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Stellungnahme der AG der Landespsychotherapeutenkammern zum EBM-Entwurf der Spitzenverbände der Krankenkassen


ARBEITSGEMEINSCHAFT
DER

LANDESPSYCHOTHERAPEUTENKAMMER BADEN-WÿRTTEMBERG
GRÿNDUNGSAUSSCHUSS DER BAYERISCHEN LANDESKAMMER DER PSYCHOLO-GISCHEN PSYCHOTHERAPEUTEN UND KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTEN
KAMMER FÿR PSYCHOLOGISCHE PSYCHOTHERAPEUTEN UND KINDER-UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTEN IM LAND BERLIN
PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER BREMEN
PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER HAMBURG
LANDESKAMMER FÿR PSYCHOLOGISCHE PSYCHOTHERAPEUTINNEN UND ?THERAPEUTEN UND KINDER-UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTINNEN UND ?THERAPEUTEN HESSEN
PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER NIEDERSACHSEN
PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER NORDRHEIN-WESTFALEN
LANDESPSYCHOTHERAPEUTENKAMMER RHEINLAND-PFALZ
ERRICHTUNGSAUSSCHUSS PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER SACHSEN
ERRICHTUNGSAUSSCHUSS PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER SCHLESWIG-HOLSTEIN
ERRICHTUNGSAUSSCHUSS PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER THÿRINGEN

 

Die Arbeitsgemeinschaft der Landespsychotherapeutenkammern protestiert gegen den EBM-Entwurf der Krankenkassen. Wir verstehen zwar das Motiv, dem KBV-Entwurf einen eigenen Entwurf der Krankenkassen entgegenzusetzen, wenden uns jedoch entschieden

    • gegen die strukturelle Benachteiligung der Psychotherapeuten gegenüber den Ärzten und
    • gegen die gravierende Abwertung der Psychotherapie.

Unverständlich ist uns auch, dass einerseits die Krankenkassen zutreffend die Zunahme psychischer Erkrankungen beklagen (s. DAK-Report 2002, GEK-Gesundheitsreport 2001) und konsequenterweise eine verbesserte Versorgung einfordern, andererseits aber mit Ihrem EBM-Entwurf dokumentieren, dass Sie eine gravierende Beeinträchtigung der psychotherapeutischen Versorgung Ihrer Versicherten in Kauf nehmen würden.
Ohne auf jedes Detail des Entwurfs eingehen zu wollen, möchten wir zu den wichtigsten, unseren Leistungsbereich tangierenden Punkten, Stellung beziehen:

Leistungen der Richtlinienpsychotherapie

Offensichtlich wurde das Prinzip, alle Leistungen massiv abzuwerten, auch auf die Leistungen der Psychotherapierichtlinien angewandt. Neben dem unrealistisch niedrig bewerteten Bericht an den Gutachter auf der Grundlage einer Zeitdauer von 60 Min. und der ebenfalls zu niedrig bewerteten biographischen Anamnese, fällt vor allem die Abwertung der Psychotherapie um ca. 30% auf:

    • Die Bewertung der Einzelpsychotherapie mit 1050 Punkten (derzeit: 1450 Punkte) fällt hinter den Stand der EBM-Reform von 1994 zurück. Damals war diese Leistung auf 1100 Punkte angehoben worden.
    • Die Gruppentherapie, die wegen ihrer geringen Bewertung von derzeit 225 Punkten für die 50-Min.-Sitzung in der Versorgung kaum noch eine Rolle spielt (weniger als 1% aller Anträge auf Kostenübernahme für Psychotherapie) wollen Sie mit 180 Punkte bewerten.

Mit Ihren Bewertungen ignorieren Sie die einschlägige Vorschrift in § 85 Abs. 4 SGB V und die BSG-Rechtsprechung zur Vergütung der Psychotherapie. Das Bundessozialgericht hat in mehreren Urteilen festgestellt, dass die Einkommen der Psychotherapeuten nicht hinter denen der anderen Fachgruppen zurückbleiben dürfen. Um dies unter den gegebenen Bedingungen des EBM zu gewährleisten, muss ein Mindestpunktwert garantiert werden. Auf der Grundlage Ihrer Bewertungen müÿte ein Punktwert angesetzt werden, der weit über dem vom BSG festgesetzten Punktwert liegen müßte. Dies ist angesichts der innerärztlichen Verteilungskämpfe völlig unrealistisch.
Ihr Vorschlag enthält keine testdiagnostischen Leistungen. Wir fragen uns, wie eine qualitätsgesicherte Psychotherapie ohne Psychodiagnostik auskommen soll. Wir bitten Sie, sich in diesem Punkt den EBM-Entwurf der KBV zu eigen zu machen, der Psychodiagnostik in sinnvoller Weise ermöglicht.

Versorgungsspektrum außerhalb der Richtlinienpsychotherapie

Mit Ihrem EBM-Entwurf befürworten Sie eine gravierende Einschränkung des Leistungsspektrums der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gegenüber den Fachärzten für Psychotherapeutische Medizin und damit eine Verzerrung des Wettbewerbs um die beste Versorgung psychisch kranker Patienten.
Folgt man Ihrem Entwurf erhalten Fachärzte für Psychotherapeutische Medizin unbeschränkt abrechenbare Gesprächsleistungen als Einzelbehandlung und als Gruppenbehandlung, wobei diese nicht-antrags- und nicht-genehmigungspflichtigen sowie gutachterbefreiten Leistungen annähernd so hoch bewertet werden wie die Richtlinienpsychotherapie, nämlich mit 1000 Punkten je 50 Min. Einzeltherapie.
Diese Versorgungsmöglichkeiten sollen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten trotz vergleichbarem Kompetenzprofil vorenthalten werden. Hier ist lediglich eine Einzelgesprächsleistung von maximal 4 x 10 Min. je Quartal vorgesehen, mit der in der Praxis nicht gearbeitet werden kann.
D. h. Gruppenbehandlung soll für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten weiterhin lediglich im Rahmen der Psychotherapierichtlinien durchführt werden können, obwohl eine aufwendige Gruppenpsychotherapie im Rahmen der Psychotherapierichtlinien oft nicht notwendig und unwirtschaftlich ist. Insbesondere indikationsbezogene Gruppenbehandlungen zur Bewältigung schwerer und chronischer Krankheitsbilder z. B. im Rahmen von Disease-Management-Programmen sollen nach diesem EBM - Entwurf nicht durchgeführt werden können, obwohl teilstandardisierte und ökonomische Verfahren in großer Zahl gerade aus der psychologischen Psychotherapie heraus entwickelt, in psycho-somatischen Kliniken erprobt und evaluiert worden sind.
Im Übrigen halten wir auch im Facharztkapitel eine Mengenbegrenzung sowohl bei der nicht-antragspflichtigen Einzel- als auch bei der nicht-antragspflichtigen Gruppenbehandlung für notwenig, da es sich um neue Leistungen handelt und nicht absehbar ist, in welcher Weise sich das Leistungsvolumen entwickelt. Vor allem muss eine nicht sachlich motivierte Verlagerung von der in weit stärkeren Maße mengen-gesteuerten qualitätsgesicherten Richtlinienpsychotherapie zu allgemeinen Ge-sprächsleistungen verhindert werden.
Desweiteren ist es sachlich nicht gerechtfertigt, den Ordinationskomplex der Fachärzte für Psychotherapeutische Medizin 2,3 fach höher anzusetzen als den der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Insbesondere wird dem erhöhten Koordinationsaufwand bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen durch eine angemessene Bewertung dieser Leistung nicht Rechnung getragen.
Wir hoffen, unseren Standpunkt ausreichend deutlich gemacht zu haben. Wir bitten Sie, sich die dargelegten Gesichtspunkte bei den anstehenden Verhandlungen im erweiterten Bewertungsausschuss zu eigen zu machen. Für ein Gespräch stehen wir gerne zur Verfügung.


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