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Treffen der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Psychotherapieverbände des GK II

Von: Jürgen Kuhlmann

Am 15. Januar diesen Jahres fand in Siegburg auf Einladung des Verbandes der Angestellten Krankenkassen/Arbeiterersatzkassenverband (VdAK/AEV) ein informatives Treffen zwischen den VertreterInnen der Spitzenverbände der Krankenkassen auf der einen und den Vertretern der im Gesprächskreis II zusammengefassten Psychotherapie-Verbände als SprecherInnen der niedergelassenen Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutInnen statt.


Aktueller Anlass war der letzte Entwurf der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für eine Neufassung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes für ambulante vertragsärztliche Leistungen (EBM), beziehungsweise der entsprechende EBM-Entwurf der Krankenkassen. Im Vorschlag der KBV war für die zentrale Leistungsziffer ein Wert von 1680 Punkten erstritten worden, mit dem man sich gerade noch arrangieren konnte. Dem stand im Entwurf der Krankenkassen nur ein Wert von 1050 Punkten gegenüber.

Natürlich hatte die Veröffentlichung dieser offenen Abwertung Psychotherapeutischer Leistungen, gerade von den Krankenkassen, eine deutliche Protestwelle zur Folge.

Im Vorgespräch der Psychotherapeutenverbände untereinander wurde vereinbart, durchaus berechtigte Partikular-Interessen im Gespräch mit den Krankenkassen erst einmal hintan zu stellen und Antworten auf die Fragen, die nach dem Zustandekommen und der Zielrichtung des Kassenentwurfes alle in gleichem Maße betreffen, zu bekommen.

Aus der Sicht der Krankenkassen gab Dr. Gerdelmann (Vorstand des VdAK) einen kurzen historischen Abriss der EBM-Verhandlungen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, deren Weigerung zur Zusammenarbeit letztlich zu einem eigenen, eiligen Entwurf der Krankenkassen geführt habe.

Gerdelmann erläuterte, dass für alle Arztgruppen vergleichbare Kriterien Anwendung fanden, die jedoch dem aktuellen Tätigkeitsprofil der PsychotherapeutInnen nicht Rechnung trugen.

Grundlage für das Rechenmodell sei ein kalkulierter Arztlohn von 170.000 DM, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Arztgruppe. Es wurde von 53 Arbeitsstunden in der Woche bei einer Jahresarbeitszeit von 229 Arbeitstagen (43 Wochen) ausgegangen. Über diese reine Arbeitszeit hinweg wurde für alle Arztgruppen mit einer Produktivität von 90% kalkuliert, soll heißen in 90% dieser Zeit können abrechnungsfähige Leistungen erbracht und den Krankenkassen in Rechnung gestellt werden.

Bei der Berechnung des KBV-EBM-Entwurfes war nach langen Verhandlungen eine Produktivität von 65% in die Rechnung mit eingeflossen, weil wir im Kernbereich nur die selbst erbrachte Gesprächsleistung in Rechnung stellen können, der zusätzliche Aufwand im Umfeld wird nicht eigens honoriert. Dieser Entwurf entspricht also besser der Realität der psychotherapeutischen Praxis.

Eine zusätzliche Schieflage des Kassenentwurfs ergab sich durch die Anwendung von veralteten Zahlen, was den Praxiskostenanteil betrifft. Die von den Kassen herangezogenen Zahlen bezogen sich auf Datenmaterial, das vor dem Psychotherapeutengesetz erhoben worden war und dem geforderten Bild der Vollzeitpraxis mit entsprechender professioneller Praxisstruktur natürlich in keiner Weise entspricht.

Das erklärt, warum unsere Berufsgruppe gegenüber anderen Arztgruppen nochmals überproportional abgewertet wurde. Das Ziel eines Bewertungsmassstabes sei es, die Vergleichbarkeit von unterschiedlichen Leistungen abzubilden, unabhängig von den absoluten Zahlen. Mit der niedrigeren Ansetzung für Alle sei nicht auf eine Kürzung abgezielt, sondern auf die Stützung des Punktwertes.

Insgesamt war das Gespräch relativ offen, es wurden Informationsdefizite aufgearbeitet, die nach Bedarf eingearbeitet werden sollen. Maßgeblich für eine relevante Änderung des Kassenentwurfes, vielleicht auch für eine absehbare Lösung im Konflikt zwischen Kassen und Kassenärztlichen Vereinigungen ist einerseits die Verdeutlichung der besonderen Problematik der PsychotherapeutInnen, andererseits, ob es uns gelingt, diese Problematik aus der allgemeinen Verhandlungsmasse zwischen Kassen und Ärzten herauszuhalten.

Weitere Gesprächsrunden werden von beiden Seiten offen gehalten.


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