< vorheriger Artikel

Runder Tisch der BPtK zur PEPP-Diskussion am 15.01.2015 in Berlin

Vertreter der Landeskammer diskutierten über den Stand der Einführung des Pauschalierenden Entgeltsystems Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) sowie über dessen Vor- und Nachteile. Als Schwachpunkte wurden die degressive Bezahlung sowie die Frage der adäquaten Abbildung von vor Ort erbrachten Leistungen diskutiert. Als Vorteil wurde die Möglichkeit zur Verbesserung der Position des Berufsstandes sowie des Stellenwerts der Psychotherapie in Kliniken angesprochen.


Am 15.01.2015 fand in den Räumlichkeiten der Bundespsychotherapeutenkammer in Berlin ein Round-Table-Gespräch zur Standortbestimmung bzgl. der Einführung des Pauschalierenden Entgeltsystems Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) statt. Auf Einladung des Vorstandes der BPtK hin waren Vertreter der Landeskammern angereist, um sich über den Stand der Einführung des PEPP-Systems zu informieren und dessen Vor- und Nachteile zu diskutieren.

Mit dem § 17 d des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) hat der Gesetzgeber bereits 2009 die Grundlage dafür geschaffen, ein durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschalierendes Vergütungssystem auf der Grundlage von tagesbezogenen Entgelten für die voll- und teilstationären allgemeinen Krankenhausleistungen von psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen einzuführen. Entsprechende Einrichtungen konnten das System bereits 2013 einführen. Ursprünglich sollte PEPP ab 2015 verpflichtend sein. Mit dem "Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der gesetzlichen Krankenversicherung" vom 24. Juli 2014 wurde die Frist, in der Kliniken das PEPP-System freiwillig einführen können, um zwei Jahre verlängert.

Nach einigen einleitenden Worten von Prof. Rainer Richter, dem Präsidenten der BPtK, fand bei dem aktuellen Treffen eine Vorstellungsrunde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt. Bereits hier zeigte sich, dass die Vertrautheit mit dem neuen Entgeltsystem zwischen den TeilnehmerInnen sehr unterschiedlich verteilt war. Während einige TeilnehmerInnen angaben, in ihren Häusern bereits seit längerer Zeit mit PEPP zu arbeiten, und andere Kliniken zeitnah in die Optionsphase übergehen wollen, werden einige Kliniken die Frist bis zum Abschluss der budgetneutralen Optionsphase 2017 (nahezu) vollständig ausnutzen und erst dann mit dem neuen System arbeiten.

Im Anschluss an die Vorstellungsrunde erfolgte ein Vortrag von Herrn Vaillant von der Deutschen Krankenhausgesellschaft zum aktuellen Stand der PEPP-Debatte. An dieser Stelle wurden durch seine Ausführungen und die Anmerkungen einiger Teilnehmerinnen bereits Schwachpunkte und Probleme, die mit der Einführung von PEPP verbunden sind, offenkundig. Die degressive Bezahlung (die erste Behandlungswoche „bringt“ viel Geld, jede weitere Woche schrittweise weniger) wurde an dieser Stelle ebenso diskutiert wie die Frage, ob die konkret vor Ort erbrachten Leistungen (z. B. durch PiAs) wirklich annähernd adäquat in dem System abgebildet werden – von dem mit der Dokumentation verbundenen Organisations- und v. a. Zeitaufwand ganz zu schweigen.

Nach einer kurzen Mittagspause führte Dr. Dietrich Munz als Vizepräsident der BPtK die Position der Bundespsychotherapeutenkammer aus. Vor allem hob er darauf ab, dass in der alten Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) aus den 90er Jahren die „neuen“ Berufe des/der Psychologischen Psychotherapeuten/in und des/der Kinder- und Jugendpsychotherapeut/in keine Berücksichtigung finden. Die Psych-PV sei insgesamt als Instrument zur Berechnung der Entgelte und zur Personalplanung ungeeignet. PEPP könne aus Sicht der BPtK daher die Chance sein, um die Position des Berufsstandes und den Stellenwert der Psychotherapie in Kliniken zu verbessern.

Im nächsten Schritt erfolgte eine moderierte Diskussion, die wiederum in thematische Aspekte aufgeteilt war. Nach der Klärung allgemeiner Fragen war der nächste Diskussionsblock dem Thema OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) gewidmet, über das die teilnehmenden Kliniken aktuell schon ihre Daten in das sich entwickelnde System einspeisen. Angemahnt wurde an dieser Stelle u. a. eine bessere Differenzierung der Berufsbezeichnungen im OPS, da die aktuelle Formulierung „Diplom-Psychologe oder PP“ hier missverständlich sei. Im nächsten Themenschwerpunkt ging es darum, die Mindestanforderungen für die Personalausstattung in den Häusern zu konkretisieren, um bei den nun anstehenden Diskussionen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) entsprechende Standpunkte vertreten zu können. Abschließend wurde diskutiert, welche Leistungen für die Berechnung einer qualitätsorientierten Versorgung erfasst und berücksichtigt werden müssen. Auch hier wurde noch einmal deutlich, dass die realen (psycho)therapeutischen Bedingungen in der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Psychosomatik nicht unbedingt mit der Durchführung einer Standardbehandlung im ambulanten Setting vergleichbar sind und daher an verschiedenen Stellen auch nicht als Maßstab für die Budgetberechnung taugen.

Zusammenfassend wurde deutlich, dass mit der Einführung von PEPP einige Chancen für die angestellten PP und KJP in den entsprechenden Klinken verbunden sind. Es gibt jedoch auch Gefahren und ungeklärte Aspekte (Stichwort: verbindliche Personalstandards, Kompetenzhierarchien in den Kliniken), die in der Zukunft sorgfältig im Blick behalten werden müssen. Da PEPP nach Angabe des mit der Entwicklung beauftragten Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK GmbH) kein normatives System ist, kann hierdurch auch keine Aussage über die Qualität der Behandlung oder Leistung erfolgen. Die Vertreter unseres Berufsstandes sind daher dazu aufgerufen, diesen und weitere kritische Punkte immer wieder in die Diskussion einzubringen. Solange nicht strikt zwischen Psychotherapeuten und Psychologen differenziert wird, die dokumentierten Raster grob sind bzw. nicht der (psycho)therapeutischen Realität in den Einrichtungen entsprechen und eine psychotherapeutische (!) Maßnahme erst von einem Arzt als indiziert beurteilt werden muss, gibt es sicher noch einiges Optimierungspotential am neuen System.

Michael Lingen, Göttingen


Zurück