< vorheriger Artikel

Bericht aus der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (Rosa Beilage zur VPP 2/2014)


15. Kammerversammlung der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK)

Am 11./12. April kamen 29 der 35 OPK-Kammerdelegierten zusammen. Diesmal fand die Kammerversammlung im Schloss des sachsen-anhaltinischen Tangermünde statt. Nach Erledigung der Formalien berichtete unser DGVT-Mitglied im OPK-Vorstand, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut (KJP) Johannes Weisang vom jüngst in Leipzig veranstalteten 2. Ostdeutschen Psychotherapeutentag (OPT). Unter den 523 angemeldeten Besuchern befanden sich erfreulicherweise auch 78 PiAs (15%). Die OPK hatte diesen bis zu 100 Freitickets zur Verfügung gestellt. Naturgemäß dominierten die sächsischen KollegInnen (35%) unter den BesucherInnen, aber es wurden auch 5% der TeilnehmerInnen aus westlichen Bundesländern registriert. Der KJPAnteil betrug gute 20%, man wolle künftig mehr KJP-spezifische Themen anbieten. Die Vorträge internationaler Expertenüber die große Bedeutung der therapeutischen Beziehung für den Therapieerfolg (Prof. John Norcross, USA) einerseits und über praxisorientierte Psychotherapieforschung andererseits (Prof. Louis Castonguay, Pennsylvenia, USA) waren sicher Highlights, aber es gab auch Kritik, dass die Vorträge auf englisch gehalten wurden. In 54% der Teilnehmer-Evaluationsbögen wurde der Nutzen für die praktische Tätigkeit als gut bis sehr gut benotet, 66% schätzten die Wahrscheinlichkeit ihres erneuten OPT-Besuchs als gut bis sehr gut. Das Meinungsbild der Delegierten zur Frage, ob man einen weiteren OPT machen solle, war generell positiv. Ich und einige Andere mahnten zunehmende Sparsamkeit an, auch wenn die im Haushalt eingeplanten Verluste von bis zu 44.000 € (das wären ca. 100 Euro pro zahlender TeilnehmerIn) wohl um mindestens 10.000 € unterschritten würden.

Zum Stand der Reform-Diskussion um die psychotherapeutische Versorgung berichtete die Präsidentin Andrea Mrazek die verschiedenen Positionen von der Großer Koalition, den beiden Entscheidern in der Selbstverwaltung (Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, Kassenärztlicher Bundesvereinigung) und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK). Deren Modellvorstellungen werden auch in dieser Rosa Beilage dargestellt und diskutiert. An Fakten könne lt. Mrazek niemand mehr bestreiten, dass schon jetzt 70% der ambulanten Kassenpsychotherapie Kurzzeitbehandlungen seien, 50% sogar nur 12-15 Sitzungen verbrauchen. Die Interpretationen der Lage seien hingegen sehr divers. Zum Beispiel fordern alle kürzere Wartezeiten, die Kassen aber ausschließlich im Rahmen der jetzigen Ressourcen, die Psychotherapeutenschaft ausschließlich im Rahmen einer Aufstockung der Ressourcen. Auf Therapeutenseite sieht man den Kurzzeit-Anteil schon als hoch und als Auswuchs des großen Versorgungsdrucks, hingegen wünschten Regierung und Kassen noch viel mehr Kurzzeit-Behandlungen. So entgleitet die Diskussion allmählich vom gemeinsamen Wunsch aller nach kurzzeitigerem Behandlungsbeginn in Richtung Kurz-Kontingent-Psychotherapie. Während die Kassen z. B. eine potentiell gesundheitsgefährdende 6 wöchige Therapiepause nach den ersten 12 Sitzungen vorschlagen, entwirft die BPtK ein weit über die Grenzen möglicher Änderungen der Psychotherapie-Richtlinie hinaus ragendes Konzept, in dem PsychotherapeutInnen die Gesamtverantwortung für die Versorgungskette übernehmen könnten. Jürgen Doebert warnte unlängst diesbezüglich vor einer „Medikalisierung“ der Psychotherapie. Konkreter an der anstehenden Änderung der Psychotherapie-Richtlinie orientiert ist das mittlerweile wohl auch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Stellungnahme 24.03.2014) vertretene Modell, welches sich an Vorschlägen von Dieter Best und Uwe Keller orientiert. Es sieht ein flexibles und schnelles 15-Therapiestunden-Kontingent vor, mit neuen Elementen (Sprechstunde, diagnostischer Frühabklärung, Akutversorgung), ohne die jetzigen Sitzungskontingente zu übersteigen.

Frau Mrazek fragte sich: Passt das für die OPK-Länder? Erste Einordnung ergab ein Regional-Gespräch in Mecklenburg-Vorpommern. Die Dortigen wollen die Versorgung auf dem Land verbessern, wo die Wartezeiten und Wege zur Psychotherapie zu lang seien. Offene Sprechstunden in Hausarztpraxen und besser vernetzte, niedrigschwellige Kriseninterventionen waren die Hauptideen. Diese sollen in ein Positionspapier  für die nächste Länderkonferenz der Gesundheitsminister, die sich mit der Psychotherapie beschäftigt, fließen. Hier tauchte wieder die Zielrichtung des BPtK-Modells auf, Gesamtverantwortung und Befugniserweiterung. Das wurde von den meisten OPK-Delegierten gutgeheißen. Aus Thüringen wurde vom Landesgremium nach § 90 a SGB V (zur Beratung über die Sektorenübergreifende Versorgungsplanung) Positives berichtet. Dort will man eine sektorenübergreifende psychotherapeutische Bedarfsplanung mit wissenschaftlicher Unterstützung (Wittchen / Jacobi) erarbeiten. Dem kann man Vorbildfunktion für die anderen OPK-Länder wünschen.

Die regionalen OPK-Infoveran-staltungen beginnen wieder am 8.9.2014 in Rostock und werden am 9.9.2014 in Potsdam, am 30.9.2014 in Erfurt, am 13.10.2014 in Magdeburg und am 16.10.2014 in Dresden weitergeführt. Ab Herbst 2015 werden auch Veranstaltungen für Neuapprobierte durchgeführt: pro Bundesland eine. In ihren fünf Ländern führte die OPK bislang 10 Berufsrechtsveranstaltungen mit über 500 TeilnehmerInnen durch. Die Länderarbeit bestehe ansonsten zu 80% aus Kontaktpflege-Gesprächen mit Ministerien, Kassen und anderen wichtigen Playern, also aus Netzwerkarbeit, die bei einer 5-Länder-Kammer naturgemäß meist weite Anfahrten mit sich bringt. In der Geschäftsstelle betreut Frau Mahneke-Windhövel dieses Feld.

Herr Dr. Peikert stellte aus der BPtK-Angestelltenbefragung Statistiken für die OPK-Länder vor. Ca. 400 KollegInnen hatten mitgemacht, davon ein Viertel Männer. Von den TeilnehmerInnen hatte 13% eine KJP-Approbation. 80% waren ausschließlich angestellt, mehr als ein Drittel arbeitete lediglich Teilzeit. Die Approbation hat nur bei einem Drittel der Befragten Einfluss auf ihre Vergütung, ebenso düster sieht es für Leitungsfunktionen aus. Die Vollzeit-Beschäftigten hatten ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von ca. 50.000 €. Die Hälfte arbeitete in Krankenhäusern, ein Fünftel in Rehabilitationseinrichtungen und 8% in der Jugendhilfe. Die Arbeitszufriedenheit ist in Beratungsstellen am höchsten und in Reha-Einrichtungen am niedrigsten (21% eher nicht und nicht zufrieden). Über 50% hatten dort anfangs andere Vorstellungen von ihrer Arbeit gehabt.

Unter dem Titel „Psychotherapeuten von morgen, mehr als nur eine Reform der Ausbildung“ berichtete der Vorstandsbeisitzer Dr. Schröder von den Entwicklungen in der BPtK zum Berufsbild (Ein Beruf auf Master-Basis, verfahrensbezogen, „verärztlicht“) und darauf aufbauend zum Kompetenzprofil (2-3 Ausbildungsabschnitte), das dann eine Ausbildungsstruktur implizieren soll (postgradual, einfach direkt, dual direkt?). Für mich ist allerdings noch nicht zu erkennen, wie die von der BPtK vorgesehenen Schritte zu einem sachlogisch zwingend ableitbaren Endergebnis führen sollen. Man könnte sicher alle drei Ausbildungsstrukturen nach einem neuen Kompetenzprofil ausrichten und viele der offenen Fragen werden letztlich durch keine der Ausbildungsstrukturen selber gelöst. Sie werden nur durch flankierende Maßnahmen gelöst werden können. Bei der bestehenden postgradualen Struktur wäre lediglich der Zugang und die Finanzierung der PiAs besser zu regeln, aber den Reformern bietet solch eine kleine Lösung wohl zu wenig innovativen Charme. Dabei könnte man in diese Struktur durchaus auch einige moderne Inhalte einfügen, aber wohl keine Weiterbildung, die dann unter Aufsicht der Kammern stünde. So droht das Ganze meiner Meinung nach ein irrlichternder Prozess zu werden. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) der Länder würde spätestens bei der Frage, ob nur Universitäten ausbilden dürften, ihre Einmütigkeit verlieren. Unterdes akkreditiert wohl die Hochschule Neuruppin schon mal einen Studiengang ‚Klinische Psychologie‘.

Der Bericht des Geschäftsführers Dr. Jens Metge informierte unter anderem über die Planungen zur OPK-Kammerwahl 2015. Die Wahlfrist beginnt mit dem Wahlaufruf im Oktober 2014, die Einreichung der Wahlvorschläge erfolgt Oktober bis November 2014. Mit dem Versand der Wahlunterlagen werde auch ein „OPK aktuell Spezial“ als offizielle Kandidateninformation verschickt. Die Wahlfrist wird voraussichtlich mit dem Versand des Wahlergebnisses an die KandidatInnen im Februar 2015 enden. Am 20./21.03.2015 ist dann die konstituierende Sitzung (17. Kammerversammlung).

Im Wahlausschuss sind neben dem Wahlleiter Rechtsanwalt (RA) Dr. Wolfgang Breidenbach aus Halle und dem stellvertretendem Wahlleiter RA Rüdiger Frank aus Leipzig, Dipl.-Soz.-Päd. Anke Kowalkowski, KJP, Praxis in Werder (Havel, Brandenburg), Dipl.-Psych. Uwe König, Psychotherapeut (PP), Praxis in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern), Dr. Utz Ullmann, PP, Angestellter, BG-Kliniken Bergmannstrost in Halle (Sachsen-Anhalt), Dipl.-Psych. Andreas Buhbe, PP, Praxis in Chemnitz (Sachsen) und Dipl.-Psych. Ute Abicht, PP/KJP, Praxis in Rudolstadt (Thüringen). Den Vorsitz des Wahlprüfungsausschusses hat RA Jutta Brecht-Trute aus Dresden inne. Mitglieder sind Dipl.-Psych. Ilka Zänker, PP, Praxis in Lübben (Brandenburg), Dipl.-Soz.-Päd. Karin Heidenreich-Lemmel, KJP, Praxis in Zarrendorf (Mecklenburg-Vorpommern), Dipl.-Psych. Marion Knauf, PP, Praxis in Naumburg (Sachsen-Anhalt), Dr. phil. Dipl.-Psych. Agnes Fabian, PP, Praxis in Leipzig (Sachsen)  undDipl.-Psych. Christiane Rottmayer, PP, Praxis in Meiningen (Thüringen).

Wer werden die WählerInnen sein? Laut der OPK-Mitgliederstatistik hatte die OPK Ende März 3.353 Mitglieder. Drei Viertel der Verkammerten sind PP, 58% aller arbeiten in einer Praxis, 8% waren nicht berufstätig. Dank der weiter gestiegenen Mitgliederzahl hatten die Delegierten aus ihrem Kreis eine 18. Bundesdelegierte zu wählen. Der Vorstandsbeisitzer Johannes Weisang schlug im Auftrag des KJP-Ausschusses Frau Cornelia Plamann vor, da sie bereits bisher für die OPK im KJP-Bundesausschuss aktiv gewesen sei. Sie wurde ohne Gegenstimme gewählt und nahm die Wahl an.

Vom Haushaltsplan zum Wirtschaftsplan

Auf Empfehlung des Landesrechnungshofs wird der Haushaltsplan der OPK zum Wirtschaftsplan umgestaltet. Im Jahr 2014 wird es  beides parallel geben. Ab 2015 gibt es dann allein den Wirtschaftsplan (in Text und Tabellen zu Erfolgs-, Finanz-, Investitions- und Stellenplan). Einnahmen und Ausgaben heißen jetzt Erträge und Aufwendungen. Auch spricht man nun von Gewinnen und Verlusten und der Haushaltsausgleich wird dokumentiert. Durch die Umstellung wird einen höhere Transparenz erreicht. Den Delegierten wurde ein Wirtschaftsplan zur Abstimmung vorgelegt, der inhaltlich dem bereits abgesegneten Haushaltsplan 2014 entspricht, aber formal anders aufgebaut ist. Mit einer Enthaltung stimmten die Delegierten diesem Plan zu.

Der Haushalts- bzw. Wirtschaftsplan 2014 sieht als Ergebnis einen Verlust von 266.000 Euro vor, der mit einer Entnahme aus der Rücklage gedeckt werden soll. Bei Aufwendungen von 1.600.000 Euro beträgt meines Wissens die empfohlene Deckungsreserve ca. 800.000 Euro. Diese Reserve haben wir zwar noch, aber nach einer erneuten Entnahme in dieser Höhe 2015 lägen wir deutlich drunter. Damit ist ein interessantes Thema für den Kammerwahlkampf schon auf dem Tisch: Will man ab 2015 die Beiträge erhöhen oder beibehalten, den Haushalt abspecken oder weiter im gleichen Stil Ausgaben produzieren?

Eine Novelle der OPK-Fortbildungsordnung

Vor Diskussion und Abstimmung berichtete Dr. Thomas Guthke vom Ausschuss für  Aus-, Fort- und Weiterbildung über den ersten Fortbildungs-Zeitraum der Angestellten in (nachweispflichtigen) Klinik-Arbeitsver-hältnissen, mit Ende 2013. Von den 1.239 Angestellten arbeiten 567 in Kliniken. Bislang konnten 217 Zertifikate ausgestellt werden. Es fehlen noch 350, und von 465 angestellten Mitgliedern liegen nach wie vor keine Angaben über ihren Arbeitgeber vor. Die Neufassung der OPK-Fortbildungsordnung soll künftig alle OPK-Mitglieder fortbildungsnachweispflichtig machen. Ca. 85 % hätten sozialrechtlich sowieso eine Nachweispflicht. Die Fortbildung daher für alle zur berufsrechtlichen Pflicht zu machen, wäre eine klarere und gerechtere Sache, auch fachlich ist das durchaus zu vertreten.

Die Novelle definiert auch präzisere Anforderungen an die Qualifikation der ReferentInnen von Fortbildungsveranstaltungen, die für PsychotherapeutInnen akkreditiert werden sollen. Weiter sollen künftig maximal 50 der 250 Punkte aus online-Fortbildungen stammen dürfen, damit man seine Fortbildung nicht alleine mit dem PC erwerben kann. Auch soll für wissenschaftliche Publikationen die Punktzahl auf 5 erhöht werden, in Anlehnung an die ärztliche Muster-Fortbildungsordnung. Die Bearbeitung der Fortbildungspflicht-Unterlagen bleibt für die Mitglieder kostenfrei, aber bei unvollständig eingereichten Anträgen sollen künftig Gebühren fällig werden. Die vom Vorstand und Ausschuss gemeinsam eingebrachte Beschlussvorlage wurde mit einer Enthaltung angenommen. Verbindlich wird sie aber erst mit ihrer künftigen Veröffentlichung.

Nebenbei sei erwähnt, dass die OPK selbst als Fortbildungs-Anbieter auf dem Markt ist. Derzeit gibt es Curricula zur Sachverständigentätigkeit, zur Trauma- und Schmerz-Psychotherapie und Einzelveranstaltungen zu Sofortmaßnahmen, Psychohygiene, Praxiserwerb, Gerontopsychotherapie sowie zur Dialektisch-Behavioralen Therapie.

Änderungen der OPK-Berufsordnung (BO) werden durch das Patientenrechtegesetz (PRG) nötig. Sie sollen auf der Herbst-Delegiertenversammlung verabschiedet werden. Einige Punkte sind dabei recht unstrittig, zu anderen laufen auf den Deutschen Psychotherapeutentagen (DPT) intensive Diskussionen. Die OPK plant ihrer BO eine Kommentierung anzufügen. Dies soll die Handhabbarkeit verbessern und auf einige unvermeidliche Dilemmata hinzuweisen, z. B. zwischen Dienstleister-Aufgaben und Therapeuten-Pflichten. Auch eine Präambel mit Begriffsdefinitionen speziell für unser Anwendungsfeld wird diesbezüglich erwogen. Einer der strittigen Punkte ist die Einsicht in die Behandlungs-Dokumentation (§ 11,2 MBO). Sie aus rein persönlichen Gründen zu verweigern, berge zivilrechtliche Prozessrisiken. Würde die Berufsordnung es befürworten, dass PsychotherapeutInnen ihren PatientInnen die Einsicht in Behandlungsunterlagen mit dem Hinweis auf ihre Persönlichkeitsrechte verweigern, bestünde lt. Frau Mrazek das Risiko, dass die Rechtsaufsicht einschreite. Für unsere Gerichte zählt Dokumentiertes, auch wenn es persönliche, gar intime Information über die TherapeutIn in sich trägt, noch nicht zum schützenswerten Kernbereich der Persönlichkeit des Psychotherapeuten, zumal sich Behandlungsdokumentationen ihrer Funktion nach von vornherein auch an Dritte richten. Das in Ausnahmesituationen andere Rechte höher als die des Patienten nach § 630g PRG stehen, könnte eine BO höchstens in Kommentaren exemplifizieren. Einem Vorschlag des Delegierten Johannes Pabel entstammt praktisch Wichtiges für Schwärzungen von Passagen. Diese dürften nur an Kopien und nicht im Original vorgenommen werden und es müsse eine stichhaltige Begründung vorgelegt werden können. Nur dann könne eine TherapeutIn im Streitfall die für solches zuständigen und unter Schweigepflicht stehenden Kammergremien sinnvoll hinzuzuziehen, welche zur Beurteilung ihrerseits logischerweise auch das ungeschwärzte Original einsehen können müssten.

Aus der Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen stammt die Frage, ob schon vor einem Erstkontakt Einwilligungen aller sorgeberechtigter Elternteile vorliegen müssen. Der Justiziar der BPtK, Prof. Stellpflug, befürwortete dies. RA Gerlach hielt dies für das Erstgespräch für übertrieben. Diese Rechtsauffassung in unserer OPK-BO niederzuschreiben, könnte dann künftig vor Gericht ein Schutz für uns als Angeklagte sein.

Der Ausschuss für Qualitätssicherung entwickelt im Auftrag des Vorstands eine Musterdokumentation, an der sich unsere Mitglieder orientieren können sollen. Neben dem Muster eines Informationsblatts, was nach der ersten Sitzung ausgehändigt werden könnte, soll eine Muster-Dokumentation der Aufklärung (zum Ausfüllen nach Ende der Probesitzungen) sowie das Muster eines Behandlungsvertrags (zu unterschreiben vor Beginn der Psychotherapie) entstehen, berichtete Frau Dr. Busse-Engelhardt. Neben der Erprobung der präsentierten Entwürfe durch einzelne Delegierte soll nun eine juristische Bewertung erfolgen, bevor die Delegiertenversammlung wieder drüber diskutiert. Geplant sind auch Angestellten- sowie KJP-Versionen. Meiner Meinung nach sollte man mehr in Richtung eines Textbaustein-Werkzeugkastens gehen, aus dem man Teilstücke entnimmt und selbst miteinander kombiniert. Das könnte man in einer Art Gebrauchsanweisung an 2-3 Anwendungskonstellationen beispielhaft demonstrieren (z. B. VerhaltenstherapeutIn, PrivatversicherteR, Gruppentherapie; oder PsychoanalytikerIn, KassenpatientIn, Einzeltherapie).

Kommissionen

Für die OPK-Fachkommission Traumatherapie berichtete Dr. Rüdiger Bürgel über bislang 115 Anträge auf Zertifizierung als TraumatherapeutIn nach den Richtlinien der OPK. Davon konnten 75 positiv beschieden werden, weitere 12 für Kinder und Jugend. Die Präsidentin berichtete von der BPTK-Kommission Zusatzqualifizierung, die auf der Suche nach weiteren geeigneten Bereichen ist. Als Kriterien dafür habe man genutzt: Versorgungsrelevanz, Prävalenz, Chronizität, existierende Spezialisierungen, existierende Strukturen. Danach habe man Schmerztherapie und Psychokardiologie als für Zusatzqualifizierung geeignet einstufen können. Auch Suchttherapie hielt Frau Mrazek für einen geeigneten Kandidaten, diese sei „von der Approbation nicht abgedeckt“. Ein Problem seien kleinere Bereiche, wie z. B. seltenere Erkrankungen. Diesbezüglich stelle sich die Frage ob man sie zusammenfassen solle zu einer Weiterbildung ‚Allgemeine Somatopsychotherapie‘ mit Organtransplantation, Palliativversorgung etc. Man will hierzu auch die alten DDR-Curricula auswerten. Meiner Meinung nach ist es inhaltlich wenig schlüssig, immer weiter innerhalb der altbewährten Therapie-Verfahren mit den alten Therapie-Methoden sowie –Techniken, die man lediglich auf neue Anwendungsfelder bezieht, eine Weiterbildung nach der anderen zu kreieren, in fragwürdiger Analogie zum ärztlichen Weiterbildungswesen.

Man habe prüfen lassen, ob differente Weiterbildungsordnungen einzelner Länder rechtlich ein Problem sind. Es gab aber keine Bedenken. Außer der DGVT-beeinflussten Schleswig-Holsteiner Kammer haben die meisten Kammern die ehemals für Nicht-Psychotherapeuten gedachten alten Umfänge der Fachverbands-Schulungen übernommen. Es gibt wohl bundesweit keine einzige PsychotherapeutIn, die sich nach diesen Kriterien zur NeuropsychotherapeutIn hat weiterbilden lassen, lediglich die Übergangsregelungen wurden genutzt. Auf dem nächsten DPT werde das Thema dann (hoffentlich auch inhaltlich) diskutiert. Keinen Konsens hat die Kommission darüber finden können, ob Weiterbildungsbausteine vor der Approbation erwerbbar sein sollen. Rechtlich ist das für mich kaum vorstellbar.

Zu guter Letzt informierte Vizepräsident Rosendahl über den Stand des Versorgungswerks, das sich mit einem Rechnungszins für 2013 von 3,15 % zwar unterhalb des Planwertes von 3,5 % bewegte, sich damit aber in der Folgezeit der Finanzmarktkrise eigentlich ganz gut hält. Das Versorgungswerk wolle auf seiner nächsten Delegiertenversammlung das in solch schwierigen Zeiten wichtige Risikomanagement noch mal diskutieren.

Die nächste OPK-Delegiertenversamm-lung findet am 24./25.10.2014 im sächsischen Machern statt; Kammermitglieder können als Gäste gerne dazukommen.

Mich würde es freuen, wenn sich DGVT-Mitglieder in allen 5 OPK-Ländern nach dem Lesen meines Berichts motiviert fühlen, beim kommenden OPK-Wahlkampf im Winter aktiv mitzumischen. Bei der letzten Wahl gab es in vielen Ländern beinahe zu wenige Kandidaten. Eine hohe Beteiligung ist also wichtig, um eine reelle Chance zu haben!

Jürgen Friedrich
Landessprecher Mecklenburg-Vorpommern und OPK-Kammerdelegierter


Zurück