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Bericht der Landesgruppe Bayern (Rosa Beilage zur VPP 1/2015)

Aus der Landeskonferenz der Richtlinienpsychotherapieverbände (LAKO) und dem Beratenden Fachausschuss Psychotherapie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB; BFA-PT)


Es sind immer wieder die ähnlichen und oft auch wiederkehrenden Themen, die die Gremien beschäftigen:

-        Bedarfsplanung: werden freie PT-Sitze, in einem sog. überversorgten Gebiet aufgekauft oder nicht?

-        Wie ist die Honorarentwicklung, sollte das Kapitel 23 auch extrabudgetär vergütet werden?

-        Wie ist die weitere Entwicklung der Psychotherapierichtlinien, kommt die psychotherapeutische Sprechstunde, fällt das Gutachterverfahren?

Bedarfsplanung: Sollte es so kommen, wie es das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vorsieht, so hieße das für Bayern im Bereich Psychotherapie, dass 1.257,9 Sitze wegfallen würden in Versorgungsgebieten mit einem Versorgungsgrad oberhalb von 110%, 265,2 Sitze wegfallen würden in Gebieten mit einem Versorgungsgrad oberhalb 200%; im KJP-Bereich würden 28 Sitze (oberhalb 110%) und 9,5 Sitze (oberhalb 200%) wegfallen. D.h. in Bayern würden insgesamt 1.560 PT-Sitze im Laufe der nächsten Jahre eingezogen werden.

Es gilt hier, alle Möglichkeiten zu nutzen, dies zu verhindern. Auf der politischen Ebene muss Druck aufgebaut und mit den verschiedenen Entscheidungsträgern das Gespräch gesucht werden. Drum gilt es nicht müde werden und bei allen Gelegenheiten, wo ein Kontakt mit Politikern stattfindet, egal ob mit Volksvertretern auf Landes- oder Bundesebene, diese auf unsere Situation aufmerksam zu machen.

In den Medien, ob Print, TV, Blogs oder sonstigen Internetforen, auf die Unhaltbarkeit der politischen Beschlüsse aufmerksam machen und deren Folgen für die Versorgung psychisch kranker Menschen darstellen.

Honorarentwicklung:Es geht mäßig voran, stets unterhalb der Inflationsrate, so dass effektiv die Honorare sinken. Sowohl in der LAKO als auch im BFA-PT wurde diskutiert, ob auch die Leistungen des Kapitels 23 extrabudgetär vergütet werden sollen, was zur Folge hätte, dass diese nicht mehr so stark schwanken wie bisher, wo teilweise nur 87% der möglichen Vergütung ausgezahlt wurden.

Dem wurde allerdings entgegen gehalten, dass in den letzten beiden Quartalen die Vergütung über 100% lag, da Leistungen gestützt wurden.

Wie kann die ambulante psychotherapeutische Versorgung verbessert werden? Wie können vor allem die häufig unerträglich  langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz verlängert werden? … das ist seit vielen Jahren immer wieder Thema. Das Schlagwort, das in aller Munde ist, heißt „Psychotherapeutische Sprechstunde“. Ist es das Allheilmittel oder nur Augenwischerei?

Hier ein Praxisbericht:

Unsere Praxisgemeinschaft in Ingolstadt, bestehend aus einer weiblichen KJP und einem männlichen KJP (in meiner Person), haben seit September 2014 die sog. „Psychotherapeutische Sprechstunde“ (PTS) eingeführt.

Die Organisation: alle zwei Wochen, am Freitagvormittag, werden 3 Termine für die PTS bereitgehalten, die Terminvergabe erfolgt in der Regel über eine vorherige telefonische Kontaktaufnahme. Somit ist jeder von uns nur alle vier Wochen an der Reihe zur Abhaltung der Sprechstunde.

Die neu aufgenommenen Patienten werden bis zum Therapiebeginn in einem ca. vierwöchigen Turnus betreut. Dabei finden die Termine in der Regel vormittags statt.

In dieser Zeit werden, analog zur probatorischen Phase, die üblichen diagnostischen und explorativen Maßnahmen durchgeführt.

Die Erfahrungen: Durch diese Maßnahme konnte die Warteliste weitgehend abgebaut werden. Es kann frühzeitig festgestellt werden, ob eine Indikation für eine ambulante Psychotherapie besteht oder ob etwa andere Maßnahmen indiziert sind. Der Beziehungsaufbau mit dem/der Patienten/in ist durch die längeren Terminabstände nicht beeinträchtigt. Dieses Argument wird häufig von Skeptikern angeführt; wir machen jedoch die Erfahrung, dass die Quantität der Kontakte mit den Patienten nicht mit der Qualität der Beziehung einhergeht. Dies bestätigen auch Studien aus dem Bereich der sog. lösungsorientierten Kurzzeittherapie, bei der längere Terminintervalle (4 bis 6 Wochen) zum Konzept gehören.

Weitere Ziele: es wurde mit den örtlichen großen GKV Kontakt aufgenommen mit dem Ziel, ein mögliches Pilotprojekt für die Region zu etablieren. Die Kassen signalisierten grundsätzlich Interesse, das Ganze ist aktuell in der Verhandlungsphase.

Bei der letzten LAKO-Sitzung im Januar berichtete eine Kollegin über ihre langjährigen Erfahrungen im DMP Brustkrebs im Rahmen der psychoonkologischen Versorgung. Alle Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit anerkannter psychoonkologischer Fortbildung können innerhalb der GOP-Ziffern 92697A bis 92697G Leistungen erbringen, die nicht zeitlich begrenzt sind. Die Honorierung der 50 Min.-Sitzung liegt zwischen 95 €  und 100 € bei aufsuchender Tätigkeit. Leider wird diese Möglichkeit der Behandlung von Seiten der KV nur unzureichend publik gemacht.

Kammerversammlung am 18. Dezember

Die Herbstdelegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer fand in 2014 erst sehr spät im Jahr statt. Dies erklärte sich damit, dass die erstmalige Verabschiedung einer Weiterbildungsordnung im Mittelpunkt stehen sollte und diese sich aber an die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundespsychotherapeutenkammer anlehnen sollte. Beim 25. Deutschen Psychotherapeutentag am 25. November stand aber gerade diese MWBO zur Diskussion bzw. sollte einige grundlegende Veränderungen erhalten. Insofern war der zeitliche Abstand zwischen beiden Veranstaltungen eher recht knapp, wenn die beschlossenen Ergebnisse der einen Veranstaltung erst noch für die andere aufbereitet und in Beschlussvorlagen umgesetzt werden sollten. Die DV fand erstmal in den neuen Räumen der Kammergeschäftsstelle am Hirschgarten statt, in einem modernen, funktional geschnittenen und gerade fertig gestellten Bürogebäude. Der Sitzungsraum der Kammer, der eher für mittelgroße Gruppen gedacht ist, war knapp ausreichend für die ca. 50 Teilnehmer der Sitzung, jedoch bot dieser Sitzungsort die gute Gelegenheit, den Delegierten die Arbeit der Geschäftsstelle vor Ort zu erläutern und die Kammer „anfassbar“ zu machen.

Beitragserhöhung

Nach sieben Jahren ohne Beitragserhöhung war auch dieses Thema mal wieder dran. Die vom Vorstand vorgeschlagene Erhöhung der Kammerbeiträge wurde diskutiert, aber nicht so heftig, wie schon zuvor, weil es einen Konsens gab, dass die Kammer für ihre engagierte Arbeit auch entsprechende Finanzmittel benötigt (und es in dem Bezugszeitraum bereits ein  aufsummierte Inflation von ca. 15% gegeben habe). Im Ergebnis wird der Beitrag für alle Beitragsgruppen um ca. 45 € erhöht, so dass der Jahreshöchstbetrag nun bei 435 Euro liegt. Auch die Gebührenordnung, z.B. für die Bearbeitung von Fortbildungsanträgen o.ä. wurde angepasst, das heißt meist erhöht, einige Posten wurden neu eingeführt.

Weiterbildungsordnung

Eng angelehnt an den Text der Musterweiterbildungsordnung der BPtK wurde dann auch noch die erste Weiterbildungsordnung der PTK diskutiert und letztlich verabschiedet. In Bayern gibt es nun Weiterbildungen in den Bereichen Klinische Neuropsychologie, Systemische Therapie und Gesprächspsychotherapie. Bei der Beratung über den vorgelegten Entwurf wurden (kleine) Missstimmungen deutlich, weil der Vorstand den vom Weiterbildungsausschuss vorgeschlagenen Entwurf weiterentwickelt (verändert) hatte und – ohne Rücksprache mit dem zuständigen Ausschuss – der Delegiertenversammlung vorgelegt hatte. Von Seiten des  Vorstands wurde deutlich gemacht, dass dieser Formfehler der knappen Zeit (siehe oben) geschuldet war, aber tatsächlich eigentlich hätte vermieden werden sollen.

Am Rande sei erwähnt, dass die bayerische Weiterbildungsordnung der PTK – was die Genderisierung angeht – vermutlich die modernste Satzung/Ordnung einer Psychotherapeutenkammer darstellt: Im Text sind bei Personen und Berufsbezeichnungen nicht nur durchgehend Männer und Frauen genannt worden, zudem wird in einer Fußnote erwähnt, dass alle Personenbezeichnungen für Männer, Frauen und Andere gelten.

Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz

Das Ringen um ein PsychKHG in Bayern hat schon fast Tradition. Während „die Politik“ (sprich „das“ Ministerium und die herrschende Partei) bis zum vorletzten Jahr die bisherigen Regelungen im alten bayerischen Unterbringungsgesetz (die eher ordnungsrechtliche Vorgaben machen) für ausreichend erachteten, zeichnet sich hier inzwischen eine Veränderung ab. Im Gesundheitsministerium gibt es Beratungen (runde Tische!) über die sinnvollen Themen und Inhalte und am 26. November wurden tatsächlich Eckpunkte für ein solches Gesetz vorgelegt und den Verbänden und Kammern und weiteren Experten zur Stellungnahme zugeleitet. Ein etwas ungewöhnlicher Schritt, zumal in den Eckpunkten keine wirklichen Inhalte, sondern v.a. Überschriften bzw. Themen benannt werden, die in dem Gesetz zu regeln wären. Man kann es dennoch als Fortschritt ansehen, dass nicht mehr über das „Ob“ sondern nur noch über das „Wie“ eines solchen Gesetzes beraten wird. Hintergrund des sehr schwierigen Entwicklungsprozesses mag die Einsicht bei den Zuständigen sein, dass der Freistaat nicht ungeschoren, soll heißen, nicht ohne die Notwendigkeit davon kommt, auch Haushaltsmittel in erheblichem Umfang zur Verfügung zu stellen. Das ist unvermeidlich, wenn psychisch kranke Menschen nicht nur „weggesperrt“ werden sollen, sondern wenn ihnen geholfen werden soll, psychische Belastungen zu vermeiden oder so rasch zu intervenieren, dass spätere teurere und ggf. stationäre Behandlung vermieden werden können.

Maßregelvollzugsgesetz

Bayern wird endlich – vielleicht auch angeregt durch die skandalträchtigen Abläufe im Zusammenhang mit dem „Fall Mollath“ – ein neues Maßregelvollzugsgesetz erhalten. Der Gesetzentwurf bringt in vielen Punkten eine Modernisierung, nicht jedoch mit Blick auf die Psychotherapeuten. Sowohl der Arbeitskreis der Forensik-Psychologen/Psy-chiater als auch die Kammer und einzelne Akteure haben seit dem Bekanntwerden des ersten Entwurfs intensiv versucht, die Politik, das zuständige Ministerium und auch andere anzusprechen und für unsere Positionen zu werben – es geht letztlich um die Möglichkeit Forensische Einrichtungen zu leiten und selbstständig, ebenso wir Ärzte, in diesem Bereich tätig werden zu können (Vorbild: Nordrhein-Westfälisches Gesetz). Es gibt auch viel Zuspruch und Verständnis, gerade auch von den Verwaltungen der Maßregelvollzugseinrichtungen, denn dort gibt es immer größere Probleme qualifizierte / interessierte Ärzte für Leitungsstellen in der Forensik zu gewinnen. Gleichwohl: Hier stehen noch intensive Diskussionen an und das Ergebnis ist ungewiss, weil deutlich wird, dass die Veränderungen des Psychotherapeutengesetzes im hier zuständigen Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales noch nicht angekommen oder verstanden worden sind (oder dass es da evtl. berufsständisch motivierte Abwehrhaltungen gibt).

Willi Strobl, Rudi Merod, Heiner Vogel

Kontakt:
bayern@dgvt.de; bayern@dgvt-bv.de


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