erlaubt sei, innerhalb der genehmigten Therapien andere Methoden einzusetzen, die dann von den Patienten selbst bezahlt würden. Dies wäre nur bei den sogenannten IGeL-Leistungen juristisch erlaubt. Er betonte mehrfach, dass niedergelassene TherapeutInnen dieses von Frau Schäfer propagierte Vorgehen auf gar keinen Fall umsetzen sollten, da sie sich damit ins Unrecht setzen würden.

Im Anschluss daran wurde das Thema „Die ambulante Psychotherapie aus der Sicht der Krankenkassen“ (Thomas Ballast) aufgegriffen. Hier ging es vor allem darum, dass die Krankenkassen eine Ausweitung der ambulanten Psychotherapie nicht ins Auge fassen, da sie eher glauben, dass die vorhandenen Ressourcen sowohl im ambulanten wie im stationären Bereich ausreichten, wenn sie effizienter eingesetzt würden. Viel Kritik erhielt er für seine Aussagen, dass die Psychotherapeuten zu viele leichte Störungen behandelten, bei denen man sich fragen müsse, ob diese überhaupt behandlungsbedürftig seien.

Im letzten Block dieses Tages beschäftigten sich die ReferentInnen mit dem Bereich der Aus- bzw. Aus- und Weiterbildung. Als erstes Referat kam das Thema „Stand und Probleme bei der Aus- und Weiterbildung in der Psychotherapie“ (Bernhard Strauß). Er spannte den Bogen vom Forschungsgutachten zur Psychotherapeutenaus-bildung nach dem PsychThG über die Beschlüsse des Deutschen Psychotherapeu-tentages (DPT) bis zu der aktuellen Diskussion um die Direktausbildung und das Berufsbild, das von den Psychotherapeutenkammern zu erstellen versucht wird. Er verwies dabei auch auf mögliche Probleme, die sich auf organisatorischer und inhaltlicher Ebene ergeben. Wichtige Probleme, wie beispielsweise die nicht mehr mögliche Finanzierung der ambulanten Therapiestunden im Falle einer Direktausbildung, oder auch das dann noch enger werdende Nadelöhr durch zu finanzierende Ausbildungsstellen würden ausgeblendet.

Den Abschluss bildete das Referat „Reformbedarf und –optionen für die Aus- und Weiterbildung in der Psychotherapie“ (Heike Winter). Dabei wurden auch hier die bereits bekannten Positionen der DGPs dargelegt und als die einzig wahre Perspektive dargestellt. Die Probleme der Direktausbildung, (beispielsweise zu erwartende Defizite in der Versorgung mit Kinder- und Jugendpsychotherapie) und hier vor allem der zeitlichen Perspektive wurden dagegen nicht genauer betrachtet

Insgesamt bot diese Tagung eine kompakte Darstellung der aktuellen, sehr unter-schiedlichen Perspektiven, aber wenig Neues. Somit leider auch keine wirklich neuen Aspekte, die zu Lösungen aus den verschiedenen Problemfeldern, die sich im Zusammenhang mit der Psychotherapie und deren Ausbildung ergeben, führen würden.

Rudi Merod, Bad Tölz


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